Die gute Nachricht zuerst: In Kärnten hat sich die Auslastung in den Tourismusbetrieben in den vergangenen 20 Jahren stark gesteigert. Und zwar von 24 Prozent auf zuletzt über 30 Prozent (Sommer 2024), was leicht über dem Bundesländerschnitt liegt. Doch ein Grund für diese Entwicklung ist, dass nicht nur die Nachfrage steigt, sondern gleichzeitig auch das Angebot sinkt.
„Seit 2005 haben wir 50.000 Betten verloren. Das ist definitiv ein Warnruf und wird sich auf die Nächtigungen auswirken“, bestätigt Klaus Ehrenbrandtner. Bei den Übernachtungen habe man trotzdem zulegen können. Mit Blick auf rund 170.000 „Sommerbetten“ über alle Unterkunftskategorien hinweg stellt der Geschäftsführer der Kärnten Werbung fest: „Hier hat uns die Steiermark, wo es Zuwächse gibt, im Vorjahr überholt. Es gibt Bedarf an mehr Qualitätsbetten.“ Aus touristischer Sicht wäre es sinnvoll, wenn sich Vier- oder Fünf-Stern-Betriebe hier ansiedeln würden. Ebenso dramatisch: Ein Viertel der Kärntner Hotelbetriebe hat sich innerhalb von zehn Jahren „verabschiedet“.
Restösterreich schreibt Bettenrekord
Wie eine aktuelle Auswertung der Statistik Austria zeigt, entfällt die Hälfte des österreichweiten Bettenangebots auf Tirol und Salzburg, wo die Bettenentwicklung nach einer Phase der Stagnation wieder nach oben zeigt. „In Österreich wächst die Auswahl an Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Im abgelaufenen Tourismusjahr November 2023 bis Oktober 2024 ist die Zahl der Beherbergungsbetriebe im Jahresvergleich um 2,3 Prozent auf 71.887 gestiegen, das Bettenangebot erreicht mit plus 1,7 Prozent den Rekordwert von 1,19 Millionen“, sagt Generaldirektor Tobias Thomas. Zusätzlich sei die Zahl der Campingplätze auf einen Höchstwert von 729 gewachsen. Zumindest beim Camping-Trend kann Kärnten mithalten: Mit 136 Betrieben (+5) liegt man knapp hinter Spitzenreiter Steiermark (152, +13).
Tourismusexperte Thomas Reisenzahn analysierte die Entwicklung in Kärnten im Detail. „In den letzten Jahren sind viele Ein- und Zwei-Stern-Betriebe aus dem Markt gefallen, während bei gewerblichen Ferienwohnungen 30 Prozent hinzukamen, auch weil viele Hotels darauf umgestellt wurden“, sagt der Geschäftsführer der Prodinger Gruppe. Das liege auch daran, dass der Hotelbetrieb vermehrt auf dieses Angebot umgestellt werde. Dadurch komme es zu größeren Verschiebungen. Nebeneffekt: Durch den höheren Selbstversorgeranteil sinken die Urlauberausgaben. Aufholbedarf sieht Reisenzahn bei aktuellen Trends wie „smarten Budget-Hotels“ für ein jüngeres Publikum oder im Gesundheitsbereich, in dem nach Wellness nun „Medical Health“ boome: „Hier müsste Kärnten stärker mitspielen.“
Winterbetriebe halten sich besser
Bei den Gästebetten wurde laut der Landesstelle für Statistik der Höchststand in den 1980er-Jahren erreicht, seither geht deren Zahl kontinuierlich zurück, wobei die Zahl der „Winterbetten“ stabil bleibt (aktuell: 102.500 in 6200 Betrieben). Zählt man den Campingbereich mit, gab es im Winterhalbjahr 2023/24 zusätzliche Bettenkapazitäten von 25.000.
Ein langjähriger Abwärtstrend setzte sich im vergangenen Sommerhalbjahr nicht fort: Die Zahl der Anbieter von privaten Ferienwohnungen erhöhte sich um 255, wodurch 840 Betten hinzukamen. Bei den gewerblichen Anbietern sind die regionalen Schwergewichte Bad Kleinkirchheim/Millstätter See/Nockberge (14.880 Betten) und die Tourismusregion Villach (14.548). Kärntenweit ergab sich eine Auslastung von 34 Prozent. Im Sommer am besten ausgelastet: 4-Stern-Superior- und 4-Stern-Hotels mit 53 beziehungsweise 44 Prozent.