„Im Krieg gibt es keinen Ersatz für den Sieg,“ meinte der amerikanische General Douglas MacArthur einst. Ich las den Satz zum ersten Mal im Herbst 2000 auf einem Monument in der amerikanischen Militärakademie in West Point im Bundesstaat New York. MacArthur war meines Erachtens einer der schlechtesten Generäle, die die US-Armee in ihrer Geschichte je hervorbrachte – viele seiner Fehler waren auf seine persönliche Arroganz zurückzuführen. Doch seine selbstbewussten Worte entsprechen tatsächlich der harten Wahrheit, was die Natur des Krieges betrifft.
Das Problem in dem nun seit über einer Woche andauernden Krieg Israels und der USA gegen den Iran ist, dass nach wie vor nicht klar ist, was genau Sieg bedeutet. Ist es die Zerstörung der nuklearen Infrastruktur, die Enthauptung des Regimes und Regimewechsel, die dauerhafte Schwächung der iranischen Luftabwehr, schlicht Bestrafung, oder all das zusammen? Wie ich in der Vergangenheit unterstrich, ist die Zeit, in der die USA in der Sicherheitspolitik mit einer Stimme sprachen, vorbei. Es zeugt von der internen Zerrissenheit und dem organisatorischen Chaos, dass man nach nun acht Tagen noch immer keine klaren Kriegsziele vorzuweisen hat.
Gesamten Nahen Osten destabilisiert?
Das ist ein Problem. Denn nur wenn man ein klares politisches Ziel hat, kann man militärische Mittel zu dessen Durchsetzung effizient und effektiv einsetzen. Ansonsten droht ein ausufernder Konflikt, der zwar vielleicht das Regime und dessen militärische Fähigkeiten im Iran zerstört, aber die USA, Israel und die gesamte Nahostregion nicht sicherer macht und sie nur weiter destabilisiert – was dann aber erst recht eine anhaltende amerikanische Militärpräsenz verlangen würde.
Auch gibt es die Gefahr, dass die USA zu viele ihrer Hightech-Waffen in diesem Krieg verbrauchen – etwa Abfangraketen, die man in Konflikten gegen Russland oder China benötigen würde und die vor allem die Ukraine im Moment gegen Russland braucht, und die in zu geringer Anzahl produziert werden, um für einen tatsächlichen Großmachtkrieg in Europa oder Ostasien zu genügen.
Konsequenzen für die Weltwirtschaft
Dazu kommen die wirtschaftlichen Konsequenzen: Iran hat die Straße von Hormus faktisch gesperrt, Raffinerien und Gasanlagen in Saudi-Arabien, Katar und Kuwait mit Raketen angegriffen, und die Energiepreise schießen in die Höhe – der Ölpreis stieg innerhalb weniger Tage um 14 Prozent, was letztlich negative Konsequenzen für die USA und die gesamte Weltwirtschaft haben kann.
Irans Angriffe gingen stark zurück
Militärisch war dieser Krieg bis dato ein voller Erfolg für die USA und Israel. Keine zwei anderen Luftwaffen hätten zusammenbringen können, was diese beiden Länder zusammen in den letzten Tagen erreicht haben. Allein in den ersten vier Tagen griffen die USA fast 2000 Ziele an, darunter 17 Schiffe; Israel trifft rund 1000 Ziele pro Tag. Der Abschuss iranischer ballistischer Raketen ging laut dem US-Generalstabschef um 86 Prozent zurück, Drohnenangriffe um 73 Prozent. Laut amerikanischen und israelischen Militärplanern gibt es noch genügend Ziele für vier bis fünf Wochen Krieg.
Iran schon länger geschwächt
Dazu sollte man aber anmerken, dass der Iran militärisch seit dem Zwölf-Tage-Krieg im Juni 2025 stark geschwächt war – seine Luftverteidigung war quasi nicht mehr existent. Die militärische Performance ist beeindruckend, doch daraus zu schließen, wie die USA sich in einem Krieg gegen Russland oder China behaupten würden, wäre so, als nähme man die Erfolge der Alliierten gegen das Osmanische Reich 1917 oder 1941 gegen Italien als Messlatte für einen Krieg gegen das Kaiserliche Deutsche Heer oder die Wehrmacht. Die Aussagekraft ist also begrenzt.
„Streifzug-Strategie“
Meines Erachtens lässt sich der amerikanische und israelische militärische Ansatz am ehesten mit einer sogenannten Streifzugstrategie gleichsetzen: maximale Zerstörung des Kampfpotenzials und der militärischen Infrastruktur des Irans durch Luftschläge, Raketenangriffe und Cyber-Operationen, ohne jedoch das Land dauerhaft besetzen zu wollen. Doch solche Streifzüge waren in der Vergangenheit immer in eine Gesamtstrategie eingebettet und nie Selbstzweck.
„Tell me how this ends“ - „Sagt mir, wie das endet“, fragte der amerikanische General Petraeus am Anfang des Irakkrieges im Jahr 2003. Wie dieser neue von den USA initiierte Golfkrieg enden wird, bleibt vorerst unklar – vor allem solange die Ziele dieses Konfliktes es auch sind.