Zwei Einsätze für Viktoria Pilsen in der Champions-League-Qualifikation auswärts gegen Servette Genf (3:1) und die Glasgow Rangers (0:3), ein 75-minütiger Jokereinsatz in der Liga. Und das nach einem Halbjahr, in dem er für starke Leistungen beim GAK viel Lob eingeheimst hat. Sieht man das große Ganze, könnte Florian Wiegele zufrieden sein. Das weiß er auch selbst.
„Vor zwei Jahren war ich noch Zweier in Leoben, davor habe ich bei Gleisdorf und Lebring gespielt. Wenn mir das vor einem Jahr jemand gesagt hätte, ich hätte es sofort genommen. Vor allem das Spiel in Glasgow war von der Stimmung her schon ein sehr cooles Erlebnis“, denkt der 24-Jährige an den Auftritt vor 45.000 Zuschauern.
Restlos happy wirkt Wiegele dennoch nicht. Aus gutem Grund. Denn das Vergnügen, im Tor seines tschechischen Arbeitgebers zu stehen, dürfte mit einem Ablaufdatum versehen sein. „Er wird nicht ewig ausfallen, also ist es befristet“, erklärt der Grazer im Hinblick auf seinen Positionsrivalen Martin Jedlicka, der sich im Liga-Spiel gegen Jablonec einen Nasenbeinbruch zugezogen hat. Jedlicka ist seit einem Jahr Mitglied des tschechischen Nationalteams. Ein geplanter Verkauf des 27-Jährigen kam nicht zustande. Zu Saisonbeginn bekam der Platzhirsch den Vorzug.
„Ich weiß, dass ich keine faire Chance habe. Vor dem ersten Spiel wurde mir kommuniziert, dass es eine 50/50-Entscheidung war und keine sportlichen, sondern vereinspolitische Gründe hat, dass ich nicht spiele. Daher habe ich schon im Vorhinein gewusst, dass ich keine faire Chance kriege, wenn er bleibt“, berichtet Wiegele. Inzwischen sei ihm kommuniziert worden, dass ein Jedlicka-Verkauf kein Thema mehr sei.
Die Irritation des Tormanns beruht generell auch auf der Kommunikation seitens des Vereins. So sei ihm zugesagt worden, dass sich für ihn eine Lösung finden werde, wenn die bisherige Nummer eins bleibt: „Bis jetzt sind sehr wenige Sachen eingehalten worden, die mir von Vereinsseite gesagt wurden.“ Dass diese Ankündigung nicht in die Tat umgesetzt wurde, ist besonders ärgerlich, denn an Anfragen mangelte es nicht. Dass der GAK ihn weiterhin in seinen Reihen sehen wollte, ist kein Geheimnis. Auch bei Lokalrivale Sturm war er nach der Handverletzung von Daniil Khudyakov ein Thema.
„Es hat Kontakt gegeben, aber im Endeffekt erübrigt sich das alles, weil sich Pilsen einfach quergestellt hat. Egal, was von welcher Seite auch immer gekommen ist, wurde abgeblockt“, lässt sich Wiegele gar nicht erst auf eine Debatte über eine mögliche Graz-Heimkehr ein. Was sein Wunschszenario gewesen wäre: „Dass ich spiele, wo auch immer.“
Die Aussicht auf die Bank macht nach der gelungenen Leihe zum GAK umso weniger Freude: „Wenn man sieht, wie schnell es für mich gegangen ist, darf ich mich an sich nicht beschweren. Vor allem das halbe Jahr beim GAK war sehr positiv. Aber ich habe einen sehr hohen Anspruch an mich und will immer das Maximum aus der jeweiligen Situation herausholen. Vielleicht denke ich gerade zu negativ, aber wenn man ein halbes Jahr sieht, wie es sein kann, wenn man Einser-Tormann ist, ein gutes Standing und Wertschätzung genießt, ist es einfach schwer für mich, wieder in die zweite Reihe zurückzurücken.“
Man könnte es auch als Wertschätzung auslegen, dass Pilsen ihn nicht gehen lassen möchte. Trainer Miroslav Koubek wollte mit zwei potenziellen Einser-Keepern starten und bekam durch Jedlickas temporären Ausfall auch recht. Wiegele zeigt Verständnis für diese Sichtweise und erzählt, dass er von Trainern, Mitspielern oder Presse für seine bisherigen Einsätze durchwegs positives Feedback erhalten habe.
„Ich weiß, dass der Verein viel von mir hält. Sie haben auch gesagt, dass ich es nicht negativ sehen soll, dass ich bleiben muss, sondern positiv, dass sie mir vertrauen. Sie meinen, dass ich meine Spiele kriegen und nicht die ganze Zeit auf der Bank sitzen werde“, so der 2,05-Meter-Riese. Im Winter könne man dann die Situation neu bewerten, auch Jedlicka könnte dann abgegeben werden. Es bleibt Wiegele nichts anderes übrig, als dies zu glauben. Es gibt mutmaßlich leichtere Übungen, wenn bislang viel geredet, aber wenig eingehalten wurde.
Jedlicka befindet sich bereits wieder im Mannschaftstraining. Das Vergnügen, zu spielen, könnte also schon bald vorbei sein. Im Champions-League-Play-off wäre übrigens Salzburg ein möglicher Gegner. Wobei: „Nach den Hinspielen ist die Wahrscheinlichkeit auf beiden Seiten doch leicht gesunken.“