Es sei ein „Geschenk“, sagte Jenny Jürgens. Und ihr Bruder John Jürgens ergänzte: „Papa kommt nach Hause.“ Nachhause, das ist Klagenfurt und im Besonderen das kärnten.museum, wo im Frühsommer 2027 eine Dauerausstellung zu Leben und Werk von Udo Jürgens eröffnet werden soll, ein „Museum im Museum“ mit einer Ausstellungsfläche von rund 400 Quadratmetern im zweiten Obergeschoss des Hauses. „Wir sind glücklich, dass sich unser lang gehegter Traum nun erfüllt. Unser Vater hatte sich das gewünscht, nicht aus Eitelkeit, sondern als Zeichen seiner Dankbarkeit gegenüber seinen Fans. Er wollte ihnen etwas zurückgeben“, sagte Jenny Jürgens bei der Präsentation.
Eingefädelt hat das Projekt Museumsleiter Wolfgang Muchitsch, der Anfang des Jahres an die Familie herangetreten ist: „Ich habe mir schon lange Gedanken über eine Sonderausstellung zum Ende meiner Direktionszeit im Jahr 2028 gemacht“, erzählt er. Im Februar habe er Jenny und John Jürgens kontaktiert und „aus der geplanten Sonderausstellung ist so viel mehr geworden: eine langfristige Heimat für seinen Nachlass, und das in unmittelbarer Nachbarschaft zum ehemaligen Konservatorium und der jetzigen Mahler-Privatuniversität, wo Udo Jürgens Musik studierte.
Udo Jürgens: Neue Ausstellung soll besondere Einblicke in sein Leben geben
Die Ausstellung soll besondere Einblicke in Leben und Werk von Udo Jürgens, der mehr als 100 Millionen Tonträger verkaufte, geben. Inhaltlich soll sich das neue Museum der Geschichte seiner Familie in Kärnten, seiner Kindheit und Jugend sowie seinen musikalischen Anfängen rund um den Wörthersee, seinem Lebenswerk sowie seiner internationalen Karriere widmen.
Die erste Leihgabe hat die Familie bereits übergeben: Es ist die Siegesmedaille des Eurovision Song Contests 1966, den Udo Jürgens mit dem Lied „Merci, Chérie“ gewonnen hat. Zahlreiche weitere persönliche Objekte aus dem Nachlass sollen noch folgen, darunter ein Glasflügel, der Bambi für das Lebenswerk, Goldene Schallplatten und weitere persönliche Gegenstände. Das Motorboot von Udo Jürgens soll vom Zürchersee nach Kärnten übersiedeln und künftig vor dem kärnten.museum auf die Ausstellung hinweisen. Mit einem am Dienstag unterzeichneten Kooperationsvertrag wurde auch der rechtliche Rahmen für die künftige Zusammenarbeit zwischen der Familie Jürgens und dem kärnten.museum geregelt. Ein passendes Gestaltungsteam für die Ausstellung soll noch gefunden werden, dafür wird im Herbst ein Wettbewerb durchgeführt.
Vergangene Projekte sind gescheitert
Man freue sich, dass es ein „seriöses, vom Land initiiertes Projekt“ sei: „Wir haben das Gefühl, dass da nichts Unvorhergesehenes passieren kann“, sagte Jenny Jürgens. In den letzten Jahren habe es viele Gespräche an vielen Orten, darunter in Wien und Hamburg, für ein Museum gegeben, die sich zerschlagen hätten. So wollte vor drei Jahren der inzwischen insolvente Eventmanager Hannes Jagerhofer mit einem Investor im Klagenfurter Herbertstöckl ein Udo-Jürgens-Museum errichten und rund dreißig Millionen Euro investieren, musste das Projekt aber bald wieder fallenlassen.
„Vielleicht muss man manchmal einfach warten“, zeigte sich John Jürgens dankbar gegenüber dem kärnten.museum. Im Gegensatz zu früheren Ideen erfordert die Ausstellung im vor drei Jahren rundum erneuerten Haus keine baulichen Investitionen, zudem wird es keine Folgekosten geben, da sie in den bestehenden Museumsbetrieb eingebettet ist.
Freude bei Politik und Tourismus
Die Freude über das Projekt, an dem seit Februar unter absoluter Geheimhaltung gearbeitet wurde, ist auch bei Landeshauptmann Peter Kaiser groß, der den Entertainer als „Botschafter Kärntens“ würdigte, der dem Land „zu viel positiver Aufmerksamkeit verholfen hat“. Und stellvertretend für Kooperationspartner aus dem Tourismus betonte Adi Kulterer, Vorstand des Tourismusverbands Klagenfurt: „Noch nie hat es so ein deutliches ,Ja, bitte´ gegeben wie zu diesem Projekt.“