Ich muss mich gleich zu Beginn bei Saalbach bedanken. Die Pisten, die es bei dieser WM gibt, sind vom Feinsten. Warum? Weil ich auf Pisten stehe, wo man auch Gefühl braucht, wo man nicht nur brachial andrücken muss. Und genau dieses Gefühl hat Stephanie Venier gezeigt, es war unfassbar. Sie ist so clean und sauber gefahren, dass ich mir nicht sicher war, ob das schnell ist. Aber sie war schnell, schöner als sie gefahren ist, geht es gar nicht.

Vor allem aber hat Österreich jetzt bei der Heim-WM gleich die erste Goldmedaille. Dabei war der Druck auf den Schultern der Verantwortlichen im Verband definitiv höher als für die, die Ski fahren. Weil für den Verband wesentlich mehr auf dem Spiel steht als für die einzelnen Athleten. Für die ist eine WM ein Lebenstraum, klar, aber den Druck einer WM, den musst du in Kauf nehmen. Da musst du auch nicht gut schlafen vor einem Rennen, das kannst du danach auch wieder.

Vincent Kriechmayr hat andere Probleme als Schlaf. Man kann nur hoffen, dass er schmerzfrei an den Start gehen kann. Schwierig wird es so oder so. Für mich ist klar: Sollte Vinc eine Medaille machen, dann ist er absolut der härteste Hund unter der Sonne. Dabei sind es Skifahrer gewöhnt, mit Schmerz umzugehen. Du leidest noch beim Einfahren, da tut dir noch alles weh. Da fühlst du aber noch in den Körper, hast Zeit zum Nachdenken, du tastest dich der Schmerzlinie entlang. Beim Aufwärmen vor dem Start aber geht der Schmerz dann weg. Da kommt das Adrenalin, da denkst du nicht mehr an das, was war, sondern nur noch daran, was zu tun ist – und auf einmal ist alles wie weggeblasen. Hilft das Adrenalin nicht, fährt dir während der Fahrt der Schmerz ein, dann solltest du besser abschwingen.

Was Kriechmayr helfen könnte: Heute im Super-G gibt es das Rennen, bei dem wir definitiv Heimvorteil haben – und das kann Gold wert sein. Denn mein steirischer Landsmann Sepp Brunner hat den Kurs gesetzt. Und er wird definitiv so setzen, wie seine Mannschaft hier trainiert hat. Lass‘ da jetzt eine Wolke über den Himmel ziehen, bei der man keine Spuren mehr sieht, an denen man sich orientieren kann. Dann muss es für unsere Mannschaft einen Vorteil geben, denn jeder muss den Kurs an den Schlüsselstellen schon ein paar Mal gefahren sein – für die anderen Nationen aber ist es ein Super-G wie jeder andere: Sie haben nur die Besichtigung zur Orientierung. Was Brunner auch tun kann: Er kann den Schweizern durch geschickte Kurssetzung die Dominanz ein wenig nehmen. Marco Odermatt etwa braucht Passagen, in denen er seinen unglaublichen Gegendruck aufbauen kann. Gibt man ihm die nicht, ist das Rennen offener. Diese Chance dürfen sich die Österreicher nicht entgehen lassen.