„Macht braucht Kontrolle.“ Ein Wähler in Eisenstadt hält nicht viel von der SPÖ-Alleinregierung rund um Landeshauptmann Hans Peter Doskozil oder Alleinregierungen im Allgemeinen. „Es braucht immer jemanden, der einer Partei auf die Finger schaut“, sagt er auf seinem Weg aus dem Wahllokal, wenige Hundert Meter vom Landhaus in der burgenländischen Hauptstadt entfernt.
In der Eisenstädter Innenstadt machen sich am Sonntagnachmittag die letzten Wahlberechtigten auf den Weg, um ihre Stimme abzugeben. Viel ist nicht los in den von Wahlplakaten gesäumten Straßen der Landeshauptstadt, es weht ein eisiger Wind.
Alle Ergebnisse
Für oder gegen Doskozil
Für oder gegen Doskozil – das scheint an diesem Wahlsonntag die zentrale Frage zu sein. „Burgenland aus dem roten Netz befreien“, plakatieren etwa die Neos, die bisher noch nie im burgenländischen Landtag vertreten waren. „Wähl dich frei – Volkspartei“ hat die ÖVP rund um Spitzenkandidat Christian Sagartz auf ihre Plakate gedruckt.
Ein junger Neos-Wähler lässt kaum Zweifel, ob er auf der Für- oder Gegen-Doskozil-Seite steht. Er wolle nicht im „Ungarn der 1950er Jahre“ leben, sagt er. „Ich bin liberal, ich bin gegen umfassende Verstaatlichung, das lähmt den Unternehmergeist“. Ein Dorn im Auge ist ihm etwa die Abgabe auf ungenutztes Bauland, die 2021 im Burgenland eingeführt, bisher aber noch nie eingehoben wurde. Er hofft, dass die Neos, bisher nicht im burgenländischen Landtag vertreten, zumindest ein Mandat ergattern können.
SPÖ jubelt trotz Verlusten
Viele sehen den Kurs, den das Burgenland über die vergangenen Jahre unter Landeshauptmann Doskozil eingeschlagen hat, positiv. Ihr seien besonders Angebote für Familien und Kinder ein Anliegen, erzählt eine Frau, die von ihren beiden kleinen Töchtern ins Wahllokal begleitet wird. „Zumindest in Eisenstadt ist das sehr gut, ich bin sehr zufrieden“. Für ein Pensionistenpaar steht wiederum das Gesundheitssystem an erster Stelle – ein Thema, das auch in Doskozils Wahlkampf eine zentrale Rolle gespielt hat.
Um 16.00 Uhr schließen die letzten Wahllokale, wenige Minuten später wird eine erste Hochrechnung veröffentlicht. In den Räumlichkeiten des SPÖ-Landtagsklubs warten Funktionäre und Gäste dicht gedrängt vor einem Fernseher auf die – aus ihrer Sicht – guten oder schlechten Nachrichten. Burgenländischer Wein und gefüllte Weckerl stehen bereit, rot-gelbe Schals mit der Aufschrift „Doskozil“ und „Team Burgenland“ werden verteilt.
Auf knapp 46,4 Prozent kommt die SPÖ Stand laut dem vorläufigen Endergebnis. Die Absolute ist damit zwar Geschichte, doch im Landtagsklub wird bei Bekanntwerden der ersten Hochrechnung gejubelt und begeistert applaudiert. Anderswo würden Landeshauptmann-Parteien zehn Prozentpunkte verlieren, mit einem Minus von rund drei Prozentpunkten könne man gut leben, meint ein Gast. Am Montag wird in den Parteigremien wohl bereits über mögliche Koalitionsoptionen beraten werden.
Koalition gegen die SPÖ geht sich wohl nicht aus
Kopf an Kopf bei 23,1 beziehungsweise 22,0 Prozent liegen am Sonntagnachmittag FPÖ und ÖVP, auch die Grünen schaffen mit 5,7 Prozent den Wiedereinzug in den Landtag. Es sei ein „sehr positives Ergebnis“, sagt ein Gast auf der blauen Wahlparty ein Stockwerk unterhalb des SPÖ-Klubs. Eine SPÖ-FPÖ-Koalition halten mehrere der Anwesenden für möglich, ein Gast hat allerdings Zweifel. Doskozil werde jetzt wohl mit den Grünen eine Koalition bilden – im Gegensatz zu den Freiheitlichen ein „billiger Koalitionspartner“, vermutet er.
Bisher hat die Sozialdemokratie im Burgenland mit 19 Abgeordneten eine absolute Mehrheit im Landtag gehalten, im Vorfeld der Wahl bangte man in den roten Reihen aber vor allem um das 18. Mandat, mit dem zumindest keine Koalition gegen die SPÖ möglich wäre. Hochrechnungen zufolge dürfte man allerdings auf 17 Sitze abgerutscht sein. Da die Grünen wieder im Landtag vertreten sein werden, wird sich eine FPÖ-ÖVP-Mehrheit ohne Beteiligung der SPÖ aber trotzdem nicht ausgehen.