Abend für Abend sind in den Golfstaaten die kilometerlangen Rauchsäulen zu sehen, die die Triebwerke der Abfangraketen in den nächtlichen Himmel zeichnen. Die derzeit im großen Umfang zum Einsatz kommenden Patriots sind nach wie vor der militärische Goldstandard. Kein anderes Waffensystem fängt einfliegende iranische Flugkörper verlässlicher ab als die seit knapp 40 Jahren in den USA hergestellten Raketen, laut den Vereinigten Arabischen Emiraten lag die Abschussquote dank der Patriots und den hochfliegenden THAAD-Raketen bei mehr als 90 Prozent.
Die Frage, die nicht nur amerikanische Militärplaner derzeit umtreibt, ist allerdings, wie lange das noch so bleiben wird. Laut dem an der Universität in Oslo forschenden Raketenspezialisten Fabian Hoffmann kann die bisherige Intensität beim Einsatz von Abfangraketen wahrscheinlich nicht länger als eine weitere Woche aufrechterhalten werden. Nur zwei Tage nach Beginn des Angriffs auf den Iran sah sich US-Präsident Donald Trump auch schon persönlich genötigt, die aufkeimende Debatte um rasch zur Neige gehende US-Munitionsbestände einzufangen. „Wir verfügen über eine praktisch unbegrenzte Versorgung“, sagte Trump.
Der Iran, der nach wie vor über mehr als 2000 Raketen besitzen dürfte, setzt mit seinen Salven gezielt auf eine Abnutzungsstrategie. Um sichergehen zu können, dass die Bedrohung auch tatsächlich eliminiert wird, feuern die Verteidiger zumeist gleich zwei oder drei der mehrere Millionen teuren Abfangraketen ab. Um dieses Ungleichgewicht zu bekämpfen, machen Amerikaner und Israelis daher seit dem ersten Kriegstag Jagd auf die oft mobilen Abschussrampen im Iran.
Shaheds dürften das größere Problem werden als Raketen
Das größte Problem für die Golfanrainerstaaten dürften aber ohnehin weniger die schweren iranischen Raketen sein als die auch von Russland im Ukraine-Krieg in großen Schwärmen eingesetzten Shahed-Angriffsdrohnen. Die 3,5 Meter langen Flugkörper, die pro Einheit gerade einmal 20.000 Euro kosten, sind simpel in der Herstellung und lassen sich schnell nachproduzieren. Die russische Rüstungsindustrie fertigt Schätzungen zufolge mittlerweile 5000 Shahed-Nachbauten pro Monat, von den Patriots verlassen im gleichen Zeitraum dagegen nur 60 Stück die Werkshallen bei Raytheon und Lockheed.
In der Ukraine werden Patriots aufgrund der geringen Bestände mittlerweile nur noch gegen schwer abzuwehrende ballistische Raketen eingesetzt. Die langsam fliegenden Shahed-Nachbauten werden dagegen mit schweren Maschinengewehren, langsam fliegenden Flugzeugen und Helikoptern abgeschossen. Derzeit verfügen die Golfstaaten aber weder über die entsprechende Menge dieser billigen Waffensysteme noch über die Erfahrung der Ukraine bei der Abwehr großer Drohnenschwärme.