Im Ligister Ortsteil Grabenwarth, direkt unter einem wunderschönen alten Bauernhaus, betritt man eine Welt, die hier so niemand erwarten würde. Zwischen uralten Kameras und Abspielgeräten aller Art reihen sich die modernsten Computer und Monitore aneinander. Im Hintergrund ist eine Kakophonie an Stimmen und Geräuschen zu vernehmen und mittendrin sind Traude und Rainer Fürstaller in ihrem Element. Seit 36 Jahren digitalisiert das Ehepaar Filme und Fotos aller Art und macht auf diese Weise Erinnerungen lebendig.
Begonnen hat Rainer Fürstaller schon früh. „Ich habe als Sechsjähriger die Stereoanlage der Eltern zerlegt, weil ich wissen wollte, wie sie funktioniert“, erzählt der 56-Jährige. Diese Neugierde treibt ihn bis heute an. Er absolvierte bei der Filmproduktionsfirma von Harald Scherz, der SR-Film, die Lehre zum Bürokaufmann, kam zum ORF, zunächst als Kabelträger, später als Ü-Wagen-Leiter und Spezialist im Bereich Messtechnik. Das Studio im Elternhaus in Grabenwarth baute er aber schon vor Jahren um. „Zuerst stand hier nur ein Videorekorder. Ich habe damals einen Hochzeitsfilm von der Mutter eines Freundes auf ein Blatt Papier an der Wand projiziert, und dann mit einer digitalen Videokamera abgefilmt.“
Daraus wurde eine Obsession. Es gibt kein Film- und Ton-Medium, das er nicht imstande wäre zu reproduzieren. Der älteste Film, den er digitalisiert hat, stammt aus dem Jahr 1920. Ganz nebenbei sammelt er auch die Abspielgeräte, „denn für viele gibt es keine Ersatzteile mehr“, so etwa nennt er auch einen Projektor aus dem Jahr 1929 sein Eigen. Sämtliche Film- und Videoformate, Tonbänder, Dias, Schallplatten, Audiokassetten, Minidisks – Traude und Rainer Fürstaller schrecken vor keinem Format und keiner Aufgabe zurück. „Meine große Stärke ist, dass ich neugierig wie ein kleines Kind bin“, lacht Rainer, und Traude gibt zu: „Ich bin da mit der Zeit irgendwie hineingewachsen.“ Sie gilt bei dem Duo als Spezialistin für Super-8-Filme.
Mit welcher Leidenschaft sie ihre Arbeit machen, schwingt aus ihren Erzählungen bald mit. „Wir waren schon überall auf der Welt – mit den Filmen, die wir bearbeiten“, schwärmt Traude. Der mitunter höchst persönliche Lebensbereich, den sie betreten, in dem sie Filmmaterial bearbeiten, bringt sie auch zu einer emotionalen Erkenntnis. „Wir sorgen für Tränen, denn durch unsere Arbeit leben längst vergessene Tage und Menschen wieder auf.“
Zu ihren emotionalsten Aufträgen zählte etwa eine Kundin, die vor zwei Jahren nach dem großen Hochwasser in Niederösterreich nur zwei Videokassetten aus ihrer privaten Erinnerung retten konnte. „Wir haben sechs Stunden an der Wiederherstellung des Bandes gearbeitet und es geschafft.“
Mit ihrem Unternehmen filmueberspielung.at sind die beiden der drittgrößte Anbieter in Österreich, bekommen nicht nur private Anfragen aus dem ganzen Land, zahlreiche Fotohändler und Kunden wie etwa die Holding Graz oder OMV zählen ebenfalls zu ihren Auftraggebern.
Dringender Appell
Mit der Digitalisierung alten Filmmaterials werden die Erinnerungen für die junge Generation gesichert und können mit den modernen Medien jederzeit angeschaut werden, da ja auch teilweise die alten Abspielgeräte nicht mehr im Handel erhältlich sind. Werden die Dateien dann auf verschiedenen Geräten zwischengespeichert, sind die Daten auch sicher. „Außerdem ist es wohl eines der schönsten persönlichsten Geschenke, die man seinen Kindern machen kann“, sind sich die beiden einig.