Hohe Zinsen, verschärfte Kreditvergaberichtlinien (KIM-Verordnung) und gestiegene Kosten haben der heimischen Immobilienbranche einen massiven Einbruch beschert. Nach Rekordjahren hat der Wohnbau in Österreich eine Vollbremsung hingelegt. Vor allem für Familien war Eigentum nicht mehr leistbar und etliche Bauträger haben ihre Projekte auf Eis gelegt. Das ist auch in den Zahlen der fertiggestellten Wohneinheiten ersichtlich. 2024 waren es bundesweit nur mehr 37.600, was auch in Kärnten spürbar ist. Experten warnen schon seit Monaten, dass Wohnraum vor allem in den Ballungszentren knapp wird und steigende Mieten die Folge sein könnten.

Positive Signale

Aktuell zeigen sich laut Vertretern der Kärntner Immobilienwirtschaft erste Signale für eine positive Trendwende. Doch laut Fachgruppenobmann Paul Perkonig braucht es für einen tatsächlichen Aufschwung noch mehr Maßnahmen. Überbordende Regulierung sei „das größte Hindernis auf dem Weg zu leistbarem Wohnraum“, betont er. Denn derzeit gäbe es einen regelrechten Normendschungel, da immer wieder neue Auflagen dazu kommen, aber bestehende nicht evaluiert und überholte auch nicht gestrichen werden. Bauunternehmen müssten derzeit rund 5000 Normen beachten. „Durch eine vernünftige Deregulierung könnten die Baukosten um bis zu 25 Prozent reduziert werden“, ist Perkonig überzeugt.

Als Beispiel nennt er die Stellplatzverordnung. In Zeiten, in denen viele junge Menschen im urbanen Raum auf Car-Sharing, öffentliche Verkehrsmittel, Rad oder Scooter setzen, sei diese und die damit einhergehenden Ausgleichszahlungen „nicht mehr zeitgemäß“. Darüber hinaus würden die Baukosten durch die Errichtung von Stellplätzen steigen, weil für die Zugänge unter anderem Flächen befestigt werden müssen.

Weniger Steckdosen

Perkonig drängt auf die Einführung des deutschen Modells „Gebäudetyp E“, das es in Bayern und Niedersachsen gibt. Dieses räumt Unternehmen ein, von den geltenden Baustandards rechtssicher abzuweichen und dadurch kostengünstiger zu bauen. Stark vereinfacht ausgedrückt, wird nicht nach Goldstandard gebaut, aber bei Statik oder Brandschutz werden keine Abstriche gemacht. Ein konkretes Beispiel dafür wäre eine Holz-Geschossdecke. Üblicherweise werden Holzbalkendecken mit Estrich gebaut, beim „Gebäudetyp E“ könnte man darauf verzichten. Das schmälert zwar Qualität und Komfort aber nicht die Sicherheit. Ein anderes Beispiel sind die Steckdosen. Für eine durchschnittliche Dreizimmerwohnung sind 47 Steckdosen vorgesehen, diese Anzahl könnte bedarfsorientiert reduziert werden.