Wie stolz Arjan Malic nach seinem Goldtor bei Sturms 1:0-Sieg beim Champions-League-Abschied gegen RB Leipzig war, kann man sich vorstellen. Als Lohn trug er in den Katakomben des Klagenfurter Stadions die Trophäe  für den Man of the Match, als den ihn die UEFA auszeichnete, mit sich.

„Heute bleibt der Pokal sicher in meinem Bett“, lachte der 19-Jährige, „morgen oder übermorgen werde ich sicher einen guten Platz finden. Irgendwo neben dem Fernseher, damit ich ihn immer sehen kann.“

Arjan Malic mit der Trophäe für den Man of the Match
Arjan Malic mit der Trophäe für den Man of the Match © Peter Altmann

Malic kämpft gerade darum, das Erbe von Jusuf Gazibegovic als Rechtsverteidiger der „Blackies“ anzutreten. Da Max Johnston angeschlagen nicht zur Verfügung steht, bekam er sowohl vergangene Woche in Bergamo als auch gegen Leipzig die Chance. Gegen den Konkurrenten „Gazi“ sei es im Herbst schwer gewesen. Doch vom zum 1. FC Köln abgewanderten Stammspieler konnte sich Malic auch viel abschauen.

Was er sich von Jusuf Gazibegovic abschauen konnte

„Vor allem die Mentalität“, erläuterte sein Landsmann, „da sieht man die bosnische Mentalität, da sind wir uns schon sehr ähnlich, auch wie wir in die Zweikämpfe gehen. ‚Gazi‘ ist ein geiler Typ, sehr lustig, von ihm habe ich sehr viel gelernt.“ Der Abgang des Spaßvogels war auch für die Kabine ein großer Verlust, wobei Malic zuzutrauen ist, auch diesbezüglich in seine Fußstapfen zu treten. Der Youngster steht für die nötige Lockerheit, hat auch mal einen Spruch auf den Lippen.

Als er gegen Leipzig den Ball über die Linie drückte, war aber auch er kurz sprachlos: „Es war der Wahnsinn. Ich habe es nicht fassen können. Man sieht auch beim Torjubel, wie viele Emotionen da waren. Für mich ging ein Traum in Erfüllung. Was da abgegangen ist, kann ich immer noch kaum realisieren.“

Wer ihm vor zwei Jahren gesagt hätte, dass er in der Champions League ein Tor erzielen würde, wäre für verrückt erklärt worden. Nicht nur deswegen, weil er damals noch die Akademie der SV Ried besuchte, sondern auch weil er selbst für einen Verteidiger nicht gerade über einen ausgeprägten Torinstinkt verfügt. „Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Tor geschossen habe. Toreschießen ist nicht so meins“, schmunzelte Malic, der zuvor auf Profiebene nur einen einzigen Treffer erzielte, und zwar Anfang März 2024 beim Rieder 5:0-Sieg gegen Stripfing.

Im Sommer lotste ihn der Doublegewinner nach Graz. Malic erhielt viel Lob für seine Leistungen in der Vorbereitung, musste sich im Ligaalltag jedoch gedulden. In der Bundesliga und im ÖFB-Cup stehen bislang jeweils vier Einsatzminuten zu Buche. Ein wenig Spielpraxis sammelte er bei sechs Einsätzen in der zweiten Mannschaft, wo ihn Jürgen Säumel betreute.

„Arjan ist so, wie er spielt: Ein sehr bodenständiger Typ, der sehr zweikampfstark und körperbetont spielt und immer an sich arbeitet. Genau so ist er auch außerhalb des Platzes“, beschrieb ihn Sturms Chefcoach und unterstrich, dass sich Malic nie habe hängen lassen und versucht habe, sich über Sturm II anzubieten.

Jürgen Säumel: „Natürlich hat er noch seine Themen“

Beim Sprung ins kalte Startelf-Wasser in Bergamo habe der Hoffnungsträger gute, wie auch weniger gute Szenen gehabt: „Gegen Leipzig hat er einen Entwicklungsschritt gemacht, ist selbstbewusst aufgetreten. Natürlich hat er noch seine Themen, an denen wir arbeiten. Aber mich freut es sehr für ihn.“

Malic ist jedenfalls fest entschlossen, es bei Sturm zu schaffen. „Ich will einfach meine Chance nutzen, mich in den Trainings und Spielen für mehr Spielzeit aufdrängen und um meine Spielzeit kämpfen“, sagt der bosnische U21-Teamspieler. Ob Sturm auf seiner Position noch auf dem Transfermarkt zuschlägt, sei Sache von Sportchef Michael Parensen und der Trainer. Malic selbst stellt lediglich klar: „Egal ob jemand kommt oder nicht, ich will mich durchsetzen.“

Seine Eigenwerbung im Wörthersee-Stadion verfolgten viele Familienmitglieder und Freunde live vor Ort mit. Mama, Papa und seine Schwestern kamen aus Ried, Teile der Familie seien aus Bosnien angereist. „Heute war wirklich jeder dabei. Es macht mich unglaublich stolz, sie so glücklich zu sehen“, strahlte der Torschütze.

Eine wertvolle Handy-Lektion

Vor dem Anpfiff bekam er übrigens einen wertvollen Hinweis von Präsident Christian Jauk und Kapitän Stefan Hierländer: „Ich bin vor Spielen sehr ruhig, nicht nervös, schaue sehr gerne aufs Handy. Das bringt mich runter. ‚Hierli‘ und der ‚Präsi‘ haben gesagt, dass ich das Handy wegtun und mich konzentrieren soll.“ Dies schreit nun fast nach Wiederholung: „So gut wie das geklappt hat, werde ich das jetzt öfter machen.“