Der Q-SchamaneEin behörnter Patriot als König der Verschwörungstheoretiker

Die Zeitungen und News-Plattformen der Welt ziert heute vor allem der Mann mit der Pelzmütze, Jake Angeli, der mit hunderten weiteren Trump-Anhängern am Mittwoch in das US-Kapitol eindrang.

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Jake Angeli ist einer der Anführer des Mobs gewesen
Jake Angeli ist einer der Anführer des Mobs gewesen © AFP
 

Er trägt Büffelhörner als Symbol der Stärke und die Schweife zweier Coyoten um seine Finesse zu unterstreichen, wie Jacob Chansley, besser unter seinem Künstlernamen Jake Angeli bekannt, erklärt. Seine Brust zieren drei ineinander verschlungene Dreiecke, der Wotansknoten, ein altes germanisches Symbol, das auch immer wieder mit der extremen Rechten und Neonazi-Gruppierungen in Verbindung gebracht wird.

Der 32-Jährige aus Arizona war einer der Anführer des Mobs, der gestern das Kapitol in Washington D.C. stürmte. Angeli ist in der rechtsextremen Szene bekannt, trat in den vergangenen Monaten immer wieder auf Rallys von Donald Trump auf, und wurde im Sommer auf einer solchen Veranstaltung sogar vom ORF interviewt. Dass der österreichische Rundfunk zu den „Mainstream Medien“ gehört, wusste der Mann mit Fellmütze wohl nicht, denn normalerweise rede er nicht mit dem Verbreitern von „Fake News“, wie er auf seinem Youtube-Kanal sagt.

"QAnon"-Anhänger Angeli wird vom Wachpersonal konfrontiert
"QAnon"-Anhänger Angeli wird vom Wachpersonal konfrontiert Foto © AFP

In den Fängen der Verschwörung

Der durchtrainierte Tattoo-Fan steht symbolhaft für die Verschwörungs-Schwurbler unter den Trump-Anhängern. Der „Q-Schamane“, wie sich Angeli selbst nennt, ist passionierter Unterstützer der QAnon-Bewegung. Sie vertritt die Verschwörungstheorie, dass es in den höchsten Regierungskreisen einen korrupten Staat im Staate, den sogenannten „Deep State“, gebe. Im Interview mit dem ORF erzählte Angeli etwa, dass es sich hierbei um das verkörperte Böse handle und man sich in einem "spirituellen Krieg" befinde.

USA: Diese Bilder gingen um die Welt: Der Sturm aufs Kapitol

Aus Washington gingen am 6. Jänner 2021 Bilder um die Welt, die man für unvorstellbar gehalten hatte: Ein gewalttätiger Mob stürmte den Sitz des US-Kongresses. Hinter dem verheerenden Sturm auf das Kapitol in Washington steckten vor allem Trump-Anhänger, Rechtsextreme und Verschwörungsgläubige.

(c) AFP (SAUL LOEB)

Stellvertretend für dieses dunkle Kapitel der amerikanischen Geschichte steht Jacob Chansley, besser bekannt unter seinem Pseudonym Jake Angeli.

(c) AFP (SAUL LOEB)

QAnon-Anhänger glauben, dass ein von satanischen Menschenhändlern geführter Staat im Staate, der sogenannte „Deep State“ Kinder entführe, foltere und ermorde, um aus deren Blut eine Verjüngungsdroge herzustellen. Donald Trump, so die Theorie, sei der Einzige, der es wage, dieser globalen geheimen Elite die Stirn zu bieten.

(c) AFP (SAUL LOEB)

Während Jake Angeli sich in Szene setzte, drang Richard Barnett (60) in das Büro von Nancy Pelosi (80), der demokratischen Sprecherin des Repräsentantenhauses, ein und legte dort ganz gemütlich die Füße auf den Tisch.  Auch Barnett war als Trump-Anhänger bekannt.

(c) AFP (SAUL LOEB)

Neben Verschwörungsanhängern waren auch zahlreiche Rechtsextreme am Sturm beteiligt, wie Bilder beweisen. Ein Foto zeigte einen Mann im Inneren des Kongresses, der einen Pullover trägt, auf dem "Camp Ausschwitz" stand - eine antisemitische Relativierung des Holocaust. Ein anderer trug die Konföderierten-Flagge, ein Symbol für Sklaverei und Rassismus. 

