Die Firma in Judenburg war erfolgreich und ist es noch heute. Ein vom Vater gegründeter Familienbetrieb, der Industriebetriebe mit Dreh- und Frästeilen beliefert. Markus Brunnhofer hat den Betrieb acht Jahre lang gemeinsam mit seinem Bruder geführt. „Ich habe oft den ganzen Tag in den Computer geschaut, links im Augenwinkel hatte ich das Fenster mit Ausblick in die Natur. Und da ist immer wieder die Frage in mir hochgekommen: Willst du diesen Job wirklich bis zur Pension machen?“

Kindheitstraum

Anfang des Vorjahres beantwortet er sich die Frage selbst. Der damals 46-Jährige steigt aus der Firma aus und beginnt, sich seinen Kindheitstraum vom Beruf des Lokführers zu erfüllen: „Es war eine Lebensentscheidung. Ich habe länger damit gerungen, ob ich mit dieser Ausbildung beginnen soll.“ Seine Frau Daniela bestärkt ihn: „Ihre einzigen Bedenken waren, ob ein Langschläfer wie ich auch um drei Uhr in der Früh einen Dienst beginnen kann“, lacht Markus Brunnhofer. Das Aufstehen fällt ihm leichter als gedacht. Mit der Ausbildung ist er inzwischen so gut wie fertig, an die wechselnden Arbeitszeiten im Schichtdienst hat er sich gewöhnt.

„Unbeschreibliches Gefühl“

Sein bisher aufregendstes Erlebnis ist die erste Fahrt von Knittelfeld nach Villach. Er steuert einen Güterzug, gut 600 Meter lang mit mehr als 2500 Tonnen Gesamtgewicht. „Drei Taurus-Loks sind vorgespannt, du hast mit einem Hebel 30.000 PS in der Hand, das Ganze setzt sich in Bewegung – ein unbeschreibliches Gefühl“, leuchten beim Fohnsdorfer die Augen. Ihm zur Seite steht ein Fahrtrainer, der die Nachwuchskraft so unterstützt, dass die Fahrt stets sicher und souverän abläuft.

Seither ist der Vater einer 17-jährigen Tochter überall im Einsatz: Im Verschub, mit Güter- und Personenzügen. Noch immer ist bei jeder Fahrt ein Trainer dabei, aber nicht mehr lange. Die Betriebsprüfung hat er bereits absolviert, Ende Mai folgen die letzten Typenprüfungen. Wenn er diese schafft, wartet am 2. Juni die größte Herausforderung: Markus Brunnhofer wird erstmals alleine eine Schicht auf der Lok absolvieren. Start ist in Bruck, der Radius ist vorerst klein – bis St. Michael oder Trofaiach etwa. „Ich weiß jetzt schon, dass ich die Nacht vorher schlecht schlafen werde, aber es hat etwas unglaublich Aufregendes“, ist er in großer Vorfreude.

Lehrer, Wissenschaftler, Zimmerer

Seine Ausbildung hat er in Graz, Wien, Knittelfeld und St. Pölten absolviert. „Die ersten neun Monate bis zur Betriebsprüfung waren eine extrem fordernde Zeit.“ Der Ehrgeiz packt ihn, er lernt auch die Wochenenden durch: „Meine Frau hat gesagt, ich bin ein echter Streber.“ 31 Männer und eine Frau sind in seinem Lehrgang. Mit seinen 47 Jahren hebt Markus Brunnhofer zwar den Altersschnitt, ist aber nicht der älteste Neuling – der ist um sechs Jahre älter. Vom Lehrer über den Sportwissenschaftler bis zum Zimmerer sind Kollegen dabei, die künftig als Lokführer unterwegs sein werden.

Viel Lernstoff

Neue Freundschaften entstehen, besonders wertvoll ist für Markus Brunnhofer jene zum 22-jährigen Judenburger Sebastian: „Er ist um 25 Jahre jünger als ich, ein sehr gescheiter Bursche. Wir haben uns gegenseitig gepusht, viel miteinander gelernt.“ Und zu lernen gab es wahrlich jede Menge: Elektrizität, Funktionsweise von Motoren, Mechanik, Kraftübertragungen, Gleisoberbau, Zugsicherungssysteme, Vorschriften und so weiter.

Nicht bereut

Keine Sekunde habe er seine Entscheidung bisher bereut, zieht der Spätberufene gut 13 Monate nach dem Start seiner Ausbildung Bilanz. Pilot zu werden, das war übrigens sein zweiter Kindheitstraum, und auch diesen hat er sich gewissermaßen erfüllt: Per Fernbedienung steuert er Modellflugzeuge bei den Pölser „Airsharks“ – ein Hobby, ebenso wie die Imkerei.