„Ich habe vom Projekt ,Bewegt im Park‘ gehört und wollte das bei uns anbieten“, erinnert sich die Kühnsdorferin Maria Pressl (64) zurück. Um Sport- und Bewegungskurse in diesem Rahmen kostenlos anbieten zu können, war die Gründung eines Vereins notwendig – so entstand im Sommer 2021 der Verein „Fit for Fun – Sportunion Südkärnten“ mit Pressl als Obfrau. „Dabei war ich vorher überhaupt kein Vereinsmensch“, sagt sie. Doch ihr Wunsch, Menschen von der Couch und aus der Einsamkeit hin zu gemeinsamer Bewegung zu bringen, ließ sie umdenken: „Ich sehe, wie es den Leuten gefällt. Es sind richtige Freundschaften entstanden.“
Zuerst wurden „nur“ einige Kurse angeboten, mittlerweile gibt es zusätzlich mehrtägige Wanderungen und Radtouren, Vollmondspaziergänge, Eisschwimmen und vieles mehr. „Wir sind derzeit 176 Mitglieder, das ist für den Raum Kühnsdorf eine große Menge“, ist Pressl stolz.
Gleiche Arbeit, gleiches Geld
Die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen findet es schade, dass der Weltfrauentag noch immer so betont werden muss: „Das Gendern ist mir persönlich nicht wichtig, aber für gleiche Arbeit muss es gleiches Geld geben. Da wird oft noch viel geredet und wenig getan.“ In ihrem früheren Job in der Metallbranche erlebte sie auch Ungerechtigkeiten, etwa bei einer Beförderung, bei der sie aufgrund ihres Geschlechts übergangen wurde. Eine andere Anekdote ist Pressl aber noch stärker im Gedächtnis geblieben: „Ich habe mich in einem Betrieb vorgestellt und mir wurde gesagt ,Sie können wir nicht einstellen, Sie werden eh gleich schwanger‘. Der Mann, der dann die Stelle bekam, war dann allerdings einer der ersten, der damals die Väterkarenz in Anspruch nahm. Da musste ich schon schmunzeln.“
In ihrem Verein möchte Pressl noch viel bewegen, deshalb stellt sie sich bei der Jahreshauptversammlung im Sommer der Wiederwahl: „Ich bin mit meinem Team sehr zufrieden.“
Rückschritt in Sachen Frauenrechte
Ähnlich wie bei „Fit for Fun“ ist auch die Entstehungsgeschichte des Völkermarkter Kunstvereins Art 13 gelagert. „Wir haben zuerst schon länger als lose Gruppe ,Klangfarben‘ mit Sigi Kulterer zusammengewirkt, doch als wir in Völkermarkt ein Gemeinschaftsatelier anmieten wollten, brauchte es zuerst eine Vereinsstruktur“, erzählt Obfrau Herlinde Sander (67). So kam es im Jahr 2008 zur Vereinsgründung und seit der ersten Stunde hat Sander „den Hut auf“, wie man so schön sagt: „Unsere größte Herausforderung ist es, die Miete und die Betriebskosten für das Gemeinschaftsatelier im Stadthaus zu stemmen.“ Der Verein hat zwischen 13 und 17 Mitglieder und bespielt mit Ausstellungen in regelmäßigen Abständen – auch mit auswärtigen Künstlerinnen und Künstlern – den Stadtturm. Außerdem wird viel mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Vor vielen Jahren gab es einmal eine Zusammenarbeit mit Heide Bolt zum Weltfrauentag und 2023 war Gewalt gegen Frauen eines der Themen in der Sommerausstellung „Schock“. „Das Thema ist immer aktuell. Obwohl wir im 21. Jahrhundert leben, stehen Frauen noch immer hinten an“, bedauert Sander. Momentan bemerkt die Völkermarkterin viel Rückschritt weltweit in Sachen Frauenrechte: „Ich habe eine Dokumentation im Fernsehen über afghanische Frauen gesehen, das hat mich wirklich tief berührt.“
Sander sah sich selbst noch nie von Diskriminierung betroffen, kennt aber viele Beispiele aus ihrem Umfeld: „Ich finde, man muss die Dinge ansprechen, auch wenn es schwierig ist. Und man soll nicht ausschließlich mit den Töchtern, sondern auch mit den Söhnen über solche Themen sprechen“, sagt die verheiratete Mutter von zwei Töchtern und einem Sohn.
Auch in der bildenden Kunst ist es gang und gäbe gewesen, dass Frauen einen Schritt zurück gemacht haben, damit sich ihre Männer entfalten konnten. Bei Art 13 muss man sich darüber aber keine Gedanken machen, ist doch der Großteil der Mitglieder weiblich: „Es hat lange gedauert, bis wir etabliert waren und nicht mehr von oben herab als Hobby-Clique bezeichnet wurden. Wir sind seit vielen Jahren ein gutes Team mit meiner Stellvertreterin Gita Wandl.“
Sie spielen nach ihrer Pfeife
Dritte Obfrau in diesem Bunde ist Vanessa Stranner (31). Seit 2022 steht die Klarinettistin der Marktkapelle Eberndorf-Kühnsdorf vor, einem Verein mit langer Geschichte und tiefer Verwurzelung in der Region, der heuer sein 75-Jahr-Jubiläum feiert und deshalb erstmals am Josefimarkt in Eberndorf mit einem eigenen Zelt vertreten sein wird. „Ich bin seit 2006 Mitglied und habe damals im Jugendorchester angefangen“, erzählt die verheiratete Mutter von zwei kleinen Kindern. Anfangs musste sie sich bei ihren 45 aktiven Musikerkollegen und -kolleginnen und 15 Jugendmitgliedern schon beweisen: „Ich musste schon zeigen, dass ich die Versprechen, die ich bei der Jahreshauptversammlung gegeben habe, halten kann. Jetzt läuft es sehr gut.“
Stranner selbst ist gelernte Werkzeugbautechnikerin, absolviert aber derzeit eine Umschulung zur Friseurin: „Ich mache diesen Beruf sehr gerne und er lässt sich leichter mit der Familie vereinbaren.“ In der Metallbranche, in der sie früher tätig war, fordert sie ein Umdenken: „Manche Kollegen haben nur auf einen Fehler gewartet. Man muss uns Frauen mehr zutrauen.“ Frauen können Sachen laut Stranner gleich gut und teilweise sogar besser: „Sie machen es auf ihre Art und Weise und sind in ihrem Tun präsenter.“