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Zusatz-Krankenversicherung"Das Rosinenpicken ist keine Lösung"

Kein Luxus für Betuchte: Leistungen, die nur Zusatzversicherten angeboten werden, würden das solidarische Gesundheitssystem für alle aushöhlen, meinte GKK-Obmann Josef Harb im Gespräch mit Claudia Gigler.

GKK-Obmann Josef Harb © Ballguide / Großschädl
 

Herr Harb - Sie sind Obmann der steirischen Gebietskrankenkasse, und diese betreibt selbst Ambulatorien. Welche Leistungen in Spitalsambulanzen könnten sie sich vorstellen, die nur Zusatzversicherten offen stehen?

JOSEF HARB: Keine. Das wäre alles gleichbedeutend mit einer Zwei-Klassen-Medizin. Wer das Geld hat, der kommt schneller dran oder wird besser behandelt. Das ist inakzeptabel! Oder  Sondereingänge, damit die Betuchteren an den Armen vorbei können, nicht gestört werden durch ihren Anblick. Nein! Auch die freie Arztwahl kann nicht sein, das solidarische System ist die Basis, daran sollte festgehalten werden.

Aber unterschiedliche Leistungen gibt es derzeit auch, irgendwie muss sich die Zusatzversicherung doch lohnen.

Ja. Und in unserem System gibt es den Wahlarzt, den sich besser Verdienende leisten können. Das ist auch nicht ideal, aber  es passiert uns halt. Wir haben Partner mit Angeboten, die wir nicht im Griff haben. Aber eine Ausweitung der Sonderklasse-Vergütung auf die Ambulanzen würde das noch verstärken. Ich  halte das für eine Fehlentwicklung. Aber meines Wissens ist da ja das letzte Wort nicht gesprochen, und ich hoffe, dass man da noch zur Vernunft kommt.

Der Anlass ist ja etwas ganz anderes, dass man nämlich eine Reduktion der Spitalsbetten, kürzere Verweildauern erreichen möchte, indem man Behandlungen, bei denen es möglich ist, in die Ambulanz verlagert.

Und dieser Weg aus der stationären Behandlung ist gut, ist ein interessanter Ansatz. Über allem steht Begriff "best point of service", die Frage: Wo erziele ich mit den Mitteln, die ich zur Verfügung habe, für die PatientInnen den besten Effekt. Wobei: Auch das muss man ganzheitlich betrachten. Ich sehe das bei meinen Gesprächen mit dem Roten Kreuz: Durch die Verlagerung von stationären Behandlungen in die Ambulanzen haben die beachtliche Frequenzsteigerungen, das führt dort wiederum zu Mehrkosten.

Und den Spitälern kommen die Sondergebühren abhanden, wenn die Zusatzversicherten weniger oft stationär behandelt werden.

So ist das eben. Wichtig ist der beste Effekt für die Patienten, Geld folgt Leistung. Man kann nicht Betten reduzieren und Leistungen in den extramuralen Bereich verlagern, ohne dass das eine Auswirkung hat. Es muss Einsparungen geben, die höher sind als der Aufwand an anderer Stelle.

Was genau stört Sie an der Wahlarztregelung im eigenen Bereich?

Weil genau diese Ausweichmöglichkeit, die man den Menschen im System bietet, zu Problemen bei Steuerung und Patientenlenkung führt. Das Rosinenpicken ist keine Lösung. Und es werden  Mittel entzogen, die dann für das solidarische System fehlen. Wir haben  960.000 Leistungsberechtigte in der Gebietskrankenkasse, alle Einkommengruppen, auch Arbeitslose, Mindestsicherungsbezieher, Pensionisten. Und wir wollen allen dasselbe bieten. Wenn wir uns nur um die geiern, die mehr zahlen können, wenn wir die herausnehmen aus dem System, dann führt das zu einer Armenversicherung.

Könnten Sie nicht im Endeffekt sogar profitieren, indem ihre Ambulanzen vielleicht auch Gelder aus der Privatversicherung lukrieren können?

Bitte nicht. Diese Pyrhussiege brauchen wir nicht, das führt uns nur zu einer Mehrklassenmedizin, zu einer Verschärfung der Situation. Wir sind nicht naiv, wir wissen, dass es da Dinge gibt, die nicht optimal laufen, wir wollen aber mit unseren Vertragspartnern zu Lösungen kommen, innerhalb derer die notwendigen Sachleistungen gewährleistet sind und sich die Gesundheit der Bevölkerung verbessert.

Wie genau wollen Sie das erreichen?

Wir sind noch viel zu sehr in der Reparaturmedizin. Wir müssen hin zu besseren Präventionsmaßnahmen, zu Lebensstilfragen, daran arbeiten wir. Was können wir dazu beitragen, dass alle Gesundheitsdienste, alle Ärzte jene Aktivitäten, mit denen sie präventiv wirken, erbringen können, dass diese Leistungen auch gesehen und finanziert werden, nicht nur die Reparaturmedizin? Dort müssen wir hin!  Therapeuten, Diätologen müssen auch Geld dafür bekommen, dass sie den Menschen erklären, wie sie nicht krank werden, sondern werden sie das nicht tun, sie sind ja nicht die Mutter Theresa! Für die Gesamtgesellschaft wäre das von Nutzen.

Gesundheit ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO übrigens ein Zustand des absoluten körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Auch des sozialen Wohlbefindens! Wir arbeiten an den Primärversorgungseinrichtungen, eine Komponente ist die Sozialberatung, eine andere die Gesundheitskompetenz-Erweiterung. Der Anteil der Gesundheitsdienste daran, dass die Bevölkerung gesund bleibt, liegt zwischen 20 und 40 Prozent. Der Rest, 60-80 Prozent, entscheidet  sich woanders. Da geht es um Lebensstil, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Stress, mangelnde Bewegung und die sozialen Lebensverhältnisse. Damit müssen wir uns beschäftigen!

Kommentare (1)

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wolfisch
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Ich kündige jetzt meine Zusatzversicherung und kauf mir statt dessen um das Geld einen tollen leasingwagen. Da hab ich mehr davon.

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