Das Festival ist eröffnet. „Kleine Geschichten des Fallens“, heißt die Eröffnungsproduktion „Mikado“ des französischen Kollektivs Sous Le Manteau im Untertitel. Tatsächlich erzählen die losen Episoden von Kontrolle, Konstruktivem und Sabotage in einem Spiel zwischen, auf und mit rund vier Meter hohen Stangen. Auf einen dramaturgischen Höhepunkt wird nicht zugesteuert, stattdessen arbeiten sich dieje drei Artisten und Artistinnen im Stangenwald ab, angetrieben von einer mysteriösen Maschine, die mittels kleiner Zettel Aufträge zuteilt. Viele stehende Ovationen beendeten einen bekömmlichen Abend. Der große Knall, mit dem Festivals oft zu eröffnen pflegen, war „Mikado“ nicht. Der etatmäßige Festivaleröffner, Baro d’evel mit „Qui som“, kann aus terminlichen Gründen erst ab 2. August in Graz auftreten. Landhaushof Graz, heute und morgen, 19.30 Uhr.
Funny Business. Der wunderliche Kerl, der sich bei sommerlichen Temperaturen mit Gilet, Sakko und Melone zum ersten Mal dem Grazer La Strada-Publikum vorstellt, heißt Fraser Hooper. Ein grimmiger Kerl täuscht der erste Eindruck. Was zählt, ist der letzte Eindruck: ein Magier. Seine 50-minütige, familientaugliche Show ist von zauberhafter Natur, weit mehr als die Summe der Einzelteile. Die Einzelteile sind eine ferngesteuerte Ente, überdimensionale Boxhandschuhe, Soundeffekte oder die Einpflegung von Zuschauern ins Bühnengeschehen. Große Empfehlung. Freiheitsplatz, heute (10 Uhr) und morgen (19 Uhr), Murpark (morgen, 15 Uhr), Kalsdorf (30. Juli, 11 Uhr), Weiz (30. Juli, 18.30 Uhr).
Circa Tsuica. Mit „Crying Out Loud“ im Volksgarten – neuerdings wieder polizeilische Schutzzone – verpasst die Cheptel Aleïkoum eine Gute-Laune-Injektion, die in Leib und Seele geht. Die Auswirkungen zeigen sich unmittelbar: Leute tanzen, lachen, lassen sich mitreißen von der Lebenslust, die diese französische Formation nicht nur in Tuba und Co. vor sich herträgt. Man macht sich einen Spaß, mit schnittigen Blechblasinstrumenten, mit innovativen Schlagwerken, mit der großen Menschenmenge, die von den Musikern vor sich hergetrieben oder hinterhergezogen wird. Kaiser-Josef-Platz (heute, 21 Uhr), Augartenbucht (morgen, 11 Uhr), Murpark (30. 7., 11 Uhr), Weiz (Südtirolerplatz, 30. 7., 21.30 Uhr).
The Wishing Well. „Ich wünsche mir Weltfrieden“, „Ich möchte am besten Fußball spielen können“, „Ich wünsche mir mehr Zeit“. Dieser Punkt im diesjährigen Programm darf der Politik im Superwahljahr ans Herz gelegt werden. Wer wissen will, was sich kleine und mittlere und große Menschen wünschen, der braucht nicht einmal den Kopf ins Wasser des Karmeliterplatz-Brunnens zu stecken, ein Hörrohr genügt, noch deutlicher artikulieren sich die Wünsche allerdings für den, der zum Stethoskop greift. Die Zusammenarbeit von Mezzanin Theater, aXe und La Strada basiert auf einer facettenreichen Idee, vermischt die Tradition des Münzwurfs in den Brunnen mit anderen Bedeutungsebenen von Wasser – bis hin zur Flüchtlingsbootdramatik im Mittelmeer. Dass die Wünsche, Träume und Sehnsüchte mitunter kaum zu verstehen sind, darf als Teil des Konzepts gesehen werden. Karmeliterplatz Graz, bis 3. August, 10-21 Uhr.
Inside Out. Vorsicht, Spoiler-Alarm: Wer sich vor dem rund zehnminütigen Erlebnis im Schlossberg Museum keine Überraschung nehmen lassen möchte, sollte die Lektüre an dieser Stelle beenden. Einführung, Schuhe ausziehen, hinein in einen luftdichten Anzug, der Reminiszenzen bei Neil Armstrong aufkommen lässt. Auftritt: die Ruhe. Im stillen Kämmerchen ist zu spüren, wie der Druck abfällt, und mehr noch, ein Unterdruck entsteht, der den Körper auf eine Weise wahrnehmen lässt, für die im Alltag kein Platz ist. Als sich dann, aus der Beklemmung heraus, der Blick über Graz öffnet, ist dieses kleine, unbedingt erlebenswerte Schauspiel vollständig. Bis 30. Juli, Anmeldung notwendig.