Ideologie wirkt oft banal, wenn sie beginnt. Ein bisschen Butter schlagen, ein bisschen Gemüse fermentieren, ein bisschen Dogma beim Abendessen. Doch wer genauer hinschaut, sieht: Essen ist nie nur Essen. Es ist immer auch Ritual, Symbol und Einladung in eine Weltanschauung. Hannah Neeleman alias Ballerina Farm weiß das. Auf Instagram füttert sie zehn Millionen Followerinnen mit perfekt inszenierten Bildern von Sauerteig, acht Kindern und einem Leben, das aussieht wie eine Mischung aus „Meine kleine Farm“ und Hochglanzwerbung für Mutterschaft. Alles in Pastell, alles selbstgemacht, alles so idyllisch, dass man den Burnout beim Zusehen bekommt.
Und irgendwo zwischen Utah und Vermont kämpfte zur gleichen Zeit Ophelia „Felix“ Bauckholt, Mitglied der radikal anmutenden Gruppe der Zizians, mit ähnlichen Zutaten – nur eben im Modus Hardcore: Veganismus nicht als Lifestyle, sondern als moralisches Gesetz. Ernährung, Gehirn, Geschlecht – alles wurde neu durchdekliniert, bis zur letzten Konsequenz. Der gebürtige Deutsche, früher Felix, dann Ophelia, war ein Genie, ein Superanalyst, der - gemeinsam mit anderen sogar mit Mordfällen in Verbindung gebracht wird. Sie alle sind oft transgender und jedenfalls vegan. Mehr dazu hier in der „New York Times“. Ophelia ist mittlerweile tot. Gestorben in einem Schusswechsel. Was treibt die Gruppe an? Sie sind „Rationalisten“ und finden, dass Veganismus eine moralische Pflicht ist, sie bekämpfen die Auswirkungen von KI und sie wechseln gern das Geschlecht. Meist von männlich nach weiblich. Anführer ist Jack „Ziz“ LaSota, der früher auch ein Mann war. Der radikale Veganismus eint die „Superhirne“.