Die Zukunft reist mit dem Zug an und klopft bereits an die südösterreichische Tür. Die „Area Süd“ mit ihrem Einzugsgebiet von 1,8 Millionen Menschen und rund 700.000 Beschäftigten könnte das zweitgrößte Ballungszentrum Österreichs werden. Doch ohne die passende Infrastruktur bleibt dieser Raum ungenutztes Potenzial. Bis dato fehlen allerdings in vielen Bereichen konkrete Pläne und noch mehr das notwendige Budget, um die erforderliche Infrastruktur – sei es im Wohnbau, bei Bildungseinrichtungen oder in der Kinderbetreuung – zeitnah auf den Weg zu bringen. Gerade für Studierende, die von der schnelleren Anbindung profitieren könnten, sind bezahlbare Wohnungen bislang Mangelware. „Vor allem muss zum Beispiel das Angebot für studentisches Wohnen zukünftig massiv ausgebaut werden“, sagt der für Stadtentwicklung zuständige Vizebürgermeister Ronald Rabitsch (SPÖ). Ohne diese Voraussetzungen droht die Koralmbahn mehr Pendlerströme zu schaffen, die leider allesamt in die andere Richtung brausen werden. Im kommenden Jahr plant die Stadt Klagenfurt, zusammen mit der Wirtschaftskammer, einen Zukunftsdialog zum Thema Koralmbahn, wo das Thema aus verschiedenen Aspekten (Wirtschaft, Bildung, Wohnraum etc.) beleuchtet werden soll. Auch in Graz soll dieser Dialog stattfinden.
„Vernünftiges Package“ gefordert
Der Tourismus sieht in der Koralmbahn eine Chance, Besucherzahlen zu steigern. Begriffe wie „Twin-City-Ticket“ oder „grenzüberschreitendes Radprodukt“ machen die Runde. Derartige Konzepte dürften auf jeden Fall für mehr Besucher aus der Steiermark sorgen – sie müssen nur noch konkret ausgearbeitet werden. „Dabei sollen die jeweiligen regionalen Stärken gebündelt werden. Denkbar ist in diesem Zusammenhang auch ein gemeinsamer Verkauf an internationale Touroperator“, meint Klagenfurts Tourismuschef Helmuth Micheler. Ein attraktives Freizeit-Ticket, das alle Öffis zwischen Graz und Klagenfurt bündelt, befindet sich noch am Reißbrett. „Wir fordern ein vernünftiges Package für Zugreisende. Sei es jetzt für Tagestouristen oder Pendler“, sagt Tourismus- und Wirtschaftsstadtrat Max Habenicht (ÖVP). Hierfür bedarf es allerdings noch Gespräche mit der ÖBB.
Mangel an Park-and-Ride-Maßnahmen
Ebenso wichtig wie ein Koralm-Kombi-Ticket ist aus touristischer Sicht ein attraktiveres Angebot für Radfahrer zu schaffen. Die prachtvolle Kärntner Landschaft kann nicht erkundet werden, wenn das Fahrrad am Grazer Bahnhof stehenbleibt. Der Micotra-Zug, zwischen Villach und Udine, soll hier als Vorbild dienen. Die Stadt Klagenfurt hofft, mit der Koralmbahn vermehrt sportbegeisterte Steirer anzulocken. Entscheidend sind jetzt Begleitmaßnahmen wie ausreichende Park-and-Ride-Möglichkeiten, Shuttle-Services oder eine gezielte Vermarktung der Stadt als Ganzjahresdestination. Robbie Williams und auch Rammstein waren mit Sicherheit Kassenschlager – weitere internationale Künstler und natürlich auch Sportevents, wie das im Jänner stattfindende Big Air, könnten die Stadtkasse wieder etwas füllen. Indes hofft man auf weitere Sportler, die wegen der prachtvollen Seenlandschaft nach Klagenfurt kommen. „Diese natürliche Umgebung lockt vor allem junge Menschen an, die ihre Sportleidenschaft nachhaltig gestalten und dafür gezielt öffentliche Verkehrsmittel nutzen“, meint Sportstadträtin Constance Mochar (SPÖ).
Der Blick in die Glaskugel macht klar: Die Koralmbahn bietet unbestreitbare Chancen, doch diese werden nur durch vorausschauende Entscheidungen Realität. Klagenfurt muss aufwachen, sonst bleiben diese Pläne nur ein Traum.