Ein Fan von ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz war der Ex-Grünen Politiker Peter Pilz nie. In einem 256 Seiten starken Buch hat er das nun zu Papier gebracht. Seine Abneigung gegen den Kanzler zu äußern sei aber nicht die Motivation für das Buch gewesen, so Pilz im Gespräch mit der Kleinen Zeitung: „Mir geht es hier nicht um Kurz, sondern darum, aufzuzeigen, dass Österreich an einer historischen Weggabelung steht.“ Nun entscheide sich, ob die gefestigte Demokratie diesen Angriffen halte, so Pilz.

Pilz, der heute die Online-Plattform „ZackZack“ betreibt, arbeitet sich in seinem Buch am „Regime Kurz“ ab. Detailreich und gespickt mit zahlreichen internen Informationen wird dessen Übernahme der ÖVP, die Planung von Wahlen, das Generieren von Parteispenden und das Einsetzen von Vertrauten in Ämtern nachgezeichnet. Dabei spart Pilz nicht mit Polemik und scharfen Angriffen auf den Kanzler. „Seine Talente nutzen Kurz auch bei der Ablenkung von seiner größten Schwäche: der umfassenden sachlichen Inkompetenz“, heißt es im Buch.: „Was den Inhalt der Politik betrifft, ist er kein Kanzler, sondern ein Kanzlerdarsteller.“

Kritik an den Grünen

Bahnbrechende Neuigkeiten veröffentlicht Pilz zwar nicht, dafür aber bisher unbekannte Chats, Kalendereinträge und Aktenauszüge. Außerdem arbeitete Pilz einen Fokus der ÖVP auf die Wirtschaft heraus. „Mit der Aktion um die ÖBAG ist es Kurz um das Schaffen seines eigenen Wirtschaftsimperiums gegangen“, sagt Pilz „Es ist bisher unterschätzt worden, dass Kurz sich damit und mit dem Finanzministerium den Einfluss auf die heimische Wirtschaft sichern wollte. Ähnlich wie es Orban und Erdogan vor ihm getan haben.“ Es gehe bei der ÖBAG laut Pilz also nicht nur um einen Versorgungsposten für das „Familienmitglied“ Thomas Schmid.

"Kurz. Ein Regime" 256 Seiten, Kremayr Scheriau
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Auch mit seiner ehemaligen Partei, den Grünen, geht der Autor hart ins Gericht. Nach eineinhalb Jahren Türkis-Grün zeige sich „viel Türkis mit Blau und ein paar grüne Tupfer, die daran erinnern, dass da noch jemand ist. Viele haben die Grünen gewählt, um die FPÖ in der Regierung zu verhindern. Jetzt erleben sie, wie Grüne Türkisen blaue Politik ermöglichen und dabei nicht einmal rot werden.“

Auf Gegenwind ist Pilz gefasst: „Ich lade die ÖVP dazu ein, jede einzelne Seite des Buches zu entkräften.“