Ich habe mich ja wirklich auf die neue Team-Kombination gefreut – und mir davon offenbar nicht zu viel versprochen. Es geht eng her, je knapper die Teams nach der Abfahrt beieinander liegen, desto spannender wird es. Der Slalom-Durchgang war schwer und lang, das ergab eine tolle Dramaturgie. Und ehrlich: Die alte Kombination hat mir nichts mehr gegeben. Ich will keinen Slalom-Fahrer auf einer Abfahrt sehen, der wegen des Tempos einen Strichcode in der Unterhose hat. Genauso wenig will ich einen behäbigen Abfahrer im Slalom sehen, wo dann jeder Skilehrer glaubt, er kann‘s besser. Das, was das neue Format bringt, ist das, was wir sehen wollen: zweimal Weltklasse. Dazu kommt der Team-Aspekt: Meiner Meinung nach hat man einigen Läuferinnen schon angesehen, dass es um mehr ging als einfach nur für sich von oben nach unten zu fahren. Die waren nervöser als normal, hatten psychisch wirklich zu kämpfen. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass einige in Schockstarre verfallen sind, aber ganz ungehemmt ging es bei vielen nicht los. Das Gute ist: Genau so soll es sein, auch wenn der gesamte Druck auf den Schultern der Zick-Zack-Partie liegt.
Was mir als Steirer im Herz weh tut: Conny Hütter ist medaillenlos geblieben, das hat sie nicht verdient. Ich habe vor der WM gesagt, dass es für den ÖSV leichter ist, weil wir als Jäger herkommen. Hütter war die einzige, die im Ansatz in der Rolle der Gejagten war, da ist viel Hoffnung auf ihren Schultern gelegen. Und sie hat irgendwas nicht so gut geschafft wie im Weltcup, es hat nicht so fein ausgeschaut wie normal. Ohne Medaille blieb auch Lindsey Vonn, dazu musste sie zusehen, wie Mikaela Shiffrin die Goldene mit Breezy Johnson einfuhr. Mir hat es weh getan, dass die beiden nicht als Team gefahren sind, es wäre die Traumpaarung des Skisports gewesen. Klar ist aber auch: Shiffrin hat alles richtig gemacht, hat ein WM-Gold abgeholt und Breezy Johnson gar zur Doppelweltmeisterin gemacht.
Heute bei den Herren fehlt mit Marco Odermatt der beste Skifahrer der Welt. Ich kann es verstehen, sein Programm in den letzten Wochen mit Adelboden, Wengen, Kitzbühel und der WM war mörderisch. Er muss mit allem haushalten, was er hat. Ich denke, man kann selbst gar nicht verstehen, was als Seriensieger alles auf ihn einprasselt. Vielleicht wäre er als Doppelweltmeister noch einmal runtergewedelt, aber der Verzicht samt Konzentration auf den Riesentorlauf ist absolut nachzuvollziehen. Es ist ja nicht so, dass die Schweizer nicht andere exzellente Abfahrer haben; so wie den Weltmeister Franjo von Allmen, der mit Loic Meillard gleich Favorit Nummer eins ist. Ich freue mich aber auch speziell auf Vincent Kriechmayr und Manuel Feller. An sich wäre dieses Duo auch für eine Medaille gesetzt. Ich drück die Daumen, dass es klappt. Was wir nach der Damen-Premiere wissen: Das wird eine knappe Geschichte ...