Sie stecken in der Schublade der „Gen Z“ mit Geburtsjahrgängen von Mitte der 1990er bis 2012. Sie erlebten teils die Nachwehen von Bankencrash und der Finanzkrise um 2009 mit, waren Zeitzeugen der Flüchtlingswelle 2015, der Corona-Pandemie und gleich darauf auch wieder eines Angriffskrieges in Europa, den die Russen bis heute in der Ukraine führen. Ihre Eltern und sie selbst bangen inmitten anhaltender Konjunkturflaute, sie könnten wirklich die erste Generation Europas nach dem Weltkrieg sein, bei der nicht alles immer besser wird. Dennoch verstehen sie sich selbst nicht als „Generation Krise“, schüttelt Philipp Tauber (17) vom BRG Petersgasse in Graz den Kopf: „Nein, wir sind wohl eher die Generation der Digital Natives.“
Zukunftsoptimismus für den eigenen Weg
Aus Taubers Sicht, aber auch aus jener von Monika Eibl (17) von der HLW Schrödinger in Graz und Schlosser-Lehrling David Jesus Nopp (18) von der Berufsschule in Mureck gibt es für die Jungen keinen Grund pessimistisch in ihre persönliche Zukunft zu blicken. Das zeigt die aktuelle, siebente Jugendstudie der Arge Jugend mit der Sozialforschung x-sample: Rund 90 Prozent der Befragten im Alter zwischen 13 und 19 Jahren sind sehr oder eher zuversichtlich, was ihren Lebensweg angeht. Die Tendenz geht im Vergleich zu den vorigen Umfragen, die im Drei-Jahrestakt erstellt werden, nur leicht nach unten. Die Mehrheit der Jungen sieht auch die Lebensbedingungen ihrer Generation positiv, wenn auch weniger sonnig als in den Studien davor. Über zwei Drittel, und das ist mehr als bei den letzten beiden Studien, meinen, ihr Leben wird in zehn Jahren besser sein als heute.
Keine rosa Brille für die Gesellschaft von morgen
Mit Blick auf die Zukunft der Gesellschaft ist das Glas hingegen nicht nur halbleer: Mehr als zwei Drittel sind da weniger oder gar nicht zuversichtlich, nur knapp ein Drittel ist optimistisch. Die Multikrisen-Kulisse von außen „bedrücken uns schon“, sagt Monika. Der Lehrling David Jesus, der Arbeits- und Wirtschaftserfahrung hat, ist insgesamt pessimistischer als seine Altersgenossen von Höheren Schulen: „Die Zukunft ist aus meiner Sicht schwierig, aber machbar.“ Er weiß um die Nöte der Unternehmer, aber auch der Kundschaft.
Im Vergleich zu den vorigen Studien hat sich das Zukunftsbild „also schon deutlich eingetrübt“, so das Fazit von Dominik Knes, einer der Studienautoren und Chef der Arge Jugend: „Sie sehen die Zukunft der Gesellschaft mit drastisch weniger Zuversicht.
Pragmatischer Zugang zu Leistung
Home-Office und Work-Life-Balance: Der Ruf, den die Jungen in der Erwachsenenwelt genießen, ist zweifelhaft. Tatsächlich ergibt die Studie, „dass Jugendliche Leistung nicht als identitätsstiftenden Leitbegriff erleben, sondern ihn pragmatisch betrachten“, ist das Fazit von Knes. Monika gibt ihm recht: „Wir haben nur ein Leben, das sollen wir nicht dem Beruf allein unterordnen.“ Sehr wohl will sie aber – sinnstiftend – in ihrem Wunsch-Job arbeiten und Medizin oder Hebammenwissenschaften studieren. Dass man aber Leistung erbringen muss, um seine Ziele im Leben auch zu erreichen, ist den Jungen klar. In Familien mit Migrationsgeschichte ist Leistung übrigens noch deutlich wichtiger.
Philipp Tauber spürt in seiner AHS mit 17 steigenden Druck: „Ich weiß noch nicht, was ich beruflich machen will. Vielleicht studiere ich Politikwissenschaften ...“ Unsicherheiten, die Lehrlinge eher nicht kennen. Nopp: „Nur wer Leistung bringt, kommt zu etwas.“ Er arbeitet in der Lehre 38,5 Stunden pro Woche, mit der Arbeit auf der kleinen Landwirtschaft der Eltern kommt er auf 60-Stunden-Wochen. „Work-Life-Balance“ ist für ihn kein Wert. Sein Traum: „Später einmal selbst ein Unternehmen haben.“
Wirtschaftskammer-Präsident Josef Herk ist über die Ergebnisse der Studie jedenfalls erfreut: „Leistung ist für junge Menschen nach wie vor ein zentraler Wert und Schlüssel für ihre Zukunft in der Arbeitswelt.“ Unsere gemeinsame Aufgabe sei es, „den Jungen Perspektiven zu geben und zu zeigen: Leistung lohnt sich.“