Kein Reförmchen, sondern eine grundlegende Neuaufstellung ist es, die die Kärntner Tourismus- und Gastronomiesprecher am Donnerstag bei einem Pressegespräch forderten. Und das mitten im Reformprozess, den das Land Kärnten mit dem Tourismusreferat von Sebastian Schuschnig (ÖVP) gerade ausarbeitet. Josef Petritsch, Spartenobmann in der Wirtschaftskammer, verweist auf gute Gespräche: „Wir haben unsere Position klargemacht. Es ist eine historische Chance auf einen großen Wurf.“
Notwendig sei ein solcher aus vielerlei Gründen. Wie auch Tourismus-Spartengeschäftsführer Wolfgang Kuttnig bestätigt, gingen die Nächtigungen seit 1995 von rund 15 Millionen auf 13 Millionen im Vorjahr zurück. Den Bettenschwund lasse man als Ausrede nicht mehr länger durchgehen. Das Kärntner Tourismusgesetz aus 2011 sei in die Jahre gekommen und müsse reformiert werden. Um die Nachfrage und Auslastung wieder steigen zu lassen und den Anschluss an andere Bundesländer, in denen die Zahlen nach oben zeigen, zu finden, werden mehrere Vorschläge unterbreitet: Mehrere Punkte betreffen die Struktur und Aufgabenverteilung, um in der Organisation effizienter zu werden.
Weniger Tourismusregionen, Aus für Verbände?
Konkret heißt es von Petritsch dazu: „Wir brauchen starke, großräumige Tourismusverbände und eine Landestourismusorganisation, die strategisch denkt und messbare Erfolge liefert.“ Aktuell leiste man sich zu viele Ebenen und Doppelgleisigkeiten, in denen das Geld versickern würde. Im Vorfeld habe man Gespräche in den Regionen geführt und sei grundsätzlich auf eine Bereitschaft gestoßen, die Strukturen zu verschlanken. In der Praxis würde das deutlich weniger Einheiten durch Zusammenschlüsse bedeuten. So solle etwa der Wörthersee, den sich aktuell mehrere Tourismusregionen und -verbände „teilen“, einheitlich als ein sogenannter „Erlebnisraum“ auftreten und gebündelt Marketing betreiben. An der Spitze würde die Kärnten Werbung stehen, die etwa die Internationalisierung gezielt und datenbasiert vorantreiben soll.
Millionenschwerer Tourismusfonds gefordert
Neben der strukturellen Neuausrichtung fordern die Vertreter eine Verbesserung der vorhandenen Angebote und Freizeitinfrastruktur, etwa der Radwege, bevor man neue Leuchtturmprojekte angehe. „Solche gehören in einem zweiten Schritt wieder nach Kärnten. Das letzte derartige Großprojekt war der Pyramidenkogel“, so Petritsch.
Da die Vorhaben auch etwas kosten würden, bringt man einen touristischen Infrastrukturfonds ins Spiel: Durch eine Abgabe von 50 Cent pro Nächtigung als Beitrag der Betriebe komme man auf 4,5 Millionen Euro pro Jahr. Vom Land wünsche man sich eine zweckgewidmete Förderung (+50 Prozent), um ein Investitionsbudget von 6,75 Millionen Euro zu bekommen.
Gastronomiesprecher Stefan Sternad fordert zudem mehr Bürokratieabbau, ein vereinfachtes Steuer- und Abgabensystem sowie schnellere Behördenverfahren: „Der Zeitaufwand für KMU beträgt rund 19 Stunden pro Woche.“ In der Vermarktung Kärntens fehle ihm die Alpen-Adria-Kulinarik als eigene Säule.