Freude in Israel, Freude bei vielen Palästinensern, Freude bei Donald Trump. Die Hamas übergab an diesem historischen Tag die 20 verbliebenen lebenden Geiseln an Israel, im Gegenzug wurden 1968 inhaftierte Palästinenser - darunter auch Mörder und Vergewaltiger - freigelassen. In Sharm El-Sheikh unterzeichneten Vertreter der USA, Ägyptens, Katars und der Türkei am Nachmittag eine gemeinsame Friedenserklärung. Darin erklären sich die vier Länder zu Garantiemächten einer Vereinbarung, mit der der Gaza-Krieg beendet werden soll.
Ein Ende des Krieges bedeutet aber noch keinen Frieden in der sehr instabilen Region. „Ich denke, wir sind auf dem Weg dorthin“, antwortete Nahost-Experte Daniel Gerlach Montagabend in der ZiB 2 im ORF auf die Frage von Armin Wolf, ob der eigentlich seit Jahrzehnten tote Palästina-Friedensprozess mit dem heutigen Tag wieder lebe.
Der Tag im Rückblick
Das große Problem sei laut Gerlach, dass es auf palästinensischer Seite noch immer keinen Counterpart gäbe, der sich für die palästinensische Bevölkerung auf ein Friedensabkommen verpflichten und die Zwei-Staaten-Lösung in Gang bringen könnte.
Entscheidende Rolle für Israels Bevölkerung
Diese Zwei-Staaten-Lösung sei es wohl auch, die zumindest aus Sicht der Palästinenser dauerhaften Frieden herstellen könnte. Und in dieser Hinsicht nimmt für Gerlach die israelische Bevölkerung eine entscheidende Rolle ein. „Diejenigen, die ein maßgeblicher Alliierter für eine Friedenslösung, die in palästinensischer Eigenverantwortung, Selbstbestimmung und einer Zwei-Staaten-Lösung besteht, sind, sind die israelischen Wähler“, betonte Gerlach. Einige Hunderttausend müssen davon überzeugt werden, um eine entsprechende Koalition zu unterstützen, die darin auch eine Sicherheitsgarantie für Israel sieht.
Dieser Prozess werde wohl erst nach der Regierung Benjamin Netanyahus, der immer wieder betont, dass er niemals einen Palästinastaat akzeptieren würde und wohl auch erst nach der Regierung Trumps in Gang kommen, glaubt Gerlach.