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Wieso Frauen besonders auf ihr Herz achten sollten

Fünf Risikofaktoren können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen massiv erhöhen – und Lebensjahre kosten. Doch Frau kann gegensteuern. Wie, erklärt Expertin Alexandra Kautzky-Willer.

Frauen sollten schon im jungen Erwachsenenalter regelmäßig zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung gehen – auch um ihr kardiovaskuläres Risiko abzuklären
© Adobestock
Frauen sollten schon im jungen Erwachsenenalter regelmäßig zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung gehen – auch um ihr kardiovaskuläres Risiko abzuklären
Martina Marx
Redakteurin Steiermark-Ressort, Gesundheit

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Österreich die häufigste Todesursache – bei Männern wie bei Frauen. 80 Prozent dieser Erkrankungen wären vermeidbar, weiß Alexandra Kautzky-Willer, Gendermedizinerin der MedUni Wien. Mehr noch als dies bei Männern der Fall ist, profitieren Frauen davon, wenn sie fünf Risikofaktoren unter Kontrolle haben: Diabetes, Bluthochdruck, ein hohes LDL-Cholesterin, Übergewicht sowie Rauchen. „Diese fünf Faktoren sind für 60 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich und für etwa ein Viertel aller Todesfälle von Frauen. Und das ist mehr als bei Männern“, erklärt die Expertin.

Würden alle fünf Risikofaktoren im Alter von 50 Jahren eliminiert werden, könnten Frauen 14 Jahre länger leben. Betrachtet man diese Faktoren einzeln, hat Nichtrauchen die größte Auswirkung auf die Lebenserwartung – sprich: Nichtrauchen heißt länger leben. Den stärksten Effekt auf das Herz-Kreislauf-Risiko, wenn man nur einen Faktor entfernen könnte, hat der zu hohe Blutdruck, nämlich 30 Prozent. Je früher ein zu hoher Blutdruck behandelt wird, umso weniger Schaden kann dieser anrichten.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder kardiovaskuläre Erkrankungen sind Krankheiten des Herzens und der Blutgefäße. Dazu zählen unter anderem: Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose.

Die Grenzwerte für Bluthochdruck:

  • Normalblutdruck: weniger als 120/80 mmHg
  • Erhöhter Blutdruck: Werte von 120 bis 129/80 mmHg
  • Hypertonie Stufe 1: 130 bis 139 zu 80 bis 89 mmHg
  • Hypertonie Stufe 1: 130 bis 139 zu 80 bis 89 mmHg

Wie man sein Herz jeden Tag schützen kann

Was bedeuten diese Daten aber für das tägliche Leben? Nun, will man sein Herz-Kreislauf-Risiko senken, sollte man eben diese Risikofaktoren im Auge behalten. Im besten Fall versucht man, allen fünf entgegenzuwirken. Aber auch wenn man mit nur einem beginnt, setzt das meist eine positive Spirale in Gang. „Wenn ich nicht mehr rauche, ist auch mein Diabetesrisiko geringer, auch meine Blutfette werden besser“, erklärt Kautzky-Willer.

Doch um Risikofaktoren verringern zu können, muss man wissen, ob für einen selbst überhaupt ein kardiovaskuläres Risiko besteht. Während Männer im jungen Erwachsenenalter die Musterung beim Bundesheer als „Check-up“ durchlaufen müssen, fehlt eine solche Kontrolle bei Frauen. Umso wichtiger sei es, so Kautzky-Willer, die jährliche kostenfreie Vorsorgeuntersuchung (Gesundenuntersuchung) in Anspruch zu nehmen. „Häufig haben Frauen erst regelmäßige Kontrollen, wenn sie schwanger werden. Häufig leiden Frauen zu diesem Zeitpunkt aber schon unter gesundheitlichen Beschwerden.“

Herzinfarkt-Symptome

Erleidet eine Frau einen Herzinfarkt, so wird dieser von Medizinern oft schwerer erkannt als bei Männern. Neben den klassischen Symptomen wie Brustschmerzen haben Frauen auch oft Schmerzen im Schulter-, Bauch- und Kieferbereich, Atemnot, geschwollene Füße und Knöchel und fühlen sich insgesamt abgeschlagen und erbrechen.

