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Gute Laune im BüroWas macht eigentlich ein Feelgood-Manager?

Arbeitszeit ist Lebenszeit: Doris Steinscherer plädiert daher auch für mehr Wohlfühlatmosphäre bei der Arbeit und genau dafür sollen Feelgoodmanager sorgen

© Getty Images/fStop
 

Sie haben die Feelgoodmanagement-Akademie gegründet. Das klingt ein bisschen nach unternehmensinternem Erwachsenen-Animationsprogramm. Was macht ein Feelgood-Manager?
DORIS STEINSCHERER: Schön, dass Sie mit einer provokanten Frage beginnen, weil genau diese Frage höre ich seit Start der Feelgood-Akademie vor drei Monaten. Ich habe also schon früh gemerkt, dass es ein harter Weg wird.

Warum, weil die Tätigkeit so schwer zu definieren ist?
Der Begriff Feelgoodmanagement polarisiert sehr und provoziert auch. Das ist einerseits sehr mühselig, andererseits zeigt es aber schnell, die ungefilterte Haltung des Gegenübers zum Thema Wohlfühlen und Arbeit sowie Wertschätzung im Job. Nun frage ich aber provokant zurück: Was ist denn schlecht daran, wenn man sich in seinem Job wohlfühlt? In unserer Gesellschaft ist Spaß, Freude, Wohlfühlen und Leistung für sehr viele leider nur schwer vereinbar. Wenn man mit seinen Kollegen Spaß hat, denken Chefs oft automatisch: Die arbeiten nichts. Lachen und Spaß haben, soll immer noch Zuhause passieren. Und das ist genau der Ansatz, wo das Feelgoodmanagement ansetzt. Arbeitszeit ist immerhin Lebenszeit.

Feelgoodmanagement-Akademie

Feelgood-Manager sind Teil des Human Resources-Teams, sie gestalten eine positive Unternehmenskultur. Als Bindeglied zwischen Belegschaft und Management sorgen sie für ein gesundes und produktives Miteinander.
Infotag Feelgoodmanagement:
Am 24. September gibt es um 18 Uhr einen Infotag im Seminarhotel Trattnerhof. Teilnahme nur mit Anmeldung möglich:
www.feelgood-management.at


Leisten zufriedene Mitarbeiter denn wirklich auch bessere Arbeit?
Die Initiative „Great Place To Work“ hat eine Studie gemacht, um herauszufinden, welche Faktoren Menschen in ihrem Job fördern. Positive Führung spielt hier eine wichtige Rolle. Viele Mitarbeiter kündigen ihren Job nicht, weil sie die Arbeit oder Tätigkeit nervt, sondern wegen des Führungsverhaltens einiger Chefs. Aber auch eine positive Unternehmenskultur hat großen Einfluss auf das Wohlfühlpotenzial in Firmen. Aber es zahlt sich aus, daran zu arbeiten. Die Studie zur vor genannte Studie zeigt, dass diese Unternehmen um 51 Prozent weniger Fluktuation vermelden, 66 Prozent weniger Fehlzeiten und eine 31 prozentige Produktionssteigerung aufweisen.

Wo setzt der Feelgoodmanager genau an? Viele denken hier ja schnell an den gut gemeinten Obstkorb.
Der Feelgoodmanager ist für nachhaltige Unternehmenskultur. Er sollte Gesundheit und Arbeit in den Fokus stellen. Es geht aber noch darüber hinaus: er muss die positive Unternehmenskultur fördern.
Eine Redewendung besagt: Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Wie viel von dieser Veränderung müssen Chefs mittragen?
Einen Chef zu überzeugen, dass das Unternehmen unbedingt einen Feelgoodmanager braucht, wird nicht funktionieren, denn diese ganze Bewegung muss von den Chefetagen ausgehen. Deswegen ist positive Führung auch so wichtig – die Stärken der Mitarbeiter aufbauen und fördern. Die Führungskraft sollte Schwächen zwar nicht ignorieren, sondern sich auf die Stärken des Einzelnen konzentrieren. Dieses Verhalten liegt aber leider zutiefst in unserer Gesellschaft: Wir stärken immer das, wo wir eine Schwäche haben. Nachhilfe gehen wir in einem Schulfach, in dem wir ein „Nicht genügend“ haben. Leider machen wir das auch in der Personalentwicklung so. Stellen Sie sich vor: zwei Menschen, einer liebt Präsentationen, der andere macht sie eben, weil er muss. Und wen schickt man dann auf ein Seminar zur Weiterbildung? Denjenigen, der das nicht so gut kann. Und so bleiben wir aber immer Durchschnitt. Und hier kann ein Feelgoodmanager ansetzen und vermitteln. Deswegen braucht es auch eine eigene Stabstelle, der Feelgoodmanager sollte nicht wieder einen direkten Chef haben.
Was ist bei diesen Veränderungsprozessen noch entscheidend?
Dass Unternehmen keine Pseudogeschichte daraus machen. Mitarbeiter haben dafür sehr gute Antennen.

Inwiefern hat Corona dieser Entwicklung hin zu mehr wertschätzender und positiver Atmosphäre einen Strich durch die Rechnung gemacht? Haben Unternehmen derzeit nicht andere andere Problemfelder zu beackern als die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter?
Natürlich. Aber, was wir auch gesehen haben ist, dass das Thema Wertschätzung gerade in dieser Krise einen wichtigen Stellenwert bekommen hat. Feelgoodmanagement könnte dazu beitragen, erfolgreich durch diese Umbruchzeit zu navigieren. Die Pandemie zeigt ja auch wie wertvoll Gesundheit, Familie, Freundschaft und Freiheit sind. Und, dass all das nicht selbstverständlich ist, sondern man sich auch aktiv darum bemühen muss. Die Arbeitswelt lernt derzeit aber auch, dass man Systemerhalter wie Pflegekräfte oder Handelsangstellte, auch in Zukunft eine dementsprechende Wertschätzung und Anerkennung entgegenbringen sollte.

Von den Daten zu den Menschen

Holger Götze arbeitet als Feelgoodmanager beim deutschen Energieversorger EWE. „Ein Feelgoodmanager ist eine Person, die den Menschen stärkt. Es geht darum, ihn in seinen Stärken einzusetzen, ihm bei der Potenzialentwicklung zu helfen und auch ein Stück widerstandsfähiger gegen Stress zu machen“, fasst der 42-Jährige selbst seinen Tätigkeitsbereich zusammen.

Zuvor war Holger Götze Datenanalyst, aber vor allem hatte er ein offenes Ohr für die Kummer, Probleme und Sorgen seiner Kollegen. Und das sprach sich ziemlich schnell herum. Als man sein empathisches Talent erkannte, beschloss man, ihn in einem anderen Bereich einzusetzen. Weg von den Zahlen, hin zu den Menschen.

Nun fungiert er als Bindeglied und Vermittler zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. Denn auf Managementebene bleibt eben oft wenig Zeit für Zwischenmenschliches. So wurde bereits das Büro des Kundenservice erfolgreich umgestaltet. Fazit: „freundlicher und ansprechender“. Da geht man gleich viel lieber ins Büro.