(c) AFP (SAUL LOEB)

Anwesend waren auch Mitglieder der sogenannten "Proud Boys".

(c) AFP (SAUL LOEB)

Die Gruppe speist sich vor allem aus anarchistischen weißen Neonazis, die Gewalt glorifizieren. Immer wieder stachelte der Trump die Gruppe in den Monaten davor zu verschiedenen Aktionen an.

(c) AFP (OLIVIER DOULIERY)

Auch Metal-Musiker Jon Schaffer war beim Sturm auf das Kapitol dabei.  Schaffer ist rechts im Bild zu sehen.

(c) AFP (ROBERTO SCHMIDT)

Weitere verstörende Bilder vom Sturm auf das Kapitol.

(c) AFP (SAUL LOEB)
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(c) AFP (BRENDAN SMIALOWSKI)
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Die „Eliten der Welt“ – was laut Extremismus-Experten in rechtsextremen Kreisen als Umschreibung für Juden gilt – würden eine neue Weltordnung herstellen wollen. Zudem gebe es in unterirdischen Laboren geheime wissenschaftliche Experimente, Kinderhandel und Pädophilie. Trump sei so etwas wie der „Good Cop“ und ein "Whistleblower", der gemeinsam mit „Q“ diesem Deep State ein Ende zu bereiten versucht. „Nur wenn man zwischen den Zeilen liest, kann man erkennen, was wirklich vor sich geht", so Angeli im Interview mit dem ORF.

Ein Schrei nach Aufmerksamkeit

US-Medien berichten, Angeli träume vom großen Durchbruch im Showbusiness. Immer wieder habe sich der 32-Jährige in der Vergangenheit als Synchronsprecher, Schauspieler oder Sänger versucht. Der Zeitung „Arizona Republic“ erzählte er, die Fellmütze und die Gesichtsbemalung sei nur ein Weg, auf sich aufmerksam zu machen.

Doch Angeli sei nicht immer so gewesen. Auf Twitter meldete sich noch Mittwochabend ein ehemaliger Schulkollege und Nachbar zu Wort. „Ich diskutiere mit ihm schon seit zehn Jahren. […] Er ist dumm, war aber nicht immer so“, schreibt der Kalifornier Gareth Trubl. In seiner Jugend habe Angelis Vater Suizid begangen und Angeli selbst wäre in einen Strudel aus Missbrauch „harter“ Drogen und Depressionen gefallen, aus dem er sich nie wieder befreien konnte.

Mit seinen Bildern im Kapitol dürfte Angeli die gewünschte Aufmerksamkeit nun bekommen. Wie sehr sie ihm dienen wird, ist fraglich.

Kommentare (21)
Reipsi
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So wie er ausschaut

so ist er auch , Hirn wie die Viecher mit Gwei holt.

Stubaital
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Schamane

Alle die den Finger nach unten zeigen, gehören auch zur Kategorie ( Vollkoffer) wahrscheinlich zu Milde ausgedrückt.

Aufschläger
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Der gehörnte Vollkoffer

sollte froh sein in einem demokratischen Land zu leben.
Ich nehme mal an ,dass dieser Zombie in China oder Russland das Gebäude nicht aufrecht verlassen hätte können.

blackpanther
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Hoffentlich

wird dieser Terrorist in den nächsten Jahren in einem Gefängnis, am besten mit Trump, sicher verwahrt. Leider gibt es solche Irre auch bei den Coronaleugnerdemos in immer höherem Ausmaß! Und viele bisher normale Leute lassen sich von denen als Lemminge mißbrauchen und plappern wie Kleinkinder deren abstruse Theorien nach und fühlen sich als Querdenker, sind aber nichts anderes als Sprechpuppen!

romagnolo
3
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Warum in die Ferne schweifen?

Im Tiergarten Schönbrunn kann man einigen dieser "Wesen" besichtigen.

