Es gibt Momente, die ein Zielstadion von Tausenden Skifans in Kürze von kompletter Ekstase in unangenehme Stille verwandeln, die bei allen Beteiligten sofort ein ungutes Gefühl aufkommen lassen. Genauso einen Moment gab es im WM-Riesentorlauf, als Österreichs Hoffnungsträgerin Julia Scheib auf dem Weg zur Bestzeit im Zielhang schwer stürzte. Die Weststeirerin versuchte nach einem Fehler noch das nächste Tor zu erwischen, ehe es sie verschnitt und aushob. Nach einem wilden Abflug blieb die 26-Jährige dann kurz im Schnee liegen, ehe sie selbst ins Ziel fuhr, um sich kurz darauf durchchecken zu lassen.
Schmerzen im Knie ließen zunächst Schlimmes befürchten, vor allem, da Scheib beim Verlassen des Areals gestützt werden musste. Doch dann gab es Entwarnung: Keine Auffälligkeiten, das Knie ist stabil. „Es schaut positiv aus. Ich spüre die Innenseite des Knies, aber die Tests waren gut. Schauen wir einmal, wie es sich über Nacht entwickelt.“ Sie sei „optimistisch“, dass sie in Sestriere (21./22. Februar) wieder am Start stehen kann. Nach dem Aus hat das ÖSV-Ass aber nicht nur mit körperlichen Schmerzen zu kämpfen. „Das ist für mich eine riesige Enttäuschung und ich brauche sicher noch Zeit, um das zu verarbeiten. Es ist schwer zu sagen, was mit meiner Zeit möglich gewesen wäre bei einer Zielankunft.“ Das Podest wäre aber wohl außer Reichweite gewesen, vor allem aufgrund eines völlig verpatzten ersten Durchgangs.
In diesem kam die große Riesentorlauf-Hoffnung aus österreichischer Sicht überhaupt nicht in Fahrt. Als Zehnte nach Lauf eins fehlten ihr bereits 2,50 Sekunden auf die führende Federica Brignone. Scheib war aber immerhin beste ÖSV-Läuferin. „Ich habe im ersten Durchgang nicht das vom Ski bekommen, was üblich ist, wenn ich einen guten Lauf habe. Deshalb haben wir im zweiten alles umgestellt.“ Nahezu hätte es auch funktioniert, war Scheib im Finale deutlich schneller unterwegs – bis zum Sturz kurz vor dem Ziel. „Es tut einfach weh, weil ich unbedingt eine Zielankunft erleben wollte, wo es dann ordentlich Grün aufleuchtet. Das wäre schön gewesen und tut jetzt eben brutal weh.“