Er hält an der Tradition fest: Jahr für Jahr zum 1. Mai ist im Sportzentrum Völkermarkt beim Bezirksfamilienfest der SPÖ-Bezirksorganisation und des Arbö der jeweilige Kärntner SPÖ-Chef der Festredner. Es ist die größte 1. Mai-Feier im Lande. Im Vorjahr war es ein letztes Mal für Peter Kaiser. 14 Mal war er hier. Da wurde noch spekuliert, wer ihm als SPÖ-Chef nachfolgen könnte.
Der Name Daniel Fellner fiel mehrfach. Jetzt ist er da. Zum ersten Mal in seinen neuen Funktionen als SPÖ-Chef und Landeshauptmann. Mit Trachtenjacke und Gilet schüttelt Fellner gefühlt alle Hände der mehreren Hundert Besucher, posiert für Selfies, bedankt sich bei den SPÖ-Frauen für ihren Einsatz für das Kuchen-Buffet, ruft einem Kind zu, das mit dem Ball spielt: „Schieß her“ und kickt den Ball zum Gefallen der Umstehenden zurück. Viele kennt er gut, es gibt Bussis und Umarmungen. Manchen stellt er sich vor. „Hallo. Fellner Daniel.“ So, wie er auftritt, hat man das Gefühl: Er fühlt sich wohl, er macht es gerne.
Hier im Sportzentrum ist quasi SPÖ-Kernland: Viele Bürgermeister der Region, Mandatare, Funktionäre, Parteimitglieder und Sympathisanten sind gekommen. Manche, um den neuen Chef zum ersten Mal persönlich zu sehen. Maria Steindorfer aus Völkermarkt kennt Fellner bereits vom Pensionistenball im Vorjahr. „Ein netter, sympathischer Mann. Ich denke, er wird das Beste aus dem Amt machen“, ist sie überzeugt. Ralf Pinter ist nicht Parteimitglied, „aber überzeugter Sozialdemokrat“. Er war beim Familienfest über Jahre Moderator. Jetzt ist er hier, um Fellner, den er „als Zukunftshoffnung“ sieht, viel Glück zu wünschen.
Die Sporthalle ist gut gefüllt, hat allerdings schon mehr Besucher gesehen. Wenn der Feiertag für ein verlängertes Wochenende sorgt und sich ein Kurzurlaub anbietet, sinkt die Gästezahl. Wienerschnitzel, Schweinsbraten, Bier und Apfelsaft stehen bei den meisten schon auf den Biertischen, als Fellner in seiner Rede den 1. Mai auch als Tag der Solidarität und der Demokratie bezeichnet, gemeinsam Erreichtes und Erkämpftes aufzählt: Den 8-Stunden-Arbeitstag, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, das gemeinsame Einzahlen für Gesundheitsleistungen, Bildung, leistbares Wohnen, Wasserversorgung. Politik trifft Geselligkeit, der Geräuschpegel in der Halle ist so wie jedes Jahr hoch.
Fellner hält sich in seiner 15-minütigen Rede nicht mit Ideologien auf, er stellt das „Wir-Gefühl“ in den Mittelpunkt, benennt es in diesen Zeiten der geopolitischen Verwerfungen und vielen Bedrohungen etliche Maleund ruft in die Halle: „Wir brauchen viel mehr Wir!“
„Nicht sudern!“
Beim Großbrand im Lesachtal sei es über Tage von 2000 Feuerwehrfrauen und -Männern und vielen Helfenden gelebt worden. „Das ist Wir“, ruft er erneut und erntet Zwischenapplaus. Es brauche auch viel mehr Optimismus. „Die Pessimisten kommen von anderen Parteien. Das ist ein Bremsklotz.“ Die Devise der Sozialdemokratie sei „nicht sudern, sondern tun“. Das klingt bereits nach Wahlkampf, wenngleich konkrete Themen fehlen. „Wenn wir das Wir in den Vordergrund stellen und Optimismus ausstrahlen, werden die Freiheitlichen niemals Erste werden“, legt er nach.
„Vom Positiven reden“
Der Appell lautet: „Reden wir vom Positiven.“ Fellner verweist auf niedrige Arbeitslosenquote, Kärntens Top-ten-Platz in Europa in Forschung und Entwicklung, das hohe Maß an Betriebsansiedlungen. Die Probleme des Landes sind in dieser Rede kein Thema.
Elisabeth Lobnik, Bürgermeisterin von Eisenkappel/Železna Kapla ist gleich wie der frühere Bezirksparteichef Jakob Strauß überzeugt: „Mit der Wir-Botschaft trifft Fellner den Punkt. Klar, es ist noch viel zu tun. Aber das Krankjammern und Schlechtmachen, das wollen die Leute nicht.“