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„Wir kämpfen gegen einen Feind, den wir nicht sehen“

Hannes Koch ist Einsatzleiter in Eisbach-Rein nördlich von Graz. Was den Einsatz so herausfordernd macht, warum es ohne Senioren nicht ginge und es noch lange nicht vorbei ist.

Das Bild zeigt Abschnittsbrandinspektor Hannes Koch
© Michael Saria
Abschnittsbrandinspektor Hannes Koch|Abschnittsbrandinspektor Hannes Koch
Wilfried Rombold
Redakteur Steiermark-Ressort

Wie geht es Ihnen nach einer Woche Waldbrandeinsatz?

Hannes Koch: Derzeit geht‘s noch. Das blendet der Körper aus. Ich habe auch eine gute Mannschaft hinter mir, das braucht man in jedem Fall.

Finden Sie noch genug Schlaf?

Ja, so sechs sieben Stunden in der Nacht. Dafür hat man schon eine Ablöse.

Als die Alarmierung letzten Samstag hereinkam: Haben Sie gleich gewusst, das wird jetzt länger dauern?

Ja, das haben wir sofort gewusst aufgrund der vielen Notrufe, die eingegangen sind. Wir haben dann gleich Großalarm ausgelöst und alle Waldbrand-Module aus dem Bereich Graz-Umgebung hergeholt.

Das Bild zeigt Hannes Koch
© Feuerwehr
Leben in der Lage: Hannes Koch im Einsatzstab|Leben in der Lage: Hannes Koch im Einsatzstab

Die Mannschaften wechseln ständig, die Einsatzleitung bleibt aber die Gleiche. Wie herausfordernd ist das?

Man muss die Aufgaben ständig nachjustieren. Die eigene Feuerwehr weist nur mehr ein, damit sich die anderen Kräfte auskennen. Einer von Schladming weiß ja nicht, wie es da oben ausschaut. Und auch ein Waldbrand schaut wahrscheinlich in Schladming anders aus als da in unserem Hügelgebiet, im Grazer Becken oder auf der Rax.

Was ist derzeit das besonders Schwierige am Einsatz?

Für einen Feuerwehrmann ist das mental derzeit ganz schwierig. Wir bekämpfen einen Feind, den wir nicht sehen. Weil das Feuer, unser Feind, ist in der Erde drin und wir müssen ihn erst ausgraben. Erst der Drohnenpilot mit der Wärmebildkamera sagt einem: Dort unter dir‘brennt's. Eigentlich müssten die Feuerwehrleute bloßfüßig gehen, damit sie merken, wo es heiß ist.

Videocredit: Christoph Pirstinger

Auch mit feuerfesten Stiefeln klingt das alles nach einem extrem kräftezehrenden Einsatz.

Die Leute müssen teilweise einen halben Meter in das Erd- und Wurzelreich hineingraben. Das ist körperlich für jeden eine Qual da oben. Sie müssen sich auch teilweise abseilen, um in den Hängen und Wänden arbeiten zu können. Es grenzt fast an ein Wunder, dass wir noch fast keine Verletzungen haben, abgesehen von ein paar Kleinigkeiten. Natürlich liegt das auch an der guten Ausbildung.

Im Gelände
© FF Kumberg
Im Gelände

Ist immmer genügend ausgeruhtes Personal da, funktioniert die Rotation?

Ja, die Steiermark hält da schon zusammen. Wir haben zwar auch Sondereinheiten aus Burgenland und Niederösterreich da. Aber noch ist die Steiermark so gut aufgestellt, dass wir immer wieder auswechseln können. Mittlerweile hatten wir alle Feuerwehrbereiche eineinhalbmal hier. Bis heute (Stand Donnerstag, Anm.) waren das mehr als 2000 Leute. Die nehmen sich natürlich Urlaub dafür.

Sie werden auch von anderen Organisationen unterstützt wie der Bergrettung.

Es gibt eine sehr gute Zusammenarbeit mit allen Einsatzorganisationen. Egal ob das jetzt die Polizei ist oder die Bergrettung, oder das Rote Kreuz: Wirklich großes Lob an alle, die da mithelfen. Dass wir vielleicht endlich mal zum „Brand aus“ kommen.

Gibt es dafür schon eine Perspektive?

14 Tage schätzen wir. Weil der meteorologische Herrgott ist nicht hinter uns. Es bleibt weiter schön, dazu kommt der Wind wieder auf. Nur weil kein Feuer zu sehen ist, heißt das nicht, dass es nicht brennt. Wir finden immer wieder Glutnester. Man hat das in Kärnten gesehen: Man glaubt, man hat‘s jetzt, und drei Stunden später schaut es schon wieder ganz anders aus.

Wer verpflegt eigentlich die Tausenden Feuerwehrleute?

Wir haben einen eigenen Verpflegungszug in Graz-Umgebung. Das läuft super. Es ist immer gut, wenn Feuerwehrleute Feuerwehrleute versorgen, weil die wissen, was die essen. Die brauchen kein Gourmet-Menü, sondern Kohlenhydrate, Nudeln und Fleisch. In dem Zusammenhang muss ich auch unsere Feuerwehrsenioren erwähnen, ohne die wären wir aufgeschmissen. Die schauen, dass es uns gut geht, kochen und putzen.

Wie schwierig ist es, auch den Einsatz von bis zu sieben Hubschraubern zu koordinieren?

Wie unser Sonderbeauftragter Harald Schaden schon gesagt hat: Mehr als sieben Hubschrauber wären auf 70 Hektar Fläche nicht gegangen, da ist der Luftraum zu voll. Mit der Flugstaffel ist das eine super Geschichte. Sie haben genau das gemacht, was wir wollten und umgekehrt.

© BFVGU

Sind wir in der Steiermark gut genug ausgerüstet für die Waldbrandbekämpfung?

Ich würde sagen, wir sind auf einem guten Weg. Vor 25 Jahren war es nicht vorauszusehen, dass es mit dem Klimawandel und der Vegetation so schlimme Ausmaße annimmt. Deswegen sind wir vielleicht noch ein bisschen hintennach. Es geht schon etwas weiter bei der Ausrüstung, nur das Feuer war jetzt etwas zu früh da für uns. Wichtig ist auch, dass jetzt steiermarkweit alle die gleiche Ausbildung und gleiche Material erhalten. Das macht die Sache einfacher.

Sie sind Kommandant der Feuerwehr Rein und des Abschnittes. Plötzlich leiten Sie einen der größten Feuerwehreinsätze in der Steiermark. Ist man auf den Tag X vorbereitet?

Auf so ein Szenario kann man nicht wirklich vorbereitet sein. Aber wir wissen, wie man größere, personalintensive Einsätze führt. Es gibt einen Abschnittsführungsstab, den haben wir sofort hochgefahren. Der unterstützt den Einsatzleiter schon kräftig.

Was machen Sie hauptberuflich?

Ich bin Schulwart hier im Bundesgymnasium Rein. Für diese Aufgabe wurde ich freigestellt.

Der Neujahrsempfang des Landesverbands war heuer im Stift Rein, auch die Feuerwehr-Wallfahrt im Juli findet hier statt. Hatte da jemand eine Vorahnung?

Ich hoffe nicht. Aber jetzt kennen über 2000 Feuerwehrleute wenigstens den Weg.

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BFVGU

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