Bei 1450 erfassten Scheinfirmen hält man in Österreich derzeit. „Aktiv sind diese natürlich nicht mehr. Decken wir eine Scheinfirma auf, ergeht ein Bescheid an die ÖGK und das Firmenbuch-Gericht. Mit dem Entzug der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer werden sie aus dem Verkehr gezogen, auch wenn sie noch im Firmenbuch stehen“, schildert Wilfried Lehner, Leiter der Finanzpolizei.
Durch die auf Hochtouren laufenden Ermittlungen wurden bis Juni bereits mehr als 200 Scheinfirmen aufgedeckt. „Das ist eine massive Zunahme. Im gesamten Vorjahr konnten wir 195 solcher Briefkastenfirmen vom Markt nehmen“, so Lehner. Die Dunkelziffer liege laut Schätzungen bei 25 Prozent.
„Nur mit Scheinbeschäftigung konkurrenzfähig“
Der Schaden, der in Summe angerichtet wird, sei enorm: Laut Hochrechnungen wird pro Jahr alleine im Baubereich von 800 Millionen Euro an Barbehebungen ausgegangen, von dem ein Großteil als Nettolohn schwarz ausbezahlt wird. „Viele dieser Mitarbeiter sind zwar beschäftigt, aber eben nur in Teilzeit, geringfügig oder als Hilfsarbeiter“, wie der oberste Finanzpolizist weiß. Dem Staat würden jährlich so circa 350 Millionen Euro an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen entgehen.
In manchen Bereichen wie Bau, Reinigung oder Personaldienstleistung bzw. Arbeitskräftevermittlung nehme diese illegale Praxis, um Beiträge zu hinterziehen, so überhand, dass man teils nur so konkurrenzfähig bleibt, so Lehner. Der Markt befeuere sich selbst.
Da es nicht undenkbar sei, etwa durch Lieferanten oder Arbeitskräfteüberlasser unwissentlich eine Scheinrechnung in der eigenen Bilanz zu haben, bietet BMD Systemhaus eine Prüfsoftware an, die Unternehmen automatisiert warnt: „Das basiert auf der Liste des Finanzministeriums. Sämtliche Rechnungen lassen sich auch rückwirkend überprüfen“, erklärt Geschäftsführer Markus Knasmüller. Denn: Für Betriebe, die Rechnungen von Scheinfirmen bezahlen, gibt es eine Strafandrohung von 100.000 Euro.
Den aktuellen Forderungen des Finanzministeriums nach mehr Betrugsbekämpfung will der Leiter der Finanzpolizei nicht vorgreifen, aber: „Wir haben konkrete Vorschläge eingebracht, ohne den lauteren Unternehmen zu viel Bürokratie aufzubürden. Das muss gezielt erfolgen.“ In Wien würden 20 Prozent der Personalressourcen für Scheinunternehmen aufgewandt. Durch das erste Betrugsbekämpfungspaket im Vorjahr gebe es Fortschritte: „Wir können seither deren Bankkonten einfrieren.“ Jetzt komme ein zweites Paket.