Wie in jeder Aschenbrödel-Rezeption triumphiert auch in Gioacchino Rossinis „Cenerentola“ Bescheidenheit über Eitelkeit und Egoismus. Aber Märchen schreiben nicht nur einen Regelkanon fest, sie geben ihren Heldinnen und Helden auch Handlungsspielraum in der Not, und so erleben wir an der Oper Graz ein Aschenputtel, das rebelliert. Ein zorniges und sehnsüchtiges Mädchen, das sich nicht in eine zugewiesene Rolle fügen, sich weder Schönheitsdiktaten noch Weiblichkeitsklischees unterordnen will, sondern von einem Partner nichts weniger als „rispetto, amor, bontà“ einfordert.