„Jetzt ist es Zeit für den Ruhestand“, sagt Georg Kury (65) und lässt seinen Blick durch die lichtdurchfluteten Räumlichkeiten schweifen. Die Tage, an denen der Gailtaler sein Geschäft „Kury Uhrmachermeister und Juwelier“ in Hermagor aufsperren wird, sind gezählt. Nach über 140 Jahren endet somit eine Ära, die im Jahre 1885 begann.
Damals richtete sich Kurys Urgroßvater eine kleine Werkstatt etwas abseits des Zentrums ein und legte damit nichtsahnend den Grundstein für das spätere Familienunternehmen. Etwa zehn Jahre später kaufte er jenes Haus in der Hauptstraße 6 und siedelte um. Kurys Großvater stieg in den Betrieb ein, musste jedoch zu Beginn des Ersten Weltkrieges das Handwerk niederlegen und sich der Armee anschließen. 1923 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück, setzte seine Ausbildung fort und übernahm das väterliche Unternehmen.
Ein Schlussstrich
Acht Jahre vergingen, 1931 erblickte Georg Kurys Vater das Licht der Welt. Als er alt genug war, bekam er – wie die Generationen vor ihm – das Handwerk des Uhrmachers gelehrt und besuchte die Meisterschule in Klagenfurt. In den 1960er-Jahren zog sich der Senior (Kurys Großvater) zurück und überließ seinem Sohn die Führung. „Zu dieser Zeit erlebten sie einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Fremdenverkehr hat zu blühen begonnen und das Geschäft ist immer besser gegangen“, sagt Georg Kury, der 1981 die Meisterprüfung abschloss, an der Seite seines Vaters arbeitete und 1991 die Zügel übernahm. „Natürlich hätte ich auch studieren gehen können, aber für mich stellte sich die Frage damals nicht, ob ich den Betrieb weiterführen möchte oder nicht.“
Nach 45 Jahren – davon 35 in der Selbstständigkeit – zieht Georg Kury einen Schlussstrich und verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand. Einen Nachfolger gibt es nicht. „Das Geschäft ist nicht mehr weitervermittelbar“, antwortet er mit einem Schulterzucken. „Die wirtschaftliche Lage in Hermagor ist nicht unbedingt die rosigste. Der Tourismus ist wohl da, aber eher am Nassfeld und auch das nur im Winter. Selbst die Kaufkraft des Sommertourismus ist gesunken.“ Zwar habe er über die Nachfolgerbörse der Wirtschaftskammer versucht, jemanden zu finden – allerdings ohne Erfolg. „Meine Frau und ich stehen teilweise 70 Stunden in der Woche hier und das an sechs oder sogar sieben Tagen. Das will heutzutage keiner mehr“, so der Uhrmachermeister.
Mehr Zeit für Hobbys
Worauf er sich in der Pension am meisten freut? „Endlich haben wir mehr Zeit für unsere Hobbys, wie beispielsweise das Radfahren. Wir wollen auch Reisen unternehmen und die kleinen Dinge im Leben genießen, wie etwa einen Kaffee in der Sonne auf der Terrasse ohne Stress. Ich sehe das ganz pragmatisch. Ich hänge an nichts Materiellem und blicke dem neuen Abschnitt mit Freude entgegen.“
Bis Spätsommer soll sämtliche Ware abverkauft sein. Auf der Webseite informiert Kury laufend über aktuelle Angebote. Welcher Tag der letzte sein soll, steht noch nicht fest. „Spätestens Ende September sollten die Lager leer sein. Sollte der Abverkauf weiterhin so gut laufen, könnte schon früher Schluss sein“, informiert Kury. Ist das Ticken der Uhren gänzlich verstummt, soll das Haus verkauft werden.