Die Cholesterin-Werte im Blick

So sind in Österreich 30 Prozent der Schwangeren übergewichtig, 15 Prozent haben Schwangerschaftsdiabetes, viele einen Schwangerschaftsbluthochdruck. „All das sind Faktoren, die ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko auch nach der Schwangerschaft bedeuten“, sagt Kautzky-Willer. Auch starke Zyklusschwankungen oder ein Ausbleiben der Menstruation können frühe Indizien für hormonelle Störungen und ein höheres Risiko sein. „Es wäre so wichtig, diese Frauen auch nach der Schwangerschaft weiter zu betreuen, damit sie eben nicht schon jahrelang mit erhöhten Blutwerten oder Cholesterinwerten leben und erst viele Jahre später behandelt werden, wenn sich ein Diabetes manifestiert hat oder Gefäßprobleme bestehen“, betont die Ärztin.

Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend ausdauerorientierter Bewegung und auch Krafttraining zweimal pro Woche reduziert das Risiko für Arteriosklerose, Schlaganfall und Co. Aber: Über Lebensstilmaßnahmen lässt sich das LDL-Cholesterin nur um maximal zehn Prozent senken. Für die meisten Betroffenen ist dies aber zu wenig. Aus diesem Grund braucht es Medikamente, sogenannte Statine. „Wir wissen, dass Frauen sehr vorsichtig sind mit diesen Präparaten, oft werden sie nicht in den richtigen Dosierungen eingenommen oder die Behandlung abgebrochen“, weiß Kautzky-Willer. „Aber Frauen profitieren immens von dieser Therapie, denn diese ist lebensverlängernd.“

Alexandra Kautzky-Willer, Stoffwechselexpertin und Gendermedizinerin an der Medizinischen Universität Wien
© MedUni Wien
Alexandra Kautzky-Willer, Stoffwechselexpertin und Gendermedizinerin an der Medizinischen Universität Wien

Zu oft sei der Respekt vor Nebenwirkungen aber ausschlaggebend für das fehlende Vertrauen in diese Präparate. Eine vor kurzem im Fachjournal „The Lancet“ erschienene Übersichtsstudie zeigt aber, dass das auf eine Vielzahl jener Nebenwirkungen, die im Beipackzettel angeführt werden gar nicht zutrifft. Von 66 überprüften Nebenwirkungen, konnten nur vier ursächlich auf Statine zurückgeführt werden. „Wir wissen aus der Praxis, dass es zu einem leichten Anstieg des Blutzuckers kommen kann, was im Normalfall aber kein Problem darstellt, ebenso wie leicht erhöhte Leberwerte“, erklärt Kautzky-Willer. Viele Frauen plagen aber vor allem Muskelbeschwerden. Diese Beschwerden müssten von Ärztinnen und Ärzten ernst genommen werden, so die Expertin: „Außerdem gibt es mittlerweile auch gute Alternativpräparate, falls diese wirklich nicht vertragen werden.“

In Bewegung bleiben

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sollten erwachsene Personen 150 bis 300 Minuten pro Woche aktiv sein, und zwar bei moderater Intensität. Moderat bedeutet, dass man sich etwa beim Laufen noch unterhalten kann. Zusätzlich sollte man an zwei Tagen pro Woche auch Krafttraining durchführen. Zudem hat ein Wissenschafterteam herausgefunden, dass die wichtigsten positiven Gesundheitsauswirkungen bei 7.000 Schritten täglich eintreten. Durch diese tägliche Schrittzahl sinkt vor allem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Kardiovaskulärer Schutz

Frauen sind vor den Wechseljahren eigentlich besser vor Risiken in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschützt – besonders wenn es um Diabetes geht. „Sie haben eine günstigere Fettverteilung und eine bessere Insulinempfindlichkeit, niedrigeres LDL-Cholesterin und einen niedrigeren Blutdruck als Männer“, sagt Alexandra Kautzky-Willer. Mit zunehmendem Lebensalter und den Wechseljahren ändert sich dies aber.

Aus diesem Grund sollten Frauen den Herz-Kreislauf-Marker Lipoprotein A neben den anderen genannten Risikofaktoren unbedingt nach den Wechseljahren erneut überprüfen lassen. Dieser Wert ist genetisch bedingt und auch nicht veränderbar. Männer brauchen ihn nur einmal bestimmen zu lassen, Frauen eben ein zweites Mal nach der Menopause. Befindet er sich im Normalbereich, braucht man sich nicht weiter damit zu beschäftigen. Beträgt der Wert mehr als 50 mg/dl, dann ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis zu zweifach höher, das entspricht in etwa jener Erhöhung, die auch Raucher aufweisen. 

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