Der Waldbrand im Lesachtal – laut Landeshauptmann Daniel Fellner „der größte, den Kärnten je gesehen hat“ – fordert die Einsatzkräfte vor Ort weiterhin. Am Montagabend brach dann in Liebenfels ein neuer Waldbrand aus, auch in der Steiermark toben Waldbrände.
Realistisch gesehen dürften sie wohl nicht die einzigen Waldbrände in diesem Jahr bleiben. „Damit müssen wir rechnen. Die Prognosen zeigen, dass es immer mehr wird, dass Waldbrände bei uns regelmäßiger vorkommen“, sagt Ausbildungsoffizier Patrick Smriecnik von der Landesfeuerwehrschule Kärnten.
Gelingt ein schneller Erstschlag?
Doch wie wird ein Waldbrand eigentlich ganz grundsätzlich gelöscht? „Unser oberstes Gebot ist es immer, Menschenleben zu retten. Daher ist es für den Einsatzleiter zu Beginn einmal wichtig abzuklären, ob Menschen direkt betroffen sind oder nicht“, erklärt der Experte. Anschließend gehe es um den sogenannten schnellen Erstschlag, der für alles Weitere entscheidend sein kann. „Ist es möglich, sofort einzugreifen und den Waldbrand bereits in der Anfangsphase klein zu halten, hat man schon viel gewonnen.“ Deshalb haben sämtliche Feuerwehren in ganz Kärnten eine Waldbrandausrüstung, etwa mit Löschrucksäcken, um im Ernstfall keine Zeit zu verlieren.
Wenn dieser schnelle Erstschlag nicht gelingt, muss der Einsatzleiter strategisch umschalten: „Trifft er die Entscheidung, dass in der Erstphase nichts mehr zu machen ist, muss neu strukturiert und organisiert werden. Dann geht es in Richtung Großeinsatz“, erklärt Smriecnik. Zentral sei in diesem Stadium die Führungsunterstützung, die dem Einsatzleiter dabei hilft, die weiteren Maßnahmen zu planen.
Die Frage nach den Trigger-Punkten
Im Operativen geht es fortan darum, möglichst die Ausbreitung zu verhindern. „Wir sprechen hier von linker und rechter Flanke, an denen das Brandgeschehen tunlichst eingegrenzt werden sollte. Anschließend werden Trigger-Punkte gesucht und festgelegt.“ Diese könnten exponierte Punkte auf Bergen sein, oder etwa Forststraßen. An ihnen wird versucht, das Feuer einzufangen. Smriecnik: „Das muss früh genug geplant werden, um vor die Walze zu kommen.“
Ist das gelungen, greift man mit Bodeneinheiten von den Seiten an, um den Bereich in der Mitte kümmert sich oftmals die Luftunterstützung. „Dort brennt es ohnehin und das Thema Eigenschutz spielt da eine entscheidende Rolle. Die Zusammenarbeit etwa mit Hubschraubern ist immens wichtig.“ Hat man auch dies erfolgreich erledigt, geht es im nächsten Schritt um den Kampf gegen die Glutnester – ein Stadium, in dem aus der Luft kaum mehr geholfen werden kann. „Mit einem Hubschrauber hat man keine Tiefenwirkung in den Boden“, gibt der Ausbildungsoffizier zu Bedenken.
Brutaler Kampf gegen Glutnester
Dieser Arbeitsschritt wirkt von außen meist weniger spektakulär als der Kampf gegen lodernde Flammen. Im Endeffekt ist er aber nicht weniger gefährlich: „Das findet oft im steilen Gelände statt. Es besteht nicht nur die Gefahr des Absturzes, sondern besonders auch durch Steinschlag“, sagt Smriecnik. Darüber hinaus ist der Kampf gegen Glutnester körperlich extrem fordernd: „Nachdem sie etwa mit Wärmebildkameras lokalisiert wurden, müssen sie mit Handwerkszeug aufgegraben und mit Löschrucksäcken oder kleinem Schlauchmaterial gelöscht werden.“
Das ist mittlerweile ein großer Schwerpunkt bei den Basisausbildungen, es wird vermehrt geschult, die entsprechenden Werkzeuge einzusetzen. Auch bei Führungslehrgängen vom Gruppenkommandanten aufwärts sind immer öfter Elemente der Waldbrandbekämpfung dabei.
Waldbrand immer etwas Besonderes
Grundsätzlich sei ein Waldbrand nämlich immer etwas ganz anderes als etwa ein Zimmerbrand. „Er wird meist später entdeckt. Und das Gelände ist natürlich eine zentrale Herausforderung, mit der viele Fragen zusammenhängen“, erklärt Patrick Smriecnik. Wie steil ist das Gelände? Kommt man zu Fuß dort überhaupt hin? Sind Fahrzeuge bis zum Brandherd einsetzbar? Gibt es Forstwege? Welche Luftunterstützung wird benötigt? Wo können Beobachtungsposten eingerichtet werden? Dafür sind die lokalen Feuerwehren unverzichtbar, denn: „Ortskundigkeit ist da alles.“
Und nicht zuletzt sei die Fitness der Mannschaften entscheidend: „Natürlich sollte jeder Feuerwehrmann bei sämtlichen Einsätzen nur fit antreten. Aber bei Waldbränden spricht man von ganz anderen Distanzen und auch viel längeren Einsätzen“, sagt Smriecnik. Auch wenn sich Mannschaften abwechseln, ist das wiederum eine organisatorische Herausforderung in Sachen Stabsarbeit.