SlowenienStanjel ist das Krönchen im Karst

In Stanjel sagen sich Hund und Katz Gute Nacht. Auch jeder Stein hat etwas zu erzählen. Gästen hingegen fehlen oft die Worte, so sehr faszinieren Stille, mystische Karsthäuser und das Erbe des Architekten Max Fabiani.

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Stanjel, beschauliches Kleinod auf 312 Meter Seehöhe. Die wohl älteste Siedlung des Karst besticht durch Urtümlichkeit © Marijan Močivnik
 

Nähert man sich dem stolz auf einem Hügel thronenden mittelalterlichen Karstdorf Stanjel, so ahnt man schon von Weitem: Da tut sich Besonderes auf! So als hätte man der kargen Landschaft ein Krönchen aufgesetzt, dessen Charme man sich schwer entziehen kann. Einmal oben im Kleinod auf 312 Meter Seehöhe angekommen, besticht sofort die außergewöhnliche Aura, die diesen Ort umgibt.

Ist es die Stille, die Beschaulichkeit, das Gefühl der Echtheit, der Einfachheit, oder die Langsamkeit, die einen plötzlich zu überkommen scheint? Es ist all das und noch mehr! „Ich habe mir hier vor vielen Jahren ein Haus gekauft mit der Absicht, eine kleine Bar zu eröffnen, wenn die Zeit für den Slow-Tourismus reif ist“, erzählt der Laibacher Igor. Es ist so weit. Mit Freuden serviert er Gästen auf der Terrasse der „Panorama Bar“ den Karstwein Teran – sensationeller Ausblick inklusive.

Der Ferrari-Garten im Stanjel Foto © KK

Ein Spaziergang durch die wahrscheinlich älteste Siedlung des Karsts mutet wie eine Zeitreise an. Die traditionellen Häuser mit ihren steinernen Regenrinnen säumen die engen (autofreien!) Gassen, durch die seit Jahrhunderten der typische raue Fallwind Bora bläst. Sie lassen viele alte Geschichten ihrer Bewohner erahnen.

In der ethnologischen Sammlung des ältesten Karsthauses im Ort lässt sich dazu Genaueres erfahren. Der riesige mittelalterliche Burgkomplex, einst imposantes Bollwerk in kriegerischen Zeiten, scheint mit Vergangenheit und Gegenwart längst Frieden geschlossen zu haben. Heute beherbergt er in seinen toprenovierten Teilen Attraktives für Gaumen und Kunstsinn. Die stylische Vinothek gibt alles her, was die köstlichen Trauben des Karsts hervorbringen. Einen Überblick über das Werk des bedeutenden slowenischen Malers der Nachkriegszeit, Lojze Spacal, bietet die nach ihm benannte Galerie.

Reisetipps

Unterkunft:
Villa Fabiani, Kobdilj 39, Stanjel, www.villafabiani.com
Biohotel St. Daniel, Hruevica 1b, Stanjel, www.stdaniel.si
Blackbird House Stanjel, Nr. 28, Stanjel, Tel. (00386) 69 912 142

Essen und Trinken:
Osmica & Prsutarna Scuka, Kobjeglava 60, Stanjel, www.prsutarnascuka.com
Bistro Schloss Stanjel, Nr. 1a,
Stanjel, www.gradstanjel.si

Permanente Ausstellungen über Max (Maks) Fabiani: Villa Fabiani, Kobdilj 39, Stanjel
Schloss Stanjel, Nr. 1a, Stanjel

Diese raue, steinige, vom Wind gepeitschte und an Wasser arme, etwas mystische und überaus inspirierende Region fesselte auch den hier beheimateten k. u. k. Architekten Max Fabiani. Der slowenisch-italienisch-deutschsprachige Kosmopolit zog einst aus, um große Karriere in der Donaumonarchie zu machen. Er baute unter anderem die bekannte Urania in Wien. Mitte der Dreißigerjahre kehrte er 52-jährig in seine Heimat zurück und revitalisierte als Architekt und Bürgermeister „sein“ Stanjel.

Dem Erfindergeist gelang es zwar nicht, wie er wollte, Bergluft nach Mailand zu bringen, aber dafür das begehrte Mangelgut Wasser nach Stanjel. Und dies in höchst gelungener Gartenarchitektur. Der pittoreske Ferrarigarten entzückt als grünes Ensemble der Zierde, gespickt mit ausgeklügelter Funktionalität. Ein hübscher See mit Wasserspielen, ein orientalischer Aussichtspavillon als Schattenspender über einer Grotte, die als Eiskeller diente, Aussichtsterrassen sowie eine Kirschbaumallee harmonieren wunderbar miteinander. Wie sehr dies Paare tun, können sie auf der romantischen venezianischen Brücke prüfen.

