Raphael Haaser hat im WM-Riesentorlauf in Saalbach-Hinterglemm eine Sensation geliefert und Gold im Riesentorlauf gewonnen. Der Tiroler, zuvor bereits Vizeweltmeister im Super-G, gewann am Freitag vor den beiden Schweizern Thomas Tumler und Loic Meillard. Nach dem ersten Durchgang war Haaser, der im Weltcup noch nie gewonnen hat, Fünfter. Titelverteidiger Marco Odermatt wurde Vierter, Marco Schwarz kam auf Platz fünf. Es war die sechste Medaille für den ÖSV bei der Ski-WM.

Vor 19.500 Menschen im Besucherraum gelang Haaser im zweiten Durchgang mit der viertbesten Zeit der Vorstoß auf die oberste Stufe des Siegertreppchens, während die Favoriten um Odermatt einer nach dem anderen ausließen. „Es ist unglaublich. Ich bin noch nie bei einem Weltcuprennen ganz oben gestanden, dann jetzt da daheim bei der Heim-Weltmeisterschaft. Im Riesenslalom hat es mich auch noch oft einmal ein bisschen gefuchst. Ich weiß gerade nicht, was ich sagen soll“, kommentierte der 27-Jährige seinen bisher größten Erfolg.

Haaser hatte erst in Kitzbühel knapp eine Woche vor dem WM-Start sein Comeback nach einer Knieverletzung gegeben und war im Super-G auf Anhieb Zweiter hinter Odermatt. Sein bestes Resultat im Riesentorlauf war bisher ein siebenter Platz gewesen. „Ich nehme es nach dem Motto, wenn es läuft, dann läuft‘s. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Ich habe mir gesagt, ich habe nichts zu verlieren“, sagte er.

Bei der ersten Zeremonie im Ziel ging Raphael Haaser auf ein Knie, verbarg das Gesicht halb hinter einem Handschuh und verharrte ein paar Momente in vollkommener Ruhe. „Ich habe ein bissl Zeit gebraucht, um das ein bissl sacken zu lassen. Wenn man da in das Stadion schaut, es gibt für einen Skifahrer nichts Cooleres, als vor Heimpublikum in so einem Stadion eine gute Leistung abzurufen“, sagte der neue Riesentorlauf-Weltmeister von Saalbach-Hinterglemm. „Es ist unglaublich.“

WM-Teilnahme stand lange Zeit nicht fest

Gut war die Leistung nicht, sie war vielmehr „im zweiten im unteren Teil fantastisch“, wie Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer den Goldlauf einordnete. „Abnormal wie er den Riesentorlauf gewinnt, das ist schon speziell. Unglaublich, dass er die Schweizer Armada, die so stark ist, gebogen hat.“ Und Pfeifer bestätigte, dass es lange nicht fix war, ob Haaser rechtzeitig für die WM fit wird: „Es hat geheißen, sechs bis acht Wochen Pause, da wäre es nicht realistisch gewesen. Wir haben gut mit den Ärzten kommuniziert, die Freigabe bekommen, es war relativ wenig Zeit. Techniktrainer Hannes Wallner ist dann mit ihm frei Skifahren und Technik fahren gegangen, so hat sich das aufgebaut.“

Den Spitznamen „Iceman“ trägt Haaser, der mit der deutschen Skirennläuferin Fabiana Dorigo (zwei WM-Starts) liiert ist, wegen seiner an den Tag gelegten Gelassenheit. „Das ist vielleicht ein bissl so meine Lebenseinstellung, dass es Wichtigeres auf der Welt gibt als das da, obwohl ich natürlich sehr dankbar bin, solche Erfolge zu feiern.“ Was ihn beschäftigt? „Gesundheit, Frieden und dass jeder was zu essen hat, das wäre schon einmal sehr viel wert.“