Der Elfmeter, um es im Fußballjargon zu beschreiben, war aufgelegt für Katharina Truppe in der Team-Kombination. „Oder sagen wir besser, dass der Ball 13 Meter entfernt lag“, scherzte die Kärntnerin zur Fahrt von Teamkollegin Stephanie Venier. Die amtierende Super-G-Weltmeisterin fuhr in der Abfahrt am Vormittag auf Zwischenrang sieben – mit 0,86 Sekunden Rückstand auf die Spitze. „Ich habe dann die Kathi angerufen und gesagt, gehe All-In, aber mit Köpfchen.“ Das tat Truppe dann auch, riskierte nicht das letzte Hemd, verwaltete gut und verwertete den Elfmeter aus 13 Metern eiskalt zu Bronze.
Es sei ihr „bester Slalomdurchgang“ der Saison gewesen, verriet die Kärntnerin. „Da hat sie sich aber einen guten Zeitpunkt ausgesucht“, legte Venier nach. Dabei rechneten beide wohl mit dem Schlimmsten. Im Ziel saß das österreichische Duo lange am Schleuderstuhl und fieberte bei jeder Läuferin mit. „Ich habe mir gedacht, dass das Ganze hier ganz blöd enden könnte. Es war wirklich hart für meine Nerven“, verriet die Slalomspezialistin. Nach einem schweren Fehler der Deutschen Lena Dürr und einem verpatzten Lauf von Paula Moltzan, die dank des Laufes von Lauren Macuga als Letzte aus dem Starthaus loslegte, war klar: Österreich hat die fünfte Medaille bei diesem Großevent. „Und die hat auch einen enorm hohen Stellenwert, da wir gemeinsam dafür gekämpft und gearbeitet haben. Keiner von uns wollte die andere enttäuschen“, erklärte Venier.
„Immer lustig“ zu Bronze
An der Spitze führte kein Weg an Mikaela Shiffrin und Breezy Johnson vorbei, Silber ging an das Schweizer „Dreamteam“ Wendy Holdener und Lara Gut-Behrami. Die weiteren Österreicherinnen konnten die gute Ausgangsposition aus der Abfahrt nicht nützen. Mirjam Puchner und Katharina Liensberger blieb nur Platz fünf, Conny Hütter fuhr mit Katharina Huber auf den sechsten Rang. So musste es eben das Duo „Immer lustig“ richten, zumindest lautete so der inoffizielle Teamname, den sich die beiden vor dem Rennen gegeben haben.
In dieser Saison hatte es die Kärntnerin aber nicht „immer lustig“, weshalb die Bronzene bei ihrem WM-Auftakt vielleicht sogar ein bisschen heller strahlt, als manch andere Medaille der Vergangenheit. Truppe und Venier genossen die Feierlichkeiten jedenfalls sehr – trotz eines kleinen Hoppalas. Bei der Siegerehrung wollte die überreichte Sektflasche der 29-jährigen Technik-Spezialistin einfach nicht aufgehen. „Ich war einfach noch nicht bereit und dann ist alles ganz schnell gegangen. Das war eine ganz üble Performance. Vielleicht muss ich mir für zu Hause ein Sechsertragel kaufen, um zu üben“, scherzte Truppe. Diesen „Querpass“ ließ ihre Teamkollegin logischerweise nicht liegen: „Zum Glück ist sie beim Slalomfahren besser als beim Sektsprühen.“