Es ist wohl ein klassischer Fall von „Alles richtig gemacht“, wenn Michael Raffl auf die vergangenen Monate zurückblickt. Nach drei Jahren in der Schweiz zog es den Villacher zurück in die Heimat. Der 37-jährige variable Stürmer heuerte bei Serienmeister Salzburg und damit dem Team seines Bruders, Bullen-Kapitän und Achtfach-Meister Thomas (39), an. Einerseits erfüllte sich Michael, der 2020 während der NHL-Coronapause auch viermal für den VSV in der Liga auflief, damit einen privaten Traum, andererseits ist sportlich bislang fast alles aufgegangen. Der zuletzt immer wieder verletzungsanfällige Ex-NHLer (nur 84 Einsätze für Lausanne in drei Saisons inklusive zweimal Play-offs) absolvierte bereits 34 von 37 möglichen Grunddurchgangspartien, ist mit 35 Scorerpunkten ebenso der beste Bulle wie in den Wertungen Torschütze (14) und Assistgeber (21). Außerdem gewann Salzburg nach durchwachsenem Ligastart unter Neo-Coach Manny Viveiros zuletzt zwölfmal in Folge, ehe vergangene Runde ein 1:4 im Pustertal „passierte“. Die Mozartstädter, die vor einem Monat noch in Villach (4:3-Sieg n. V.) das direkte Duell um Rang sechs gewannen, liegen inzwischen auf Platz drei.

„Struktur ist das Schlagwort, wir haben angefangen, die Kleinigkeiten richtig zu machen. Wir haben uns ehrlich in den Spiegel geschaut und herausgefunden, was es braucht. Wir ziehen alle an einem Strang“, skizziert Raffl, was bislang so passiert ist, und hat natürlich auch immer ein Auge auf „seinen“ VSV: „Egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, ich fahre immer gerne nach Villach, habe dort das Eishockeyspielen gelernt. Villach ist meine Heimat.“ Die Heimkehr ins altehrwürdige Eisoval in der Tirolerstraße bleibt für den Routinier also aufregend, auch weil mit Papa und Jahrhundert-VSVler Peter Raffl, Onkel Gerald Rauchenwald und leider auch Cousin Alexander Rauchenwald prominente sowie ganz vertraute Zuschauer dabei sind. „Das gehört leider zum Profisport dazu, das habe ich auch schon erleben müssen. Aber ich weiß, wie er arbeitet und habe keinen Zweifel daran, dass er stärker zurückkommt“, sagt Raffl über den bitteren Ausfall des VSV-Kapitäns, der ja einen Kreuzbandriss erlitt. Auch in Salzburg, „kenne ich mich jetzt sehr gut aus“, erzählt Raffl, der mit Bruder Thomas und allen Raffls in der Stadt „abseits des Eises immer eine schöne Familienzeit“ verbringt.

Während die Bullen schon mit dem Play-off planen können und auch auf Kurs sind, sich das Heimrecht zu schnappen, geht‘s beim VSV (11.) ums blanke Überleben. Das weiß auch Raffl, dem nicht verborgen blieb, dass die Adler in den letzten zwei Spielen große Schritte nach vorne gemacht haben: „Sie haben zuletzt endlich wieder einen Weg gefunden, ein Spiel zu gewinnen, besser Eishockey zu spielen. Sie haben - vor allem offensiv - eine sehr talentierte Mannschaft, wir müssen defensiv gut stehen und auf unsere Chancen lauern.“