Davon, dass man zum Internationalen Frauentag auch eine Bäuerin vor den Vorhang holt, sei sie zwar überrascht, aber wenn man darüber nachdenke, spielen Frauen gerade in der Landwirtschaft eine ganz besonders wichtige Rolle. „Sie tragen auf den Höfen schon immer eine große Verantwortung, die sich aber oft im Hintergrund abspielt und nicht gesehen wird, auch was die gemeinsame Betriebsführung anbelangt“, sagt Katharina Kanatschnig, die mit ihrem Mann Michael (41) den „Matlhof“ bei Glanegg betreibt – aber dazu etwas später.
Katharina ist selbst auf einem Bauernhof in Ingelsdorf, ebenfalls bei Glanegg, aufgewachsen. „Ich bin also nicht weit gekommen, nur über den Berg rüber“, sagt sie und lacht dabei. Landwirtin sei nicht unbedingt der Traumberuf gewesen, der ihr für ihre Zukunft vorgeschwebt sei. „Eigentlich wollte ich Tierärztin werden“, erinnert sie sich. Und an noch etwas erinnert sie sich, nämlich an die Worte ihres Vaters: „Heirate bloß keinen Bauern.“ Aber wie so oft im Leben, kommt es meist anders, als man es sich vorstellt. Denn Katharina hat nicht nur einen Bauern geheiratet, es sollte sich auch herausstellen, dass Bäuerin sich sehr wohl als ihr Traumjob entpuppte. „Ich könnte mir heute gar nichts anderes mehr vorstellen“, so Katharina, die die fünfjährige Landwirtschaftliche Fachschule in Pitzelstätten besuchte und dort maturierte.
Dass aus ihrem Traumberuf „Tierärztin“ nichts wurde, hatte seinen Grund in ihrer Heimatverbundenheit: „Ich wollte nicht von zu Hause weg und jahrelang in Wien zu studieren, konnte ich mir absolut nicht vorstellen.“ Also mussten die Weichen neu gestellt werden und da ihr nicht nur der Umgang mit den Tieren, sondern auch mit den Menschen liegt, hat sie an der Fachhochschule Kärnten im Fachbereich „Soziale Arbeit“ zuerst ihren Bachelor mit Auszeichnung und dann ihren Master absolviert. Schon während des Studiums bewarb sie sich für eine Stelle bei der SVS in Klagenfurt als sogenannte „CaRe-Beraterin“. „Das hat für mich perfekt gepasst und ich war die erste Frau in Kärnten in diesem Beruf und mit 23 Jahren österreichweit die Jüngste.“
Bis Mai 2024 hat sie diesen Beruf ausgeübt, dann wurden die Weichen bei der zweifachen Mutter, Johann ist sechs, Matthias zehn Jahre alt, wiederum neu gestellt. Was mit ihrer Jugendliebe, Michael Kanatschnig vom „Matlhof“ zu tun hat, mit dem sie seit 15 Jahren liiert ist. Der „Matlhof“ ist ein großer landwirtschaftlicher Betrieb mit rund 90 Rindern, davon 42 Milchkühe, sowie viel Acker- und Waldfläche. „Mir hat die Arbeit bei der Sozialversicherung zwar gut gefallen, trotzdem habe ich mich entschlossen, sie aufzugeben und ganz am Hof einzusteigen.“ Ein Entschluss, den sie keinen Tag bereut. „Es war die besten Entscheidung überhaupt. Es gibt für mich nichts Schöneres“, sagt sie und dass sowohl ihre Eltern als auch ihre Schwiegereltern noch fest mithelfen, sei eine große Erleichterung und „keinesfalls selbstverständlich.“ Auch ihre Liebe zu den Pferden – „Mein Papa hat mir mit sechs Jahren mein erstes Pferd gekauft“ – kann sie jetzt voll und ganz ausleben. „Meine große Leidenschaft sind die farbigen Lipizzaner. Es ist eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse und wurde 2022 sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.“ Ihr Ziel ist es, diese Pferderasse weiter zu züchten. „Ein Fohlen wurde bereits vor zwei Jahren geboren und heuer erwarten wir das Zweite“, freut sie sich. Und auch darüber, dass diese Woche eine weitere farbige Lipizzanerstute am Hof dazu kommt.
Am Matlhof managt Katharina neben den Pferden auch das „System Familie“, wie sie sagt, und es gibt strenge Stall- und Melkpläne, damit jeder weiß, wer wann was zu tun hat. „Bäuerin zu sein bedeutet nicht nur mitzuarbeiten, sondern auch mitzugestalten. Es ist zwar fordernd, für mich gibt es trotzdem kaum eine sinnerfüllendere Form von Selbstständigkeit“, sagt Katharina, die sich von der Gesellschaft mehr Wertschätzung gegenüber der bäuerlichen Arbeit wünscht. Auch mit Vorurteilen und Klischees werde sie oft konfrontiert. „Wenn manche Leute hören, dass ich Bäuerin bin, sagen sie oft: `Du schaust gar nicht aus wie eine Bäuerin.´ Da muss ich mich dann fragen, wie soll denn eine Bäuerin ausschauen?“