Eigentlich sollte der Bluttest dazu dienen, meinen Eisenstatus zu bestimmen. Es stellte sich heraus, dieser war auch tatsächlich zu niedrig. Zudem teilte mir meine Hausärztin mit, dass meine Cholesterinwerte erhöht seien und wir, um das Herz-Kreislauf-Risiko genauer eruieren zu können, auch meinen Lipoprotein(a)-Wert bestimmen sollten. Es zeigte sich: Dieser liegt bei über 140 mg/dl. Das bedeutet für mich ein gesteigertes Risiko, an Gefäßverkalkungen (Atherosklerose) zu erkranken und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu entwickeln.

Nun waren das für mich zwei überraschende Informationen. Erstens: Mit etwas über 40 Jahren und relativ normalgewichtig war mir nicht bewusst, dass ich auf Cholesterinwerte achten sollte. Und zweitens: Der Begriff „Lipoprotein a“ (Lp(a)) sagte mir so gar nichts. Dabei handelt es sich um ein Transporteiweiß für Fette im Blut, also auch für Cholesterin. Diese Teilchen können uns gefährlich werden, da sie sich an den Gefäßen ablagern, Entzündungen in den Wänden der Blutgefäße verursachen können und die Bildung von Blutgerinnseln fördern. „Lipoprotein hat eine prothrombotische Wirkung“, erklärt Hermann Toplak (Facharzt für Innere Medizin Uniklinikum Graz).

Man spürt das erhöhte Risiko nicht

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Es stellt sich immer mehr heraus, dass Lp(a) aufgrund dieser Eigenschaften ein zusätzlicher Risikomarker in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Doch als Betroffene spürt man dieses Risiko nicht, Symptome gibt es keine. Aus diesem Grund sollte man den Wert einmal im Leben bestimmen lassen, dafür reicht eine Blutabnahme. Nur einmal, weil dieser Wert zu einem großen Teil genetisch bedingt ist, über die Lebensspanne praktisch gleichbleibt und sich – etwa durch bestimmte Diäten oder andere Lebensstilfaktoren – nicht wesentlich verändern lässt. Mit wenigen Ausnahmen, zum Beispiel bestimmten Erkrankungen oder hormonellen Veränderungen. Deswegen wird Frauen angeraten, den Wert nach dem Wechsel noch einmal prüfen zu lassen. „Besonders, wenn in der Familie schon Herzinfarkte, Schlaganfälle vorgekommen sind bzw. familiäre Hypercholesterinämie vorliegt“, erklärt Toplak.

Wichtig zu betonen ist: Ein erhöhtes Lp(a) ist kein Notfall, es ist ein Biomarker – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Befindet er sich im Normalbereich (also unter 30 mg/dl), braucht man sich nicht weiter damit zu beschäftigen. Beträgt der Wert mehr als 50 mg/dl, dann ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis zu zweifach höher. Das entspricht in etwa jener Erhöhung, die auch Raucher aufweisen. Was bedeutet das also für mich und meine 140 mg/dl als Betroffene? Medikamente scheiden aus, denn noch gibt es keine Präparate, welche dieses Lipoprotein im Blut vermindern können. Die ersten sollen aber binnen der nächsten zwölf Monate auf den Markt kommen. „Ein genauer Ultraschall der Halsschlagader kann Auskunft darüber geben, ob es schon Ablagerungen bzw. Verengungen gibt“, sagt Toplak. Abseits davon: „Reduzieren Sie alle anderen Risikofaktoren, die Sie beeinflussen können.“

Zu diesen zählen: nicht rauchen, den Blutdruck sowie den Blutzucker unter Kontrolle zu halten sowie auch den Cholesterinspiegel im Blick zu haben bzw. zu senken. „Es ist einfach nicht egal, was Patienten zusätzlich zu hohen Lipidwerten haben“, sagt Toplak.

