Ganz genau wussten nach Schlusspfiff beim Cup-Finale in Klagenfurt wohl auch die Hartberger Akteure nicht, wo sie mit ihren Emotionen hin sollten. Einerseits nämlich ist gerade das Cup-Finale, das größte Spiel in der Vereinsgeschichte, verloren gegangen. Andererseits aber, hat man sich diese Chance auf den historischen Titel erarbeitet, eine ganze Region begeistert und vor toller Kulisse ein gutes Spiel abgeliefert. „Ich weiß nicht, wo die alle herkommen auf einmal. Riesenrespekt“, richtete etwa Torhüter Raphael Sallinger an die Fans aus. Wie schon vor dem Finale mehrfach betont, erklärte Sallinger: „In einem Finale entscheiden Kleinigkeiten.“

Da hatte der WAC diesmal das bessere Ende für sich. „Wenn du kein Tor erzielst, kannst du kein Fußballspiel gewinnen“, sagte Flügelverteidiger Furkan Demir. „Spaß gemacht“ hätte es aber, so ein Finale zu spielen.

Fehlende Durchschlagskraft

Tobias Kainz war nach der Finalniederlage „sehr enttäuscht“. In den nächsten Tagen würden aber Stolz und Dankbarkeit gegenüber den Fans dazukommen. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagte Kainz. Auf dem Platz hätte die Durchschlagskraft Richtung Tor gefehlt. Vor die Räume der Abwehrkette des WAC zu kommen, wäre den Hartbergern „sehr gut“ gelungen, dahinter aber nicht. Die Medaille – trotz falscher Farbe – mit Stolz zu tragen, war für Kainz eine Selbstverständlichkeit. „Mein erster Gedanke war: Wir haben ein Finale gespielt, leider verloren. Aber das war für mich kein Grund, die Medaille zu verstecken“, sagte er.

Kapitän Jürgen Heil, seit der Regionalliga beim TSV Hartberg, ging es nach der Finalniederlage sogar „gut. So einen Tag mit dem TSV Hartberg erleben zu dürfen ist einzigartig.“ Natürlich wollten die Hartberger den Titel gewinnen „und den Hefn in die Luft stemmen“, die Kleinigkeiten wären aber nicht auf die Seite der Hartberger gefallen. „Bei mir überwiegt absolut der Stolz“, sagte Heil. „Wir können in den Spiegel schauen, wir haben alles gegeben.“ Seit zwei, drei Tagen hatte Heil Gänsehaut. „Beim Aufwärmen habe ich mir gedacht: ,Das gibt es ja nicht.‘ Da waren 500 Leute im Stadion, die ich persönlich kenne. Das gibt dir schon was, wenn so viele Leute auf dich stolz sind und dich unterstützen. Das war ein Fußballfest und man hat gesehen, dass man nicht immer nur die Großen loben muss. Das war ein Fest, für beide Vereine, aber auch für Österreich sehr würdig.“ In „aller Ruhe“ hat sich Heil gestern mit den Kollegen „ein Bierli“ gegönnt. „Es war dann schon viel, was auf dich einprasselt“, sagte er.

Begeisterung und Euphorie

„Das Bier haben sie sich verdient“, gab auch Trainer Manfred Schmid grünes Licht. Der Hartberg-Trainer gratulierte dem WAC, sein Ex-Verein, zum Titel – sah aber in der Großchance durch Jed Drew nach der Pause schon einen Schlüsselmoment in der Partie. „Dann läuft das Spiel wahrscheinlich anders.“ Bei aller Enttäuschung über die Niederlage, freute es Schmid „welche Begeisterung und welche Euphorie wir ausgelöst haben. Beide Vereine. Die Stimmung war genial, da habe ich schon andere Dinge erlebt.“ Schmid sieht auch die Chance, dass der Finaleinzug eine Initialzündung für Hartberg in den nächsten Jahren sein kann. Für Donis Avdijaj war es ein „Spiel für die Ewigkeit“ – der Offensivspieler dachte da weniger an das Sportliche.

WAC-Trainer Didi Kühbauer sah keinen Leckerbissen. „Wir haben mehr investiert und deshalb mehr verdient. Man wünscht sich ein schöneres Spiel, aber heute ist es mir scheißegal. Ich bin so stolz auf meine Mannschaft“, sagte er und hob Angelo Gattermayr hervor, der sich in der dritten deutschen Liga nicht durchsetzen konnte und jetzt der gefeierte Cup-Held der Wolfsberger ist.

Keine Wettschulden für Annerl

Hartberg-Präsidentin Brigitte Annerl umarmte nach Schlusspfiff jeden – egal ob Hartberger oder Wolfsberger. „Das Quäntchen Glück hat gefehlt, das muss man anerkennen“, sagte Annerl. Und auch sie dachte in erster Linie an die Kulisse. „Sowas kommt vielleicht nie wieder. Das wird für jeden immer bleiben. Das ist eine Geschichte für die Enkelkinder, das bleibt.“ Und Annerl hofft, aufgrund des Hypes, der entfacht wurde, auf mehr Zuschauer in nächster Zukunft. „Wenn alle Hartberger, die in Klagenfurt waren, kommen, würde das unser Stadion sprengen“, sagte sie.

ABD0212_20250501 - KLAGENFURT - ÖSTERREICH: v.l. Präsidentin Brigitte Annerl (Hartberg), Präsident Dietmar Riegler (WAC) am Donnerstag, 01. Mai 2025, nach dem Uniqa ÖFB Cup Finalespiel in Klagenfurt. - FOTO: APA/EXPA/JOHANN GRODER
Brigitte Annerl gratulierte Dietmar Riegler © APA / Expa/johann Groder

Wettschulden musste Annerl keine einlösen. Im Falle des Titels wollte sie mit dem Pokal in den Wörthersee springen. „Aber schauen wir einmal was passiert. Vielleicht gehen wir ja trotzdem schwimmen.“

Video: WAC-Fans feiern den Cup