Eine Scherz-Bauernregel besagt: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich‘s Wetter oder es bleibt, wie es ist.“ Das erinnert an die Situation in Saalbach. Für den RTL der Frauen war Niederschlag angekündigt, der kam schon in der Nacht, beim Rennen schien die Sonne. Der Regen hat die Piste natürlich verändert. Für das Herren-Rennen war wieder Niederschlag angekündigt – schauen, wir was passiert ist. Meine Hoffnung ist, dass die angesagt Kaltfront so früh kommt, dass die Piste anzieht. Mit der Pistenbeschaffenheit hat auch die Erkenntnis verbunden: Wenn du wartest, was der Untergrund dir zurückgibt, wenn du also mit Gefühl fahren willst, wirst du nichts reißen. Heute sind die Arbeiter gefragt – und die wiederum müssen den Punkt genau treffen, an dem sich der Ski durchbiegt und sie beschleunigt. Anders ausgedrückt: Du musst aktiv fahren, den Toren quasi entgegengehen. Bei vielen Frauen war das heute das größte Problem. Was das aber auch heißt: Das Rennen wird ein echter Kraftakt. Der Hang ist zwar nicht besonders steil, aber lang, ein Lauf kann bis zu 1:20 Minuten dauern – 80 Sekunden, in denen du dauerhaft auf Anschlag bist.

Nicht zuletzt deshalb muss man Marco Odermatt wieder ganz nach oben setzen, der fährt brachial, dass gegen ihn kaum ein Kraut gewachsen sein wird. Wer mir noch einfällt – neben den anderen Schweizern um Loic Meillard – sind die Norweger: Ein Henrik Kristoffersen mag solche Bedingungen, auch Alexander Steen Olsen könnte das entgegenkommen. Zurück zu Marco Odermatt. Ich kann es nachvollziehen, dass er den Teambewerb ausgelassen hat. Er war seit Anfang Jänner auf Anschlag, die Tage konnte er zur Regeneration und zum RTL-Training nützen. Etwas, dass er seit der ersten Jänner-Woche nicht mehr getan hat. Was für ihn spricht: Das Gelände ist, wie gesagt, nicht schwer, es gibt viel bockigerer Hänge, aber er hat Wellen und Übergänge, wo du mutig sein musst, wenn du das nächste Tor nicht siehst. Man muss gut besichtigen und auf die Selbsteinschätzung vertrauen, das Gefühl haben, ob man schneller oder langsamer als geplant zu neuralgischen Punkten kommt. Einem, der viel gewonnen hat, ist das wurscht, der hat die Nerven und zieht ohne Rücksicht durch.

Unsere Herren sind in einer ähnlichen Lage wie die Frauen: Mit Stefan Brennsteiner ist da einer, der es drauf hätte, das Tempo hat, aber es nur selten ins Ziel bringt. Ich hoffe, heute ist sein Tag. Auch Raphael Haaser könnte überraschen, brachial kann er. Eine österreichische Medaille wäre heute eine positive Überraschung – die Damen haben mich mit Ausnahme von Julia Scheib vor allem in technischer Hinsicht leider negativ überrascht. Unser Trumpf: Martin Kroisleitner setzt Lauf eins; ich hoffe, für seine Burschen.