Tagelange Knochenarbeit für hunderte Einsatzkräfte, Bangen der Einwohner und enorme Schäden für die Waldbesitzer. Der riesige Waldbrand im Lesachtal hat Spuren hinterlassen – auch in der Tierwelt, Millionen sind den Flammen zum Opfer gefallen.
Amphibien und Reptilien stark betroffen
Nach Insekten, die millionen- bis milliardenfach verbrannt sind, waren Amphibien und Reptilien wohl am stärksten betroffen. „Viele von ihnen sind weniger mobil und sind in unseren Breiten kaum auf Waldbrände vorbereitet. Etwa in Kalifornien haben sie sich diesen stärker angepasst“, erklärt Biologin Karina Smole-Wiener von der Arge Naturschutz in Kärnten.
Im Lesachtal sind laut ihr in einer Großzahl Kröten, Frösche, Molche, Unken und Salamander aus dem Bereich der Amphibien verendet. Etwas mehr Chancen hatten wohl die Reptilien – Schlangen, Eidechsenarten und sogar Blindschleichen sind schneller und auch über weitere Distanzen mobiler. „Bei ihnen war wohl eher das Problem, dass sie verbrannt sind, wenn sie sich durch Verstecken retten wollten.“ Einige haben aber sicher überleben können, meint die Expertin.
Generell sei eine entscheidende Frage, wie schnell sich der Waldbrand ausbreitet, ob er sich linear in eine Richtung bewegt und ob Waldstücke eingekreist werden. „Das ist enorm relevant dafür, wie stark die Tierpopulation betroffen ist.“ Genaue Zahlen gebe es diesbezüglich, wie bei allen anderen Tierarten im Lesachtal, natürlich keine. „Ob der Bestand längerfristig dezimiert bleibt, wird davon abhängen, ob die Waldgebiete rundherum intakt sind und dort ähnliche Strukturen vorherrschen.“ Klar sei aber, dass das abgebrannte Gebiet nun für fünf bis zehn Jahre kaum noch als Lebensraum infrage kommt.
Frisch geschlüpfte Vögel waren chancenlos
Betroffen vom riesigen Waldbrand waren auch die Vögel: „In erster Linie die Eier und frisch geschlüpften Exemplare, die sind leider verloren“, erklärt Andreas Kleewein, Geschäftsführer der Landesgruppe Kärnten von Birdlife. Etwa verschiedene Drosselarten und höhlenbrütende Vogelarten, wie die Meisen, der Star und der Specht, hätten bereits mit der Brut begonnen.
Erwachsene Tiere seien dem Feuer laut dem Experten zu großen Teilen entkommen. Sie stehen nun aber vor einem mittelfristigen Problem: „Viele Vogelarten sind sehr brutplatztreu, sie müssen jetzt aber ein neues Revier beziehen – eines, das bereits von Artgenossen besetzt ist. Und jede Vogelart hat unterschiedliche Lebensraumansprüche. Wenn eine so große Fläche verloren geht, wird es schwierig, eine passende im näheren Bereich zu finden.“ Darüber hinaus müsse man bedenken, dass auch gewaltige Nahrungsflächen verloren gegangen sind.
Zweite Chance für viele Vögel
Es wird Jahre dauern, bis die abgebrannte Fläche wieder von Vögeln bewohnt werden kann. Hinzu kommt, dass Vögel im Lesachtal schon länger vor Herausforderungen stehen: „Anhaltende Trockenheit und der Borkenkäfer haben hier ihre Spuren hinterlassen.“ Eine gute Nachricht hat Kleewein aber noch parat: „Sollten jene Vögel, die nun bereits gebrütet haben, rasch ein passendes Revier finden, könnte es noch zu einer Zweitbrut kommen.“