Die Zutaten für den Medaillen-Zaubertrank, sie sind innerhalb des österreichischen Speed-Teams bei den Frauen bekannt. Allen voran bei „Miraculix“ Roland Assinger, der als Cheftrainer zwei Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Super-G ausmacht: „Volle Überzeugung am Start, sozusagen das Weiße in den Augen, und dann eben auch das kleine Quäntchen Glück.“ Glück, das bisher in dieser Saison oftmals auf der Seite anderer war, aber just beim ersten Einzelrennen der Heim-Weltmeisterschaft zurück ins rot-weiß-rote Team wandern soll.

Und trotz des anfänglichen Dämpfers mit dem frühen Ausscheiden im Teambewerb ist Zuversicht angesagt für den Super-G, den Eröffnungsbewerb 2.0. Denn in keiner Disziplin hat Österreich im aktuellen Winter mehr Erfolge eingefahren. Conny Hütter raste in Beaver Creek zum Sieg und Platz vier, Stephanie Venier eroberte in St. Anton Platz zwei, während Ariane Rädler beim Hütter-Sieg in den USA Rang drei belegte. Gepaart mit dem „Tiroler Schweizermesser“ Ricarda Haaser, die neben ihrer Paradedisziplin Riesentorlauf im Speed-Bereich immer mehr auf den Geschmack kommt, schickt der ÖSV ein schlagkräftiges Team ins Rennen um den ersehnten Medaillenerfolg bei der Heim-WM. Alle vier ÖSV-Asse finden sich unter den Top-13 des Super-G-Weltcups wieder – in keiner anderen Disziplin hat der ÖSV in diesem Winter eine bessere Ausbeute. „Und die vier Gesetzten wissen auch, dass sie All-In gehen müssen“, ist sich Chefcoach Assinger der Bedeutung dieses Rennens bewusst.

Wie es sich anfühlt, in einem WM-Super-G auf dem Stockerl zu stehen und die Medaille um den Hals gehängt zu bekommen, weiß Teamleaderin Hütter ganz genau. Was sie jedoch nicht mehr ganz genau weiß, ist derzeit der genaue Aufenthaltsort der Bronzenen von Courchevel vor zwei Jahren. „Um ehrlich zu sein, weiß ich wirklich nicht, wo sie gerade ist“, scherzte die Kumbergerin, für die der WM-Erfolg vor zwei Jahren eine Art Bestätigung und Erleichterung war. Deshalb sei der Druck, den man als österreichische WM-Starterin zwangsweise verspürt, nicht allzu groß: „Ich fahre für mich und habe es schon bewiesen, dass ich es kann, sogar mehrmals. Deshalb mache ich mir nicht so viele Gedanken darüber, dass ich irgendjemandem etwas beweisen muss.“

Kein Favoritinnen-Tipp

Auch die 32-Jährige kennt die Zutaten des „Erfolgstranks“ genau: Fighten, Fighten, Fighten, und das am besten bis ins Ziel hinein. „Im Super-G kann man gar nicht alles ohne Fehler erwischen, zumindest wäre es nicht schnell, wenn man es macht.“ Es benötigt also die exakte Mischung aus Risikobereitschaft und Linie, aus spontaner Entscheidungsfindung und perfektem Plan. Nicht zu vergessen: „Volle Attacke!“, wie es Rädler beschreibt, die wie viele andere zum Kreis der Geheimfavoritinnen zählt. „Wenn es mehr Kurven gibt, dann ist es für mich sicher besser“, scherzt die 31-Jährige.

Cheftrainer Assinger lässt sich jedenfalls nicht zu einem Favoritinnentipp hinreißen, die logischen Anwärterinnen auf Gold sind aber schnell aufgezählt. Neben Hütter werden Sofia Goggia, Federica Brignone und Lara Gut-Behrami am höchsten gehandelt. Der Kärntner jedenfalls hofft auf die erste Medaille für sein Team und in Folge ein wenig mehr Ruhe, sei die erste Weltmeisterschaft als Cheftrainer doch ziemlich fordernd. „Wenig Schlaf und wenig Essen“, lautet die Zusammenfassung der ersten Tage. Aber: „Das ist vielleicht sogar ganz gut. Im Sommer will ich wieder viel Radfahren, da ist das eine oder andere Kilogramm weniger gar nicht schlecht.“