Daniel Hemetsberger nützte noch im Ziel die Gelegenheit, sich bei ÖSV-Geschäftsführer Christian Scherer ins Gespräch zu bringen und die WM-Nominierung abzuhaken. „Ich habe dem Kollegen gesagt: Ich hoffe, ich darf jetzt dabei sein.“ Und dann lächelt Daniel Hemetsberger wieder. Das Gefühl, just auf der Streif vor ausverkauftem „Ski-Stadion“ und 45.000 Fans endlich wieder in die Spur gefunden zu haben, war ein besonderes. „Seit vier Wochen erzähle ich euch, dass wir gut skifahren und dass der Tag kommen wird, an dem wir es zeigen. Heute war es wieder so weit. Gott sei Dank, weil es ist mir selbst schon auf den Sa... gegangen, dass ich es immer nur erzähle.“

Hemetsberger war gelöst: Rang vier ist das beste Ergebnis der Saison, für ihn das beste in der Abfahrt seit fast zwei Jahren. Eine Erlösung, als er im Ziel abgeschwungen hatte und da noch Dritter war. „Der erste Gedanke? Ich bin Dritter, es war eine gute Fahrt, aber es ist der Schleudersitz. Träumen darf man immer, es wurde letztlich der vierte Platz. Das ist der erste, nein, der dritte Verlierer, weil wir alle immer nur Gold wollen, aber ich bin mit meiner Skifahrerei weitergekommen“, sagte der 33-Jährige, der zuletzt schon so mit sich gehadert hatte, noch zwei Tage zuvor meinte: „Wenn es so weitergeht, höre ich zum Saisonende auf. Einen alten Platzhalter brauchen wir nicht.“ Nun kann er wieder vorausdenken. „Natürlich wäre ein Podest schön gewesen, ich hätte das Ski-Österreich auch gerne gebracht. Aber wenigstens attackiere ich wieder.“ Diese Änderung des Zugangs und wertvolle Tipps brachten die Wende: „Ich habe im Ziel noch ,Danke Vinc‘ in die Kamera gesagt. Weil er mir hier Tipps gegeben hat, wie ich fahren soll. Und genau so habe ich es gemacht!“

Die Streif war in gewisser Hinsicht tatsächlich die Renaissance für das Abfahrtsteam, die noch dazu ohne den „Leader“ Vincent Kriechmayr auskommen musste, der aber mit seinen Tipps nach wie vor mithalf. Im knappen Rennen fuhr Stefan Babinsky auf Platz acht, das beste Ergebnis seit Kitzbühel vor einem Jahr. „Und ich muss sagen, ich bin fast ein wenig stolz auf mich. Ich habe heute alles reingehaut, alles reingelegt, es war eine mega Fahrt. Nur im Steilhang ist es nicht ganz gut gelaufen. Und damit fehlen wieder ein paar Zehntel für das Podest, das begleitet mich schon länger.“

Und auch Otmar Striedinger war mit Platz 13 und nur acht Zehntel Rückstand zufrieden: „Vor einem Jahr wärst du bei dem Rückstand Zweiter geworden“, seufzte er und gestand: „Schon in der Nacht haben sich nach meinem Sturz im Super-G die Rippen gemeldet. Aber ich bin gefahren, das Adrenalin macht‘s möglich.“ Erst danach wurde final abgeklärt, ob die Rippen gebrochen oder doch „nur“ geprellt sind. Schmerzen verursacht haben sie: „Hört‘s auf, ich kann nicht lachen“, bettelte er nach einem Scherz im Ziel. Aber in einer Hinsicht positiv gestimmt: Die ÖSV-Abfahrer sind von der Bundesstraße zumindest wieder auf die Autobahn-Auffahrt abgebogen.

Marco Odermatt: „Kann nicht immer 110 Prozent geben“

Marco Odermatt hat die nie verlassen. Den Traum vom Sieg in der Kitzbühel-Abfahrt konnte er sich aber auch nicht erfüllen. „Es war eine solide Fahrt, aber man kann nicht jeden Tag 110 Prozent riskieren“, meinte er und schob das auch auf „die laute Nacht“. Da half nur Ohropax, um nahe des Zielraums Schlaf zu finden. So verzichtete er auf das letzte Risiko: „Und das hätte man heute gebraucht, um ganz vorne zu sein. Ich bin aber nicht schlecht gefahren, ein, zwei kleine Fehler habe ich gemacht, sonst hätte es fürs Podest gereicht. Aber ich fahre nach dem Sieg im Super-G trotzdem zufrieden von hier ab.“ Auch das Ende der Schweizer Serie – es gab bisher in der Abfahrt nur Doppelsiege für die Eidgenossen – konnte er verkraften: „Auch wenn es sich Alexis Monney verdient hätte, vor den beiden Kanadiern vorne zu sein.“