Wenig sexy, aber wirksam: Normalgewicht und Bewegung

Wichtig ist aber auch ein normales Körpergewicht zu bewahren und täglich ausreichend Bewegung zu machen, damit sich nicht zu viel Fett im Körper ablagert. Weil sich Cholesterin, wenn ein Überschuss vorhanden ist, an den Gefäßen ablagern und so durch sogenannte Plaques und die daraus entstehenden Verengungen der Blutfluss vermindert werden kann, kann es zu Herzinfarkt, Schlaganfällen oder auch Verschlüssen in den Beingefäßen kommen.

Aus diesem Grund ist es wichtig, die LDL- und HDL-Cholesterinwerte regelmäßig im Blick zu haben. Idealerweise sollte das Gesamtcholesterin unter 190 mg/dl liegen, jener Wert des LDL-Cholesterins unter 130 mg/dl. Höchstrisikopatienten mit bereits vorhandenen Gefäßverengungen sollten einen LDL-Cholesterin-Wert von unter 55 mg/dl haben. „Vor allem ältere Personen sollten dann zweimal im Jahr auf diese Werte überprüft werden“, rät Toplak. Patienten ohne vorhandene Verengungen an den Gefäßen sollten bei entsprechendem Risiko (etwa familiär) etwa alle zwei Jahre untersucht werden.

Ein zehn Prozent geringeres Risiko

Die Risikofaktoren, die ich am einfachsten selbst steuern kann, sind vorrangig Ernährung und Bewegung. „Die Ernährung kann eine Reduktion des LDL-Cholesterins von rund zehn Prozent bringen“, sagt Toplak. Für die tägliche Ernährung bedeutet das: Fett und Zucker zu reduzieren – insbesondere Fruchtzucker, der nicht zuletzt die sogenannte Fettleber begünstigt. Rund zwei Drittel des Cholesterins stellt unser Körper selbst her, ein Drittel nehmen wir über die Nahrung zu uns. Orientieren kann man sich an der mediterranen Ernährung. Diese enthält hohe Anteile an pflanzlichen sowie frischen Komponenten und weniger tierische Lebensmittel. Wenig Fertiggerichte und viel frisch Gekochtes sorgen zudem für größere Mengen an sekundären Pflanzenstoffen, Vitaminen sowie funktionellen Inhaltsstoffen, die das Immunsystem stärken.

Neben der ausgewogenen Ernährung ist die Bewegung essenziell. Sinnvoll sind Ausdauersportarten wie Walking, Radfahren, gemütliches Schwimmen oder langsames Laufen. Auch durch Training auf nüchternen Magen kann der Fettstoffwechsel positiv beeinflusst werden. Aber: All diese Lebensstilmodifikationen können, vor allem im Hochrisikobereich, nur ein Teil der Therapie sein. Betroffenen mit einem hohen und sehr hohen kardiovaskulären Risiko wird empfohlen, cholesterinsenkende Medikamente, sogenannte Statine, einzunehmen. Viele haben aber Respekt vor den Nebenwirkungen, allen voran Muskelbeschwerden. Toplak dazu: „Man kann immer Präparate wechseln bzw. unterschiedliche Präparate kombinieren. Das hilft einerseits, die erwünschte Senkung zu erreichen, und andererseits sehr häufig auch gegen die Beschwerden.“

Im Moment keine Medikamente

Für mich persönlich sind Medikamente im Moment nicht notwendig. Aber in Absprache mit meiner Hausärztin habe ich schon vor einer Weile begonnen, meine Ernährung gesünder zu gestalten, um mein Normalgewicht zu halten, also einen Body-Mass-Index unter 25 zu haben. Ich habe aufgehört, vor allem in der Redaktion, bei Vormittags- wie Nachmittagstiefs in die Süßigkeitenlade zu greifen. Es gelingt mir mittlerweile an den meisten Tagen. Und auch Toplak sagt: „Ein Faktor, der das Risiko für Atherosklerose in die Höhe treibt, ist das Gewicht. Ist man zusätzlich von familiärer Hypercholesterinämie betroffen, sollte man sein Leben lang normalgewichtig bleiben und sich ausreichend bewegen. Für mich heißt das: etwa drei Mal die Woche laufen, mit dem Rad in die Arbeit fahren. Das Ergebnis zeigt sich in Cholesterinwerten, die meine Hausärztin nicht mit mahnenden Worten kommentieren muss.