Die iranische Hauptstadt Teheran und andere Städte liegen nach einer Woche Krieg teilweise in Trümmern. Israelisch-amerikanische Luftangriffe trafen Regierungsgebäude und Wohnhäuser und töteten nach Regierungsangaben mehr als tausend Zivilisten. Unter den Toten sind auch Revolutionsführer Ali Khamenei und andere hohe Spitzenfunktionäre, Luftwaffe und Marine des Iran wurden ausgeschaltet.

„Sie haben alles verloren, was sie verlieren können“, sagte US-Präsident Donald Trump dem Sender NBC. Tatsächlich sind die militärischen Rückschläge für den Iran riesig. Besonders in den ersten Stunden des Krieges habe der Iran mit dem Tod von Khamenei und vieler Kommandeure überraschend starke Verluste erlitten, sagte der Iran-Experte Arman Mahmoudian von der Universität Süd-Florida zur Kleinen Zeitung.

US-Kampfjets macher derzeit vor allem Jagd auf Raketenabschussrampen
US-Kampfjets macher derzeit vor allem Jagd auf Raketenabschussrampen © AP

Iran hat noch Pfeile im Köcher

Seit Kriegsbeginn feuerte der Iran rund 500 weit reichende Raketen und etwa 2000 Drohnen auf seine Gegner und auf arabische Staaten. Amerikanische und israelische Militärs berichten, die Zahl der anfliegenden ballistischen Raketen aus dem Iran gehe nach Angriffen auf Abschussrampen und Raketendepots seit Tagen zurück. „Dem Iran gehen nicht die Raketen aus, sondern die Abschussrampen“, sagt Mahmoudian. Der Iran hat aber noch andere Pfeile im Köcher. Kurzstreckenraketen und Drohnen sind schwieriger zu orten und bedrohen weiterhin die arabischen Golfstaaten und Israel. Besonders die Drohnen sind für Israel und die USA ein Problem. Sie sind relativ billig und leicht herzustellen, lassen sich gut verstecken und können von vielen Landesteilen aus gestartet werden.

„Wir können nicht alles abfangen“, räumte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth jetzt ein. Nach Medienberichten könnten bei den USA, Israel und den Golfstaaten bald die Abfangraketen knapp werden, die anders als die iranischen Drohnen teuer und nicht ohne Weiteres zu ersetzen sind. Weltwirtschaftliche Verwerfungen durch die Störung des Tanker-Verkehrs im Persischen Golf machen sich für westliche Verbraucher bereits an den Tankstellen bemerkbar. Teheran hofft, dass dies die Gegner zum Einlenken zwingt.

Was ist das Ziel?

Ziel der Führung ist es, die Islamische Republik vor dem Untergang zu bewahren – wenn das gelingt, würde sie sich zur Siegerin erklären. Khameneis Tod war zwar ein Schock, doch der inzwischen eingerichtete Übergangsrat aus Präsident, Justizchef und einem Vertreter der Geistlichkeit soll die Kontinuität der Staatsgeschäfte sichern. Der katarische Sender Al-Jazeera berichtete aus Teheran, es gebe keine größeren Versorgungsmängel. Der Sicherheitsapparat hält bisher zusammen, es gibt keine Berichte über die Fahnenflucht hoher Offiziere.

„Man sollte nicht die Wut über die Zerstörungen durch die amerikanisch-israelische Offensive unterschätzen“, sagt Omar Rahman von der Denkfabrik Middle East Council on Global Affairs. Das Misstrauen gegen USA und Israel sitze bei vielen Iranern tief, sagte Rahman zur Kleinen Zeitung. Mutmaßliche Kriegsverbrechen wie die Bombardierung einer Grundschule im Südiran, bei der 168 Kinder und Lehrer starben, und die Pläne der USA für einen Kurdenaufstand stärken innenpolitisch den Rückhalt für das Regime. Von einem Aufstand der Opposition gegen die geschwächte Führung ist jedenfalls nichts zu sehen. Das liegt zum Teil daran, dass viele Iraner Teheran – das Zentrum der jüngsten Proteste – wegen des Krieges verlassen haben. Zugleich zeigt sich aber auch, dass die iranische Opposition nicht gut genug organisiert ist, um gegen das geschwächte Regime loszuschlagen.

Die weit gesteckten Kriegsziele der westlichen Angreifer spielen Teheran ebenfalls in die Hände. „Es sieht ganz danach aus, als wollten Israelis und Amerikaner den Iran in Grund und Boden bombardieren und die Gesellschaft spalten“, sagt Rahman. „Selbst Iraner, die das Regime ablehnen, wollen kein solches Ergebnis.“

Iran richtet sich auf langen Konflikt ein

Die iranische Führung richtet sich jedenfalls auf einen langen Konflikt ein. Das könnte neben der Zerstörung der Abschussrampen auch ein Grund für den Rückgang der Raketenangriffe sein, meint Experte Mahmoudian. Trump rechnet mit einer Kriegsdauer von vier bis fünf Wochen. Wenn der Iran die Angriffe weiterhin wegstecken und zurückschießen kann, wird das nicht reichen.