Civium
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Ja so schaun sie

aus , ob in Ibiza oder Washington oder auch mit adretten Anzug!!!

hfg
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Wenn man so einen Irren eine Bühne gibt

Darf man sich nicht wundern, wenn viele Nachfolger und ähnliche Irre auch auftreten wollen.
In seiner Szene Ostberliner ein Held und Star - jeder möchte sondern und bewundert ihn.

hfg
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Sollte heißen

In seiner Szene, und die ist nicht klein, wird er bewundert, ist ein Vorbild, Star und ein Held. Das streben dann viele Irre an und wollen auch so sein und das ist sehr gefährlich.

tannenbaum
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Nach

Guantanamo mit diesen Hornochsen! Zehn Jahre mindestens.

8230HB
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Terror

Werden diese verwirrten Seelen nun eigentlich wegen Terrorismus angeklagt? Ich stelle mir nämlich gerade vor, wie die Schlagzeilen gelautet hätten, wären einige Muslime ins Kapitol eingedrungen. Aber bei Rechtsradikalen geht man dann halt gerne in Richtung Geisteskranke. Und was auch seltsam anmutet, da sitzen die Repräsentanten Amerikas drinnen und das ganze wird nicht besser geschützt? Seltsam...

grundner10
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Gehörnt? Behörnt?

Ist der Mann "betrogen" worden oder einfach nur "teuflisch"? Beides wird in gewissem Maß inhaltlich zutreffen, aber besser würde es "behörnt" heißen, denn "gehörnt" bedeutet das oben Genannte. Die Kleine Zeitung täte gut daran, zumindest eine Stelle für einen Lektor/Korrektor auszuschreiben.

KleineZeitung
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Titel

Sehr geehrte/r grundner10,
Sie haben Recht mit Ihrer Anmerkung und der Fehler tut uns leid. Wir haben diesen auch bereits ausgebessert.
Mit lieben Grüßen aus der Redaktion

lieschenmueller
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@grundner10

Es hat die deutsche Sprache auch ihre Tücken.

Allein wenn Finesse mit schlau und durchtrieben eine Bezeichnung lt. Duden hat, also zwei Begriffe, die für mich für EIN einziges Wort doch widersprüchlich sind ....

Behörnt/gehörnt - allein hier mach das Korrekturprogramm bei "behörnt" eine Fehlermeldung.

Und wie stellen Sie sich das vor? Artikel die schnell getippt werden aufgrund der Aktualität der Geschehnisse noch Korrekturlesen zu lassen? Nichts ist älter als die Zeitung - nicht mal von gestern - sondern in der kurzlebigen Zeit sogar von ein paar Stunden.

Vielleicht sollen wir Leser nicht gar so viel I-Tüpferl-Reiten. Der Redakteur muss schnell erbringen, wir hier vorm Computer oder Handy haben Zeit zum lange Nachdenken.

grundner10
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@lieschenmüller

Es war ja auch gar nicht böse gemeint, sondern soll nur auf eine besondere Sprachaufmerksamkeit hinweisen, die man von professionellen Schreiber/inne/n durchaus verlangen kann bzw. soll. Jeder Text ist "work in progress", und wir alle sind daher aufgerufen, an der Verbesserung mitzuwirken (siehe Wikipedia).

grundner10
1
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Korrekturprogramm

Wenn das Programm eine an sich richtige Variante als falsch kennzeichnet, ist hier ein Symptom unserer Zeit zu beobachten: Maschinen bzw. Programme ersetzen Menschen, wo sie es aber gar nicht richtig können. Sprache ist dafür ein gutes Beispiel.

hbratschi
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ich hörte mal ein lied...

...mit dem treffenden refrain: "es gibt so viel trotteln auf der welt...". da dürfte der texter den gehörnten fellträger schon gekannt haben, denn besser kann man diese(n) typen nicht besingen...🙈😁

lieschenmueller
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Finesse

musste ich mir ergoogeln.

Falls er "Schlauheit" damit meint, der Gehörnte, nunja ......

Mein Graz
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@lieschenmueller

Ich tippe eher auf "Durchtriebenheit".

lieschenmueller
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@Mein Graz

Wir werden es nicht erfahren. Aber da er anscheinend stolz auf sich selbst ist,
und Durchtriebenheit - zumindest meinerseits - etwas Negatives ist, wer weiß?

Jedenfalls ein Vollkoffer!

Mein Graz
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"Ein gehörnter Patriot..."

Hab ich doch glatt "Ein gehörnter Idiot" gelesen...

GustavoGans
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Ich

auch