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Es dauert eine Weile, bis man draufkommt, was anders ist: In der Innenstadt von Laibach hört man Menschen tratschen, Vögel zwitschern, Musik aus den Cafés – aber keine Autos. 

nataliaderiabina/stock.adobe.com (Natalia Deriabina)

Das Zentrum ist verkehrsberuhigt, wer trotzdem nicht zu Fuß gehen möchte, schwingt sich auf ein Leihfahrrad (Anmeldung unter www.bicikelj.si) oder in einen „Grünen Kavalier“, wie die kostenlosen Elektroshuttles genannt werden. Denen winkt man auf der Straße einfach zu oder bestellt sie telefonisch (0386 31 666 331).

Mankica Kranjec

Neben klassischen Stadtführungen per pedes werden auch Touren auf dem Bike angeboten. Und weil die Stadt von so vielen Grüngürteln durchzogen ist, sogar auf dem Pferderücken. biketourljubljana.com, www.sloveniahorseriding.com

Mankica Kranjec

Heuer ist es in Metelkova ungewöhnlich ruhig – normalerweise steppt hier der Bär. 1993 hat die kreative Szene Sloweniens das einstige Kasernengelände der jugoslawischen Volksarmee besetzt und vor dem Abriss bewahrt. Daraus ist ein buntes Grätzel entstanden, in dem alternative Kunst, Kultur, Konzerte und eine Klubszene aufgeblüht sind.

Visit Ljubljana

Die Natur als Supermarkt: Katja Rebolj ist studierte Biologin und „Foragerin“. Das bedeutet, sie durchstreift die Grüngürtel von Laibach und Umgebung nach seltenen und schmackhaften Pflanzen, Früchten und Kräutern, die als Nahrungsmittel längst von unserem Speiseplan verschwunden sind. Wie zum Beispiel Bärenklau, Mädesüß, Taubnessel oder Hainsalat. Mit ihrer besonderen Ernte beliefert sie einige Restaurants in der Stadt wie das Monstera Bistro. Auch Besuchern zeigt sie bei geführten Spaziergängen, an welchen Spezialitäten des Feinkostladens Natur sie sonst achtlos vorbeigehen. katja
rebolj.com

KK

Auf jeden Einwohner kommen in der slowenischen Hauptstadt 542 m2 Grünfläche – und im Umland ist es noch viel mehr. Rund 160 km2 misst das vor den Toren von Laibach gelegene Moor.

Jost Gantar

Diese besondere Landschaft ist Heimat zahlreicher seltener Pflanzen und Tiere, aber auch die der von Nationalarchitekt Joze Plecnik entworfenen und unbedingt sehenswerten St.-Michaelskirche.

Jessmine

Die Promenaden und Brücken setzen die Ljubljanica, die sich durch Laibach schlängelt, wunderbar in Szene: In den wie an der Perlenschnur aufgefädelten Cafés am Ufer kann man die Szenerie erste Reihe fußfrei erleben. Oder man ist mittendrin statt nur dabei: Die Stadt lässt sich vom Wasser aus nämlich auch mit Kajaks oder beim Stand-up-Paddeln erkunden. Wackelig, aber wunderbar.

Andrej Tarfila

Er ist ein Pionier der modernen slowenischen Küche, der sich munter Sterne und Hauben erkocht: Janez Bratovz hat bis zur Molekularküche alles auf den Teller gebracht, nur um dann zu den saisonalen und regionalen Spezialitäten seiner Heimat zurückzukehren und sie neu zu interpretieren. Wie die Laibacher Eierspeise, Burek oder die typischen Topfenpalatschinken mit Estragon, die in seinem Restaurant JB auf der Karte stehen.

Tomo Jeseničnik

Ein morgendlicher Spaziergang über den Bauernmarkt ist für Janez Bratovz Pflicht – für Besucher übrigens auch. Tipp: Kommen sie hungrig!

Tomo Jeseničnik
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Atemberaubendes erwartet gehfreudige Spurensucher beim ehemaligen Geburtshaus Fabianis im Nachbarort Kobdilj. Der uralte Maulbeerbaum inmitten des traumhaften Anwesens ist Zeuge aller Fabiani-Generationen, die über 400 Jahre hier lebten. Die heutigen Besitzer, Familie Malgaj, machten aus dem Gut ein Juwel: „Es war Liebe auf den ersten Blick. Das gibt uns die Kraft, den großartigen Bestand des Fabiani-Gutes originalgetreu zu revitalisieren“, erzählt die Architektin Blanka Malgaj.

Die traditionellen Häuser mit ihren steinernen Regenrinnen säumen die engen Gassen Foto © Olja/stock.adobe.com

Es gibt drei Möglichkeiten, diesen filmreifen Märchenplatz zu erobern: Man besucht die hiesige Ausstellung „Max Fabiani“, mietet sich als Gast in die Luxusbleibe ein oder am besten: Man heiratet in der wohl schönsten Hochzeitslocation Sloweniens – nach dem Harmonie-Check auf der Brücke des Ferrarigartens.

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