Es wird immer ernster. Noch sechs Runden gilt es in der Meistergruppe der Bundesliga zu absolvieren. Der SK Sturm befindet sich in der Pole Position und darf als Spitzenreiter in das Doppel gegen den LASK (heute um 17 Uhr in Linz, am Mittwoch um 20.30 Uhr in Graz). Die Grazer kennen diese Situation bestens. Immerhin gelang es zuletzt, zwei Mal den Meistertitel in die Steiermark zu holen. Mit Kapitän Stefan Hierländer (35) und seinen Stellvertretern Jon Gorenc Stankovic (30) und Otar Kiteishvili (30) gibt es ein Trio, das schon zehn, sechs bzw. acht Jahre bei Sturm unter Vertrag steht und auch die großen Erfolge der vergangenen Jahre maßgebend begleitet hat.
Das Trio hat sich den Respekt der gesamten Kabine erarbeitet, über Jahre ein positives Mannschaftsklima entfaltet, dem sich keiner entzieht. „Und es geht auch um die Siegermentalität, die wir in jeder kleinen Spielform im Training vorleben. Wir sind schlechte Verlierer, wollen immer gewinnen und geben uns mit nichts zufrieden. Genau dieses Mindset braucht es, um erfolgreich zu sein. Den Großteil des Jahres darfst du nicht zufrieden sein mit dem, was war. Sonst gibt es keine Weiterentwicklung“, sagt Hierländer, der in seinem zehnten Jahr im schwarz-weißen Trikot schon viele Spieler, Trainer und Betreuer kommen und gehen sah. Angesichts der Tatsache, dass am ersten Spieltag am 1. August 2025 beim 2:0-Sieg beim LASK heute wohl nur zwei Akteure in der Startelf von damals beginnen werden, sagt er: „In dieser Saison war es schon ein Riesenumbruch. Es spricht für die Qualität der Spieler, die jetzt da sind, dass wir Tabellenführer sind. Immerhin hat es auch einen Trainerwechsel gegeben, der andere Ideen mitgebracht hat, die es auch umzusetzen gilt.“
Auch wenn nur noch sechs Runden zu absolvieren sind, bemüht man sich beim regierenden Meister um Ruhe. „Vor einem Jahr sind wir zum gleichen Zeitpunkt fünf Punkte vorangelegen und nach dem Doppel gegen die Wiener Austria waren wir Zweiter. Am Ende sind wir dennoch Meister geworden. Vor zwei Jahren waren wir schon fünf Punkte hinter Salzburg und es hat auch gereicht. Wir wissen diese Situationen richtig einzuschätzen. Da muss man Emotionen als Mannschaft ausblenden“, erklärt der Kärntner, der seine Truppe nicht zu Unrecht in der Favoritenrolle sieht. „Wir wissen, dass wir die Qualität in der Mannschaft haben und jeden schlagen können, wenn wir unsere PS auf die Straße bringen. Dann sind wir auch sehr schwer zu schlagen. In so einem engen Meisterschaftsrennen ist es sehr viel wert, wenn man nicht als Verlierer vom Platz geht.“
Stankovic will die zuletzt sieben nicht verloren gegangenen Ligapartien nicht falsch einschätzen. „Wir dürfen nicht himmelhochjauchzend sein, wenn wir gewinnen. Andersrum dürfen wir nicht depressiv sein, wenn wir verlieren“, sagt der 30-jährige Mittelfeldchef, der weiß, wie wichtig seine Führungsqualitäten sind. „Wir haben viele neue Gesichter. ,Hierli‘, ,Kiti‘ und ich wissen, was jetzt benötigt wird, weil wir schon einige Male um die Meisterschaft gespielt haben. Alle haben Respekt vor uns. Und wir geben das an alle weiter, dass wir einiges erreichen können.“ Von der Lautstärke läuft es durchaus unterschiedlich ab. „,Kiti‘ kann schon etwas lauter als wir sein“, sagt Stankovic schmunzelnd.
Wille und Überzeugung sind zwei Zutaten, die auf jeden Fall mitentscheidend sein können auf dem Weg zur Trophäe. „Meist setzt sich immer die Mannschaft durch, die es am meisten will. Wenn der Wille richtig stark ist, ist das Spielerische manchmal zu vernachlässigen, weil man es mit Leidenschaft kompensiert“, sagt Hierländer, der bei Sturm die Rolle des Jägers genauso gut kennt wie heuer die des Gejagten. „Ich mag beide Situationen sehr gerne. Das heißt, dass wir um Titel mitspielen, genau dafür spiele ich Fußball. Wenn man der Gejagte ist und die Favoritenrolle von anderen verliehen bekommt, ist es auch eine Auszeichnung. Da muss man schon einiges richtig machen. Jetzt müssen wir es nur noch durchziehen.“
Im Falle, dass es Sturm gelingt, den Titel-Hattrick in die Tat umzusetzen, wäre es keine Überraschung, wenn der Titel wie in den beiden Jahren zuvor erneut am letzten Spieltag im Heimspiel gegen Rapid (17. Mai) eingefahren werden würde. Stankovic: „Mir wäre es lieber, das schon vorher klar zu machen, aber wenn du den Meistertitel gewinnst, ist es egal, wann.“