An Wertschätzung mangelt es Jakob Meierhofer beim GAK bestimmt nicht. Egal mit wem man spricht, man bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit Lob dafür zu hören, wie professionell der Tormann im Frühjahr mit dem Verlust des Stammplatzes an Florian Wiegele umgegangen ist und dass er sich keineswegs hängen ließ.
Stand jetzt ist der 27-Jährige wieder die Nummer eins der Rotjacken. „Das ist nichts, was mich schreckt“, kommentiert dies der Keeper, schließlich betritt er nicht gerade Neuland: „Natürlich freunde ich mich extrem mit der Situation an, weil ich es ja gewohnt bin und eigentlich auch so haben will.“ Er sei „Vollgas ready“ für den Start in die Cup- und Bundesliga-Saison.
Es geht wieder bei null los
Dreieinhalb Jahre lang diente Meierhofer bereits als Nummer eins des GAK. „Es war, wie man sich denken kann, nicht leicht, sondern richtig schwierig für mich – an manchen Tagen mehr, an manchen Tagen weniger“ erinnert sich der Steirer an den verlorenen Zweikampf mit Wiegele, „natürlich hat man es lieber, wenn die Entscheidung für einen und nicht gegen einen fällt. Aber in unserer Situation wusste ich, dass es das – so schade es ist – bis zum Sommer anzunehmen gilt. In diesem halben Jahr bin ich voll dahintergestanden, es hat ja Gott sei Dank auch funktioniert.“ Als Wiegele gegen Austria Wien erkrankt ausgefallen ist, sprang Meierhofer ein und setzte sich danach wieder ohne zu murren auf die Bank.
„Jetzt ist Schluss mit brav sein. Es geht wieder bei null los, deshalb kann man auch wieder ein bisschen mehr auf sich selbst schauen“, ist Meierhofer in der aktuellen Situation jedoch entschlossen, stärker die Ellbogen auszufahren. Ob dies hieße, dass es nicht okay wäre, wenn der Verein einen anderen Torhüter als Nummer eins holt? „Das wäre für mich natürlich nicht okay, das kann man so sagen.“
Was nicht heißt, dass die Athletiker in Sachen Torhüter auf dem Transfermarkt untätig bleiben werden. Der 19-jährige Juri Kirchmayr könnte leihweise bei Zweitligist FAC landen, alleine dadurch wäre die Verpflichtung eines Schlussmanns notwendig. Dies ist Meierhofer bewusst: „Es wurde von Anfang an offen kommuniziert, dass sich noch etwas ändern und ein Tormann auf Bundesliga-Niveau verpflichtet wird. Das ist absolut verständlich, alles schön und gut, aber ich werde die Einser-Position auf alle Fälle nicht einfach so hergeben.“
Meierhofer steht für sich ein und sieht auch einen Unterschied zum Winter: „Es ist immer auch von der aktuellen Situation vom Verein, der Mannschaft und sich selbst abhängig. Dieses halbe Jahr konnte ich mir nach ein paar Jahren mit sehr viel Spielzeit erlauben – unter der Voraussetzung, dass es sich jetzt wieder ändert. Noch ein halbes Jahr auf der Bank wäre ein anderes Thema.“
Die Abhängigkeit von der Gesamtsituation
Im beinharten Kampf um den Klassenerhalt stand das Vereinsinteresse über allem. Immer wieder wird beim GAK betont, dass Meierhofer im schwierigen Herbst der Vorsaison unter Wert verkauft worden sei. Er selbst findet, dass im Fußball oftmals die Gesamtsituation die Beurteilung beeinflusst. „Nikolas Polster zum Beispiel hat mit dem WAC eine unglaubliche Saison gespielt, man lebt immer auch ein wenig vom Erfolg der Mannschaft“, verdeutlicht der Torwart. Im mannschaftlichen Misserfolg werde jede Aktion unter die Lupe genommen, auch wenn ihm nicht ein einzelnes Gegentor konkret zum Vorwurf gemacht werden konnte: „Wenn du nach drei Runden Tabellenführer bist und zwei katastrophale Fehler machst, die allerdings nicht zu Gegentoren führen, wird niemand irgendein Wort darüber verlieren.“
Wobei es in der Natur der Sache liege, dass Spieler in der Bundesliga stärker im Fokus liegen. Genau dem möchte sich Meierhofer wieder stellen. Daher auch die hohe Motivation, unbedingt im Tor zu stehen. Noch dazu, weil die unter Trainer Ferdinand Feldhofer einstudierten Inhalte richtig Lust auf die neue Saison machen: „Die Spielanlage taugt mir richtig.“
Die hohe Wertschätzung im Verein verspürt Meierhofer übrigens auch selbst. Sowohl öffentlich, als auch intern sei die Kommunikation stets positiv gewesen. Aber in seiner Situation kann dies ein zweischneidiges Schwert sein. „Man hört andere Sachen lieber als ‚danke, du hast dich brav verhalten‘ oder ‚super, wie professionell du damit umgegangen bist.‘“ Sein Ziel: In der neuen Spielzeit sollen bevorzugt wieder seine Paraden besprochen werden oder wie viele Punkte er der Mannschaft gerettet hat.