Während das Feuerwehrauto über den Forstweg holpert, vorbei an verkohlten Baumreihen und Feuerwehrtrupps mit Spitzhacken und „Löschrucksäcken“, meldet sich das schwarze Funkgerät vor der Windschutzscheibe: Man habe „frische Glutnester“ entdeckt, sagt eine Stimme und fragt, welche Einheit gerade in der Nähe sei. Die Antwort folgt prompt: Ja, wir sind hier.
Tag 5 im Waldbrandgebiet in Eisbach-Rein. Beim Lokalaugenschein der Kleinen Zeitung in der Gemeinde Gratwein-Straßengel (Graz-Umgebung) hat das betroffene Gebiet rund um den Mühlbachkogel eine eigenartige Mischung parat – aus vermeintlich idyllischer Ruhe und gespenstigem Treiben. Tatsächlich ist lange nichts von der Dramatik zu bemerken, die hier seit Tagen die Einsatzkräfte auf Trab hält, erst bei der Anfahrt kurz vor dem Stift Rein verraten es knatternde Hubschrauber: Ohne Unterlass werden sie mit Löschwasser beladen, um in Richtung Glutnester davonzufliegen und wieder von vorne zu beginnen.
Brand auf 70 Hektar
„Anfangs haben die Hubschrauberpiloten das Wasser direkt im Brandgebiet abgeworfen. Jetzt aber geht es darum, die Ränder dieses Gebiets zu benetzen, damit sich das Feuer nicht weiter ausbreiten kann. Ins Innere kämpfen sich mittlerweile unsere Leute vor“, erklärt Herbert Buchgraber, Sprecher des Bereichsfeuerwehrverbands Graz-Umgebung. Weiterhin tobt der Brand auf einer Fläche von 70 Hektar – wobei hier nicht von meterhohen Flammen die Rede ist, sondern eben von Glutnestern, die laufend lodern; von ganzen Hängen, die verkohlt sind und ein fast apokalyptisches Bild bieten; und von dem, was einem als erstes beim Aussteigen aus dem Feuerwehrauto entgegenschlägt: „Man riecht das Verbrannte, gell?!“, meint Johannes Schober, normalerweise Schriftführer bei der FF Eisbach-Rein, in diesen Tagen aber auch für die Medienarbeit und als Mitglied des Einsatzstabs tätig.
Kurz schnaufen an diesem Mittwoch auch Ernst Hiebler und Georg Karner durch: Die beiden Forstfacharbeiter sind für das Stift Rein im Einsatz, also den Besitzer dieses Waldgebiets. Seit Tagen helfen sie, geschädigte Bäume aufzuarbeiten und mögliche Brandherde von vornherein zu entschärfen. Was sie beim Anblick „ihres“ Waldes empfinden? „Da blutet dir das Herz, das kannst uns glauben.“ Nach dem Sturmtief Paula im Jahr 2008 habe man vieles hier wieder mühsam aufgeforstet – „und jetzt das“.
Der Regen blieb leider aus
Und dennoch: Bei aller Sisyphusarbeit, deren Dauer noch niemand abschätzen kann („Der Regen ist ja leider ausgeblieben. Und wenn der Wind blöd dreht, kann es brenzlig werden“, so Herbert Buchgraber) – man erlebt hier heroben, aber auch unten im Tal ungeheuer viel Kameradschaft und Solidarität: Neben Feuerwehrtrupps aus allen Teilen der Steiermark, aber auch Spezialkräften aus dem Burgenland und Niederösterreich, sind sofort Kräfte der Bergrettung, des Roten Kreuzes, der Polizei und Hubschrauberpiloten des Innenministeriums, des Bundesheeres und von privaten Firmen angerückt. Und: Im Rüsthaus der FF Eisbach-Rein, gleichsam die ebenerdige Einsatzzentrale organisieren Ehefrauen von Feuerwehrmännern die Verpflegung – auch dank Lebensmittelspenden aus der Bevölkerung.