„Eine Rückführung des Budgetdefizits auf unter 3 Prozent des BIP im Jahr 2025 würde die ohnehin schwache Konjunktur in Österreich weiter dämpfen. Anstelle eines moderaten Wachstums droht in diesem Fall eine neuerliche Rezession“, sagt Stefan Ederer, einer der Autoren der aktuellen WIFO-Prognose.

Die wirtschaftspolitische Unsicherheit in Österreich ist derzeit hoch. Eine neue Bundesregierung
steht vor der Aufgabe einer erheblichen Budgetkonsolidierung, deren Auswirkungen gegenwärtig noch nicht absehbar sind. Die vorliegende Prognose des Wifo beschreibet daher die konjunkturelle Ausgangslage und wurde unter der Annahme unveränderter wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen erstellt. Allerdings wurden die Auswirkungen möglicher Einsparungen in den öffentlichen Haushalten auf die Wirtschaftsentwicklung grob abgeschätzt.

Österreichs Wirtschaft schrumpft heuer bereits das zweite Jahr in Folge. Die Rezession in der Industrie und am Bau hat sich fortgesetzt. Der private Konsum, die Exporte und die Bruttoanlageinvestitionen der Unternehmen sind seit zwei Jahren rückläufig. Im Jahr 2023 ging die reale Wirtschaftsleistung hierzulande um 1 Prozent zurück, 2024 soll der Rückgang 0,9 Prozent betragen. Im Oktober prognostizierten Wifo und IHS noch ein etwas geringeres BIP-Minus von 0,6 Prozent für das laufende Jahr. „Die heimische Wirtschaft hat strukturelle Probleme, und es gibt bisher keine Signale für einen starken Aufschwung“, schreiben die Ökonomen des Instituts für Höhere Studien (IHS).

Inflationsrate

Nach den Rekord-Inflationsjahren 2022 und 2023 mit 8,6 Prozent und 7,8 Prozent soll die Teuerung heuer hierzulande mit 3,0 bzw. 2,9 Prozent deutlicher niedriger ausfallen. Anfang 2025 ist aber mit einem deutlichen Anstieg der Energiepreise zu rechnen, weil die Strompreisbremse ausläuft, die Energieabgaben für Strom und Erdgas wieder auf ihr Normalniveau zurückgeführt werden, und die Ökostromförderbeiträge wieder in Kraft treten. Außerdem steigen die Netzentgelte und der CO2-Preis. Das Wifo rechnet deswegen zu Jahresbeginn mit einer Zunahme der Teuerung auf 2,5 Prozent.

Für das Gesamtjahr 2025 gehen Wifo und IHS von einem Anstieg der Verbraucherpreise um 2,3 bzw. 2,6 Prozent aus. Für 2026 rechnen die Wirtschaftsforscher mit einer Inflationsrate von 2,0 bzw. 2,1 Prozent.

Zwei Jahre Rezession machen sich auch bei den Arbeitslosenzahlen bemerkbar. Wifo und IHS gehen von einem gleich hohen Anstieg aus. Die Arbeitslosenrate soll sich von 6,4 Prozent im Jahr 2023 auf heuer 7,0 Prozent und 7,4 Prozent im kommenden Jahr erhöhen.

Rahmenbedingungen fürs neue Budget

Die Ausgangslage für eine Budgetkonsolidierung ist also schwierig. Industrie und Bauwirtschaft stecken weiter in der Rezession. Zudem sind die privaten Haushalte in ihren Konsumausgaben ungewöhnlich zurückhaltend.

Eine Trendwende zeichnet sich derzeit nicht ab. Die Stimmung in den Unternehmen ist weiterhin überwiegend pessimistisch, wenngleich außerhalb der Industrie eine leichte Aufhellung erkennbar ist. Der für Jahresbeginn 2025 erwartete Energiepreisanstieg infolge höherer Netzentgelte hat das Verbrauchervertrauen neuerlich beeinträchtigt. Die globale Industriekonjunktur und der weltweite Warenhandel kommen erst allmählich wieder in Schwung. Vor diesem Hintergrund dürfte die österreichische Wirtschaft im Jahr 2025 nur um 0,6 Prozent wachsen. In der zweiten Jahreshälfte ist eine leichte Konjunkturbelebung zu erwarten, die sich 2026 in einem BIP-Zuwachs von 1,2 Prozent niederschlagen wird.

Arbeitslosenquote

Die anhaltend schwache Wirtschaftsentwicklung zog einen merklichen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,0 Prozent im Jahr 2024 nach sich. Das Beschäftigungswachstum dürfte erst Ende 2025 etwas anziehen, sodass die Arbeitslosenquote 2025 zunächst auf 7,4 Prozent steigen und erst 2026 wieder auf 7,0 Prozent zurückgehen wird. Die Inflation verlangsamte sich 2024 auf 3% und wird im Prognosezeitraum weiter nachlassen, im Jahresdurchschnitt 2025 aufgrund des Anstiegs der Haushaltsenergiepreise zu Jahresbeginn aber noch leicht über 2 Prozent liegen (2026: 2 Prozent ).

Das Budgetdefizit dürfte im Jahr 2025 ohne weitere Maßnahmen auf über 4 Prozent des BIP steigen. Eine sprunghafte Reduktion des Defizits auf die in den EU-Verträgen festgelegte Höchstgrenze von 3 Prozent der Wirtschaftsleistung würde das BIP-Wachstum – je nach Art und Zeitpunkt der Maßnahmen – um 0,5 bis 1 Prozent dämpfen.