Bei Mineralwasser und Milch kennen aufmerksame Konsumenten die Bezeichnung "RePET" bereits. Sie besagt, dass die Verpackung aus recycelten Kunststoffen besteht und damit umwelt- und ressourcenschonender sind. Mit Niemetz - bekannt für die Schwedenbomben, Manja und Swedy - setzt nun erstmals in Österreich ein Hersteller von Genussmitteln auf diese Verpackung.

"Dies gilt ab Ende April für alle Produkte aus unserem Haus. Wir werden kein Gramm neues Plastik in Umlauf bringen, sondern vorhandenes Plastik wiederverwenden", versicherte Gerhard Schaller, Geschäftsführer von Niemetz, am Donnerstag in einer Videokonferenz. Die "richtige Verpackung" sei ein wesentlicher Faktor der Erfolgsgeschichte der Schwedenbomben. "Der Blister ist Kult und seit mehr als 50 Jahren unverändert. Mit dem Umstieg auf RePET ist es uns gelungen, Produktschutz, Nachhaltigkeit, Markennostalgie und Einzigartigkeit zu verbinden", sagte Schaller und erklärte damit auch, warum etwa eine Kartonverpackung nicht in Frage komme.

Verpackungen sind teurer

Rein optisch (und haptisch) wird sich für die Käufer der Niemetz-Produkte nichts (oder fast nichts) ändern. Auf den Verpackungen befindet sich künftig freilich ein RePET-Zeichen.

Für das Unternehmen werden die Verpackungen - die Zulieferer befinden sich laut Schaller in Österreich - um zehn Prozent teurer. Das betrifft jährlich mehrere Millionen Stück. "Das schlucken wir, das ist unsere Investition", erklärt Schaller. Der zusätzliche Aufwand läge im sechsstelligen Bereich. "Es ist ein herausforderndes Projekt, aber es ist unser Herzenswunsch."

Auf Nachfrage erklärt der Niemetz-Chef: "Ja, unsere Produkte werden teurer werden, aber nicht sofort und nicht wegen dieser Umstellung. Das letzte Mal erhöhten wir den Preis für die Schwedenbomben vor fünf Jahren. Seither sind die Lohnkosten um 20 Prozent gestiegen. Unsere Fertigung ist wie jene von Konditoren, also per Hand."

Laut Schaller werde in der Krise übrigens nicht mehr genascht als sonst. "Süßigkeiten sind ein Impulsprodukt. Da die Konsumenten derzeit den Handel weniger oft aufsuchen, können sie diesem Impuls seltener folgen. Dazu kommt, dass man Schwedenbomben nicht auf Vorrat kaufen kann, sie sind ein Frischeprodukt und halten nur drei Wochen."

Warum viele dem Beispiel folgen müssen

Die Umsetzung der RePET-Verpackung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Altstoff Recycling Austria AG (ARA), deren Vorstand Christoph Scharff von einer "Pionierleistung" spricht. Dass Niemetz die Verpackung auf RePET umstellt, könne aber nur der Anfang sein. Denn das Kreislaufwirtschaftspaket der EU mit seinen anspruchsvollen Zielen bis 2025 stelle hohe Anforderungen an Produktion, Produktgestaltung und Verpackungen. Scharff: "Die große Herausforderung ist, dass wir in fünf Jahren das Kunststoff-Recycling verdoppeln müssen, das heißt, wir brauchen sinnvolle Anwendungen für Recyclate. Wir brauchen also mehr Quantität bei besserer Qualität."

Jedes Unternehmen sei jetzt gefordert und müsse andere, besser verwertbare Verpackungen in den Handel bringen. "Wir sind stolz, dass wir unsere Expertise im Bereich Circular Design bei Niemetz einbringen konnten", erklärte Scharff. Im Unternehmensbereich "ARA Circular Design" sei die Kompetenz gebündelt, Kunden zum Thema zu beraten. Die Nachfrage nach Lösungen für ressourcenoptimierte und recyclingfähige Verpackungen sei groß. Gleichzeitig monierte Scharff, dass das Thema noch nicht überall angekommen sei. Und: "Wir stellten auch fest, wie wenig Unternehmen in Österreich die Verpackungsentscheidung treffen."

ARA-Vorstand Christoph Scharff
ARA-Vorstand Christoph Scharff © ARA/Niemetz Schwedenbomben/APA-F

Ein Drittel weniger CO2

Die ökologischen Auswirkungen der RePET-Verpackungen im konkreten Fall Niemetz hat Roland Fehringer, Geschäftsführer von c7-consult und Experte für Ökobilanzierung und Nachhaltigkeit, untersucht. Die Umstellung zeige deutliche Verbesserungen in allen Parametern, erklärt Fehringer. Bei der CO2-Belastung, dem sogenannten Carbon Footprint, schneide die Blisterverpackung aus RePET um 32 Prozent besser ab als die derzeitige Blisterverpackung aus PET.