Es ist so eine Sache mit Lebensträumen: Manchmal gehen sie einem leicht von der Hand, manchmal erreicht man sie nie. Kitzbühel, ein Sieg am Ganslernhang, ist ein Lebenstraum von Manuel Feller. Einst meinte er, dass er hier einen Sieg auch über eine WM-Goldene stellen würde. „Aber da wusste ich noch nicht, dass es eine WM in meinem Heimat-Skigebiet gibt. WM-Gold in Saalbach ist also vielleicht doch mehr wert. Das erlebe ich nicht mehr.“ Und doch: ein Sieg in Kitzbühel, nur 20 Zugminuten vom Heimatort entfernt, das wäre schon was. Feller kommt vor allem zum dritten Mal in Serie in einer Form in die Gamsstadt, in der „ich skifahrerisch in der Lage bin, zu gewinnen“. Und deshalb würde es irgendwie passen, wenn es ihm am Sonntag gelingt, die Gams bei den Hörnern zu packen, wie man so schön sagt.

In einer Hinsicht wären die Voraussetzungen ideal: „Im Vorjahr hatte ich definitiv mehr Druck, heuer wäre ein Sieg ja beinahe eine Überraschung. Aber nicht für mich“, unterstreicht er. Er könne an der Spitze mitfahren, auch die zuletzt angesprochenen letzten Feinheiten am Material habe er gefunden. „Wenn die Verhältnisse hier so sind wie vor einem Jahr, sind wir sogar besser aufgestellt“, sagt er. Selbst, wenn der „Worst Case“ mit warmen Temperaturen und Regen eintritt, fühlt sich Feller gewappnet. „Es gibt zwar nichts Grauslicheres, als bei Regen im Rennanzug draußen zu fahren. Und trotzdem habe ich da immer auch ein Lächeln im Gesicht, weil ich mitunter meine besten Ergebnisse bei widrigen Wetterbedingungen erreicht habe. Ich weiß, dass ich das auch kann.“ Klar: Nach der etwas stotternd angelaufenen Saison biegt Feller langsam wieder auf die Straße des Erfolgs ein. „Die nächsten fünf Rennen, wenn man die zwei Riesentorläufe dazu zählt, sind entscheidend. Wenn du da gut performst, ist alles andere vergessen . . .“

Auch die Teamkollegen fühlen sich bereit. „Wir sind als Team nicht schlecht, sieben von uns sind in den Top 30 der Welt“, sagt Adrian Pertl. Dass diese sieben aktuell aber bis auf Feller zum Großteil zwischen den Plätzen 15 und 30 sind, soll sich schon verbessern. „Ja, die Top-Ergebnisse fehlen. Aber für die fehlt wiederum gar nicht viel.“ Pertl, dessen Fanklub mit einem 80er-Bus anrückt, fühlt sich just auf dem „schwierigsten Slalomhang der Welt“ (Feller) dazu bereit: „Vor fünf Jahren habe ich als Achter hier das erste Mal Weltcuppunkte geholt. Und im Vorjahr gab es in einer schlechten Saison auch das beste Ergebnis.“

Kitzbühel soll auch für die Slalomfahrer, ähnlich wie dem Speed-Team, eine Kehrtwende sein. Marco Schwarz etwa hat die Verzweiflung nach den schwierigen ersten Rennen („Da hat der Körper immer so weh getan, dass ich wirklich verzweifelt war“) nun wieder im Griff: „Ich trainiere jetzt anders, gönne mir nach Rennen freie Tage, fahre weniger Läufe. Das geht gut. Und ich kann wieder so schnell fahren wie schon in Wengen.“ Das will der Kärntner auch in Kitzbühel zeigen. So wie Fabio Gstrein, der zwar zuletzt oft bester Österreicher war, aber: „Wenn du Zehnter bist, ist das auch nicht das Gelbe vom Ei.“ Darum will er nun einfach mehr durchziehen. „Von oben bis unten. Sonst bist du einfach nicht mehr ganz vorne.“ Und dorthin wollen auch Michael Matt, Johannes Strolz und Dominik Raschner zurück. Zumal es in den kommenden vier Tagen um das Rennen zur WM nach Saalbach geht.

Apropos ganz vorne: Da waren zuletzt oft die Norweger. Doch der steirische Trainer der norwegischen Techniker rund um Atle Lie McGrath und Timon Haugan, Christian Mitter, warnt: „Dieser Hang war schon oft unser Kryptonit. Auch wenn er heuer nicht so eisig ist wie im Vorjahr – wir müssen erst beweisen, dass wir auch hier schnell sein können.“