Alpha-Chloralose ist ein potentes Rodentizid – also ein Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren – das in der EU seit 2011 als Rattengift verkauft werden darf. Doch immer wieder fallen dem Mittel nicht nur die ungeliebten Nagetiere zum Opfer, sondern auch Katzen, Hunde und sogar manche Greifvögel. Erst in der Woche um die Weihnachtsfeiertage traf es eine südoststeirische Familie gleich mehrfach: „Drei unserer Katzen starben innerhalb einer Woche. Ich will keinen beschuldigen, aber ich traue der Menschheit inzwischen alles zu, ob es Neid oder Katzenhass ist, ich kann mir alles vorstellen“, erklärt ein Familienmitglied, das lieber anonym bleiben möchte. Denn die Katzen, die an dem Gift starben, wie eine Obduktion zeigte, könnten auch bewusst vergiftet worden sein.
Häufige Vergiftung durch falsche Anwendung
Man könne es nicht ausschließen, aber die meisten Fälle seien eher Anwendungsfehler, erklärt die Tierärztin Monika Neumeister. Denn Alpha-Chloralose ist in jedem Baumarkt frei zugänglich erhältlich, aber aufgrund der hohen Gefahr für andere Tiere darf es eigentlich nur in Innenräumen ausgelegt werden. „Ganz wichtig wäre da beim Verkauf eine gute Beratung und es darf auch nicht irreführend auf der Verpackung stehen“, so Neumeister. Hier liege allerdings der Knackpunkt – da das Mittel frei verkäuflich ist, könne die Anwendung niemand kontrollieren.
„Vor drei oder vier Jahren haben mich Kollegen darauf aufmerksam gemacht, dass Vergiftungen mit dem Stoff mehr werden, aber ich habe nur etwa drei bis fünf Fälle pro Jahr“, erzählt die Tierärztin. Dabei handle es sich fast ausschließlich um Katzen, weil diese eher, wie am Hof der betroffenen Familie, frei herumlaufen und hier bereits eine tote Maus zu einer Vergiftung führen kann. Das Mittel Alpha-Chloralose wirkt dabei über mehrere Stunden narkotisierend, beeinträchtigt Stoffwechsel sowie Temperaturregelung und führt meist zum Tod durch Unterkühlung.
Auch in Weiz trifft es immer wieder Katzen und Hunde:
Das Gute sei, dass man beim frühen Erkennen einer Vergiftung (häufige Symptome: Krampfanfälle, Muskelzittern, Schläfrigkeit, Unterkühlung, wankender Gang) als Tierarzt noch einiges machen könne, so Neumeister, wichtig sei vor allem das Wärmen der Tiere. Genau hierbei liege jedoch die Herausforderung mit Katzen. „Bei Katzen, die in der Nacht draußen sind, kann es passieren, dass sie die Vergiftung quasi verschlafen, so war es bei unserem ersten Todesfall“, erzählt die Familie aus der Südoststeiermark. Wie tragisch der Tod durch Alpha-Chloralose ist, erlebten sie dann bei der zweiten vergifteten Katze hautnah mit: „Die haben wir noch erwischt. Sie hat gebrochen und geröchelt, das war total schiach. Wir sind noch zur Tierärztin, aber die konnte nichts mehr tun.“
Anzeige bringt bei Alpha-Chloralose wenig
Was folgte, waren sorgenvolle Nächte, ein Absuchen der Umgebung des abgelegenen Hofes und die Angst, dass es sich doch um eine bewusste Vergiftung handelte. „Wenn das jemand gezielt gemacht hat, soll ihm bewusst werden, was er emotional und familiär damit bewirkt. Es ist zwar nur ein Tier, aber es gehört zur Familie“, appelliert die betroffene Südoststeirerin.
Zur Sicherheit hat sie die anderen Katzen eine Woche im Haus behalten, die Nachbarn informiert und die Umgebung nach Ködern abgesucht – bislang erfolglos. Und auf Anraten ihrer Tierärztin hat sie auch Anzeige bei der Polizei erstattet, da das Gift aber legal zu haben und anzuwenden ist, könne diese nicht viel machen. „Uns wurde geraten, das Thema auf Social Media zu teilen, um darüber zu informieren. Das haben wir auch gemacht, die Leute sollen halt aufpassen, was sie da aufstellen“, appelliert die betroffene Familie.